Die Rückkehr des stationären Handels geht zulasten von Zalando. Nach dem Kurseinbruch droht ein Abschied aus dem DAX.
Zalando hat sich 14 Jahre nach der Unternehmensgründung zum größten Online-Modehändler Europas entwickelt. 2021 konnte das Unternehmen aus Berlin bei Umsatz und Gewinn kräftig zulegen. 2022 läuft deutlich schlechter und das Unternehmen will mit einer Kostenreduktion gegensteuern. Die Analysten sind mehrheitlich positiv gestimmt. Allerdings wurden die Anleger im Frühjahr und Sommer von schwachen Umsatz- und Gewinnzahlen erschreckt. Die Bewertung von Zalando ist trotz der jüngsten Kursverluste immer noch hoch. Die Aktie leidet unter dem „Fluch des DAX-Aufstiegs“ und hat binnen Jahresfrist fast drei Viertel ihres Wertes eingebüßt. Die Gesamtaussichten für das Jahr 2022 bleiben mager und der Unternehmensgewinn wird voraussichtlich deutlich zurückgehen.
Pro Zalando (WKN ZAL111)
- Wachstumsstory aus Deutschland: Mit Schuhen stieg Zalando im Jahr 2008 in den Markt ein. Binnen 14 Jahren wurde das Berliner Unternehmen Marktführer im europäischen Online-Modehandel. Heute hat Zalando mehr als 49 Millionen Kunden in 25 Ländern. In der Coronavirus-Krise erweiterte Zalando das Partnerprogramm, mit dem Einzelhändler über die Zalando-Plattform direkt an Kunden verkaufen können.
- Starkes Umsatzplus 2021: Im vergangenen Jahr setzte Zalando den starken Wachstumskurs fort. Auch aufgrund der Restriktionen im stationären Einzelhandel stieg der Umsatz um knapp 30 % und überschritt mit annähernd 10,4 Milliarden Euro erstmals die Zehn-Milliarden-Marke. Das Unternehmen gewann gut zehn Millionen neue Kunden hinzu.
- Kostenreduktion: Zalando will Kosten reduzieren und die Kunden stärker an sich binden. So gilt seit Anfang Juni in allen 25 Märkten ein Mindestbestellwert für kostenlose Lieferungen. Zudem hat Zalando seine Marketingausgaben und Investitionen in die Logistikinfrastruktur reduziert. Das Mitgliederprogramm Zalando Plus wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 164 % auf 1,5 Millionen Mitglieder.
- Positiv gestimmte Experten: Bei den Analysten ist Zalando aktuell durchaus gefragt. Von 16 Experten setzen zurzeit zehn die Aktie auf „Kaufen“. Fünf empfehlen, die Aktie zu halten. Bei einer einzigen Verkaufsempfehlung liegt der comdirect Analystenscore bei einem leicht überdurchschnittlichen Wert von 56 %.
Contra Zalando (WKN ZAL111)
- Umsatzenttäuschung und Gewinnenttäuschung: Im zweiten Quartal 2022 sank der Zalando-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 % auf 2,6 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) rutschte von hervorragenden 184 Millionen auf 77,4 Millionen Euro ab. Netto blieb ein magerer Gewinn von 14 Millionen Euro – ein Bruchteil der im Vorjahreszeitraum erreichten 120 Millionen.
- Hohe Bewertung: Die Zalando-Aktie ist seit jeher ambitioniert bewertet. Trotz der starken Kursverluste liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2022 bei einem immer noch sehr hohen Wert von rund 36. Dividenden hat der Konzern bisher noch nicht bezahlt und scheint es für die nähere Zukunft nicht zu planen.
- Fluch des DAX-Aufstiegs: Wie bei vielen anderen Aktien gab auch der Zalando-Kurs nach dem Aufstieg in die Erste Börsenbundesliga nach. Der Kurs der Zalando-Aktie hat sich seit dem Hoch vor rund einem Jahr rund geviertelt. Ein Abstieg aus dem DAX scheint wegen der geschrumpften Marktkapitalisierung zunehmend wahrscheinlich.
- Magerer Ausblick: Der stationäre Handel erobert Zug um Zug Terrain zurück. Zwar erwartet das Management im zweiten Halbjahr eine Geschäftsbelebung. Aber die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr hat Zalando massiv zusammengestrichen. Das um Sondereffekte bereinigte Ebit soll nach 468 Millionen im Jahr 2021 nur noch bei 180 bis 260 Millionen Euro liegen.
Über Zalando
Zalando ist ein noch junges Unternehmen. Der Berliner Online-Versandhändler für Mode und Lifestyle wurde 2008 von den heute noch amtierenden Vorstandschefs David Schneider und Robert Gentz gegründet. Dabei half ihnen Kapital von den Seriengründern Samwer und ihrem Start-up-Inkubator Rocket Internet. Zalando startete mit Schuhen, weitete das Angebot aber schnell auf andere Modebereiche aus und ist inzwischen auch in der Kosmetikbranche aktiv. Mit großen Werbekampagnen und dem Slogan „Schrei vor Glück – oder schick’s zurück“ wurde Newcomer Zalando schnell bundesweit bekannt.
Der Umsatz von Zalando nahm im vergangenen Jahrzehnt zügig zu. Von 150 Millionen Euro bei 20 Millionen Euro Verlust stieg er bis 2014 auf 2,2 Milliarden und 82 Millionen Gewinn. Im selben Jahr ging Zalando an die Börse und konnte sich dort auf Anhieb erheblich besser schlagen als der ehemalige Kapitalgeber Rocket Internet. Von 2014 bis 2019 hat sich der Umsatz auf 6,5 Milliarden Euro verdreifacht. Dazu trugen der Shopping-Club Zalando Lounge und die Outlet-Zentren der Marke bei, die es inzwischen in zahlreichen deutschen Großstädten gibt. 2021 wurde die Zehn-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze überschritten. Zuletzt arbeiteten rund 17.000 Angestellte bei Zalando.
Zwar gibt es nach dem Rückzug von Rocket Internet keinen dominierenden Investor, aber nur rund ein Drittel der Anteile von Zalando sind im Streubesitz. Die schwedische Beteiligungsfirma Kinnevik ist seit Jahren der größte Einzelaktionär. Neben der Fondsgesellschaft Baillie Gifford ist auch der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen mit einem zweistelligen Anteil vertreten. Die Marktkapitalisierung stieg zwischenzeitlich über die 20-Milliarden-Euro-Grenze, ging aber infolge der Kurskorrektur zuletzt auf rund sechs Milliarden Euro zurück. Mit der DAX-Erweiterung von 30 auf 40 Unternehmen im September 2021 rückte der Modehändler in den DAX auf. Angesichts des Kursverfalls ist ein baldiger Abstieg nicht auszuschließen.
Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore errechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 07.09.2022; Quelle: comdirect.de

