Online-Handel Zalando: Bald im DAX vertreten?

Zalando
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Zalando profitiert aktuell von der starken Nachfrage im Onlinehandel und gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Aufstieg in den DAX.

Zalando hat sich zwölf Jahre nach der Unternehmensgründung zum größten Onlinemodehändler entwickelt. Das MDAX-Unternehmen wächst in der Corona-Virus-Krise stark und legt beim Gewinn überdurchschnittlich zu. Mit den starken Kurszuwächsen der jüngeren Vergangenheit gilt unter Experten ein Aufstieg in den DAX als wahrscheinlich, wenn die erste Börsen-Bundesliga im September von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird. Allerdings ist die Bewertung von Zalando ambitioniert, und Dividenden sind vorerst nicht zu erwarten. Der Onlinehandel ist eine volatile Branche, und das zuletzt sehr starke Wachstum könnte bei einer Eindämmung der Corona-Virus-Krise deutlich zurückgehen. Die Analysten beurteilen die Aussichten der Zalando-Aktie zurückhaltend, und das erfolgreiche Führungstrio des Unternehmens löst sich nach mehr als einem Jahrzehnt im Jahr 2021 auf.

Pro Zalando (WKN ZAL111)

  • Starke Marktposition: Mit Schuhen stieg Zalando im Jahr 2008 in den Markt ein. Binnen zwölf Jahren wurde das Berliner Unternehmen Marktführer im europäischen Onlinemodehandel. Heute hat Zalando mehr als 35 Millionen Kunden in 17 Ländern. In der Corona-Virus-Krise erweiterte Zalando das Partnerprogramm, mit dem Einzelhändler über die Zalando-Plattform direkt an Kunden verkaufen können.
  • Umsatzwachstum: Zalando wuchs im dritten Quartal 2020 überdurchschnittlich stark. Das Bruttowarenvolumen (inklusive Umsatz von Partnern) stieg um 30 % auf 2,5 Milliarden Euro. Der Umsatz von Zalando selbst stieg um 21,6 % auf 1,8 Milliarden Euro. Ausschlaggebend für den starken Zuwachs waren neben der Covid-Pandemie die starke Entwicklung des Partnerprogramms und der Zalando Lounge, bei der tägliche Verkaufsaktionen laufen.
  • Hohes Gewinnwachstum: Zalando erzielte im 3. Quartal 2020 ein bereinigtes EBIT von 118,2 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es nur 6,3 Millionen Euro. Zum deutlichen Anstieg der EBIT-Marge von 0,3 % auf 6,4 % trugen geringere Umsatzkosten und eine effizientere Logistik bei. Zudem konnte Zalando wegen des guten Abverkaufs der Sommerware Wertberichtigungen auf den Warenbestand in Höhe von 35 Millionen Euro auflösen.
  • DAX-Aufstieg in Sicht: Das Zalando-Papier gehört zu den Corona-Gewinnern am Finanzmarkt. Der Börsenwert des Unternehmens hat in den vergangenen 12 Monaten um annähernd 100 % auf rund 24 Milliarden Euro zugelegt. Damit zählt das Unternehmen derzeit zu den heißen Kandidaten für den DAX-Aufstieg – vor allem, wenn der deutsche Leitindex im kommenden Herbst von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird.

Contra Zalando (WKN ZAL111)

  • Ambitionierte Bewertung: Hoch bewertet war die Zalando-Aktie schon immer. Nach dem Kursanstieg in den vergangenen Jahren liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis allerdings inzwischen bei einem sehr hohen Wert von 100. Dividenden hat der Konzern bisher noch nicht bezahlt und scheint es für die nähere Zukunft nicht zu planen.
  • Anfällige Branche: Das Segment der Technologie- und E-Commerce-Aktien ist traditionell volatil und nach den Kurssteigerungen im Jahr 2020 anfällig für Korrekturen. Zudem dürften die Wachstumsraten deutlich zurückgehen, wenn mit der erhofften Eindämmung der Corona-Virus-Krise im Laufe des Jahres 2021 wieder stationäre Einkäufe mit geringen Einschränkungen möglich sein werden.
  • Abwartende Experten: Bei den Analysten ist Zalando aktuell weniger gefragt als bei den Kunden. Von 17 Experten setzt zurzeit zwar eine knappe Mehrheit von neun die Aktie auf „Kaufen“. Gleichzeitig empfehlen aber immerhin sieben, die Aktie zu halten. Bei einer Verkaufsempfehlung liegt der comdirect Analystenscore bei einem nur durchschnittlichen Wert von 47 %.
  • Führungstrio gesprengt: Seit 2010 leiteten die beiden Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider gemeinsam mit Rubin Ritter das Unternehmen. Nach der nächsten (noch nicht terminierten) Hauptversammlung 2021 wird das erfolgreiche Triumvirat zu Ende gehen. Ritter hat seinen Abschied zu diesem Termin angekündigt und wird eine Lücke hinterlassen.

Über Zalando

Zalando ist ein noch junges Unternehmen. Der Berliner Onlineversandhändler für Mode und Lifestyle wurde 2008 von den heute noch amtierenden Vorstandschefs David Schneider und Robert Gentz gegründet. Dabei half ihnen Kapital von den Seriengründern Samwer und ihrem Start-up-Inkubator Rocket Internet. Zalando startete mit Schuhen, weitete das Angebot aber schnell auf andere Modebereiche aus und ist inzwischen auch in der Kosmetikbranche aktiv. Mit großen Werbekampagnen und dem Slogan „Schrei vor Glück – oder schick’s zurück“ wurde Newcomer Zalando schnell bundesweit bekannt.

Der Umsatz von Zalando nahm im vergangenen Jahrzehnt zügig zu. Von 150 Millionen Euro bei 20 Millionen Euro Verlust stieg er bis 2014 auf 2,2 Milliarden und 82 Millionen Gewinn. Im selben Jahr ging Zalando an die Börse und konnte sich dort auf Anhieb erheblich besser schlagen als der ehemalige Kapitalgeber Rocket Internet. Von 2014 bis 2019 hat sich der Umsatz auf 6,5 Milliarden Euro verdreifacht. Dazu trugen der Shopping-Club Zalando Lounge und die Outlet-Zentren der Marke bei, die es inzwischen in zahlreichen deutschen Großstädten gibt. Zuletzt arbeiteten rund 14.000 Angestellte bei Zalando.

Zwar gibt es nach dem Rückzug von Rocket Internet keinen dominierenden Investor, aber nur rund ein Drittel der Anteile von Zalando sind im Streubesitz. Die schwedische Beteiligungsfirma Kinnevik ist seit Jahren der größte Einzelaktionär. Neben der Fondsgesellschaft Baillie Gifford ist auch der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen mit einem zweistelligen Anteil vertreten. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei rund 24 Milliarden Euro. Spätestens zur DAX-Erweiterung von 30 auf 40 Unternehmen im September 2021 wird mit dem Aufstieg des Modehändlers in den DAX gerechnet.

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