Drei Fragen an Michael Reuss: „Sinkende Zinsen sind gut für Aktien und Anleihen“

Key Takeaways
  • Fondsmanager erwartet Leitzinssenkungen in den USA und der Eurozone.
  • Sinkende Zinsen kommen Aktien und Anleihen zugute.
  • Small Caps könnten bei anziehender Konjunktur in den Fokus kommen.
  • Japan bleibt als Gesamtmarkt interessant.
Portrait von Michael Reuss
Portrait von Michael Reuss
Michael Reuss
Geschäftsführender Gesellschafter der HRK Lunis
Die Anlagespezialisten der HRK Lunis mit mehreren Standorten in Deutschland belegen regelmäßig Spitzenplätze in Vermögensverwalter‐Rankings.

2023 war das Jahr der Zinserhöhungen. Inzwischen ist die Inflation wieder deutlich gesunken. Wie stark werden die Notenbanken 2024 die Leitzinsen senken?

Der Zinsgipfel ist eindeutig erreicht. Das haben die Aktien- und Anleihenmärkte im November und Dezember bereits gefeiert. Ich gehe davon aus, dass die Leitzinsen 2024 auf beiden Seiten des Atlantiks wieder gesenkt werden. Wie stark der Rückgang ausfällt, hängt maßgeblich von der Konjunkturentwicklung ab. In Deutschland befinden wir uns schon in der Rezession. Die USA könnten dagegen um eine Rezession herumkommen, wenn sich die Konsumenten weiterhin so unerschütterlich zeigen. Rund einen Prozentpunkt dürften die Leitzinsen in den USA und der Eurozone nachgeben.

Wie sollte sich diese Zinssenkung auf die internationalen Aktienmärkte auswirken? Welche Länder und Branchen profitieren besonders?

Sinkende Zinsen sind gut für Aktien und Anleihen. Der Markt hat schon im Dezember mit Allzeithochs reagiert, etwa im DAX. Allerdings läuft die Konjunktur nicht gut und daher erwarte ich nach der ersten Zinssenkung durchaus noch einmal einen Kursrückschlag. Das wäre ein geeigneter Moment für größere Aktieninvestitionen. Als potenzielle Gewinner des Jahres 2024 sehe ich Aktien, die im Vorjahr zurückgeblieben sind. Dazu gehören solide Markenaktien aus dem Konsumsektor, die Pharma- und Biotechbranche. Auch Small Caps könnten bei anziehender Konjunktur wieder in den Fokus kommen. Regional betrachtet kommen Anleger im Technologiebereich an US-Werten nicht vorbei. Als Gesamtmarkt bleibt Japan besonders interessant.

In Anleihen sollte man ja gemeinhin am Zinshoch investieren. Welche Segmente sind für Anleger aktuell besonders interessant?

Ein Teil der Renditen wurde schon im November/Dezember erzielt. Dennoch bietet das Jahr 2024 noch gute Chancen, vor allem bei Rentenpapieren mit mittleren und längeren Laufzeiten. Entscheidend ist angesichts der aktuellen eher schwachen wirtschaftlichen Lage die Bonität der Emittenten. Das gilt bei Staatsanleihen, aber vor allem bei Unternehmensanleihen. Bei spekulativen Anleihen (High Yields) von finanzschwachen Unternehmen kann es dagegen in rezessiven Zeiten schnell zu Ausfällen kommen. Interessant finden wir Anleihen von finanziell gesunden Unternehmen, die kein offizielles Rating der großen Agenturen haben und entsprechend etwas mehr Zinsen als Konkurrenten bieten müssen. In Deutschland gehören zu dieser Kategorie zum Beispiel MDAX-Unternehmen wie Fraport oder Sixt.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung der comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 15.01.2024. Quelle: comdirect.de.

Portrait von Michael Reitz, Diplomvolkswirt und unabhängigem Finanzexperten
Portrait von Michael Reitz, Diplomvolkswirt und unabhängigem Finanzexperten
Autor
Michael Reitz
Der Diplom-Volkswirt beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem internationalen Börsengeschehen. Seine ersten schmerzhaften Erfahrungen hat er beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gemacht.
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