- US-Aktien profitieren von der dynamischen Wirtschaft und der KI-Fantasie.
- Kanadas Aktienmarkt überzeugt mit Finanzwerten und Goldminenaktien.
- Mexikos Börsen sind preiswert und Gewinner der neuen globalen Lieferketten.
Der Ball rollt und aller guten Dinge sind bekanntlich 3. Schon zum 3. Mal findet eine Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko statt. 2-mal schafften es die Mexikaner ins Viertelfinale. Weiter drangen sie nie vor. Auch diesmal hoffen die fußballverrückten Aficionados in Mexiko-Stadt, Guadalajara oder Monterrey auf ein Fußballwunder. Hoffen allein wird aber wohl nicht genügen. Denn anders als bei vielen Fußball-Weltmeisterschaften in der Vergangenheit gehören die Gastgeber nicht zu den Favoriten. Wer auf einen WM-Sieger Mexiko wettet, bekommt bei internationalen Wettanbietern für 1 Dollar rund 75 Dollar ausgezahlt. Für die USA liegen die Quoten auf ähnlichem Level. Bei einem Überraschungsweltmeister Kanada liegen die Quoten gar weit über 1:100.
Deutlich vielversprechender als die Fußball-Chancen von Mexiko, Kanada und den USA sind die wirtschaftlichen Aussichten der Gastgeberländer und ihrer Aktien – trotz zahlreicher Irritationen rund um die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und dubioser Annexionspläne in Richtung Kanada als 51. US-Provinz oder der Namensrechte am Golf von Mexiko. „Vor allem die USA sind an den Finanzmärkten deutlich besser aufgestellt als auf dem Fußballfeld“, meint Börsenkenner und Fußballanhänger Robert Halver, Kapitalmarktstratege der Baader Bank. Aber auch die beiden anderen WM-Gastgeber haben im Vergleich zu Europa ein deutlich überlegenes Wirtschaftswachstum und spezifische ökonomische Stärken.
Selbst Donald Trump kann mit seiner erratischen Wirtschaftspolitik die US-Ökonomie nicht aus ihren stabilen Gleisen bringen. Im Mai stieg der ISM-Einkaufsmanagerindex zum 5. Mal in Folge um 1,3 Punkte auf 54,0 Punkte. „Das ist die dynamischste Expansion der US-Industrie seit 4 Jahren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Im Schnitt der vergangenen 3 Monate legte die Beschäftigung jeweils um fast 190.000 Stellen zu, auch dies ein 2-Jahres-Hoch. Für die US-Aktienmärkte waren diese guten Nachrichten – zumindest auf kurze Sicht – sogar zu viel. Nach zahlreichen neuen Rekorden im Dow Jones 30, S&P 500 und vor allem im technologielastigen NASDAQ 100 gaben sie zum ersten Juni-Wochenende kräftig nach, weil angesichts der guten Wirtschaftsdaten die Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen schwanden.
Apple, Alphabet und NVIDIA halten Kurs
Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben. Kevin Warsh, der neue Fed-Chef von Donald Trumps Gnaden, wird nicht mit Zinssenkungen zögern, wenn sich die Konjunktur abschwächt. Gründe für eine Baisse an den Börsen sehen Experten ohnehin nicht. „Die Vereinigten Staaten sind das Mutterland des Kapitalismus und führend in den Zukunftsbranchen Raumfahrt, Hightech, Biotechnologie und Energie“, erklärt Robert Halver. „Es gibt gute Chancen, dass amerikanische Aktien weiterhin besser performen als der Rest der Welt, vor allem als der europäische Markt.“ Das liegt vor allem an der Performance der Sektoren Technologie und Kommunikation. Sie werden von der künstlichen Intelligenz angetrieben und machen inzwischen zusammen fast die Hälfte der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus. Mit den jüngsten Quartalszahlen konnten vor allem Apple, Alphabet und NVIDIA die Erwartungen noch einmal übertreffen. Trotz des Kursrückschlags infolge der enttäuschten Zinshoffnungen liegt die Marktkapitalisierung des Chip-Giganten NVIDIA weiterhin nahe 5 Billionen US-Dollar.
Wer angesichts der teils sehr hohen Bewertungen die Investition in amerikanische Einzelwerte scheut, kann auf USA-ETFs und US-Aktienfonds setzen. Einer der größten ETFs auf den Leitindex S&P 500 ist der Xtrackers S&P 500 Swap UCITS ETF – 1C USD ACC. Dagegen ist der Xtrackers S&P 500 Equal Weight UCITS ETF – 1C USD ACC ETF weit weniger volatil, weil er das Gewicht der Technologiebranche erheblich reduziert. Auch der M&G (Lux) North American Dividend Fund – A USD DIS ist schwankungsärmer als der Gesamtmarkt, weil er sich neben Technologie und Kommunikation auch auf besonders dividendenstarke Aktien aus dem Gesundheits- und Finanzsektor konzentriert. Überproportional sind die Chancen und Risiken für Anlegerinnen und Anleger bei wachstumsorientierten US-Fonds wie dem JP Morgan Funds – US Growth Fund – A USD ACC und dem AB SICAV I American Growth Portfolio – A .
Kanadas Aktienmarkt läuft auf Hochtouren. Anders als im großen Nachbarland USA bleibt auch die Inflation moderat. Die Geldentwertung lag zwar im April mit 2,8 % über dem Zentralbankziel, die Kerninflation notierte jedoch nur noch bei 2,1 %. Mit Zinserhöhungen muss daher bis auf Weiteres nicht gerechnet werden. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise haben für Kanada zudem positive Effekte: „Höhere Rohstoffpreise stützen die Gewinne des Energiesektors, der etwa ein Fünftel des kanadischen Leitindex S&P/TSX Composite Index ausmacht“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. „Gleichzeitig stabilisiert die gedämpfte Kerninflation das Zinsumfeld und belastet andere Sektoren wie Finanzwerte, Industrie und Konsum nicht zusätzlich.“
Goldminenaktien mit Top-Performance
Die größten kanadischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung sind Finanzinstitute. Dazu gehören die Royal Bank of Canada, Toronto-Dominion Bank und BMO Bank of Montreal. Sie profitierten in den vergangenen Jahren wie die Banken in den USA und Europa vom Ende der Nullzinspolitik und konnten in den vergangenen 3 Jahren ihren Aktienkurs im Durchschnitt annähernd verdoppeln. Dennoch sind sie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen um 15 nicht extrem hoch bewertet. Zugpferde an der kanadischen Börse sind auch der E-Commerce-Wert Shopify und der Energiedienstleister Enbridge. Enbridge ist im konventionellen Energiegeschäft tätig und zudem mit Wind- und Solarkraftwerken, Geothermie-, Abwärme- und Übertragungsanlagen auf dem Heimatkontinent und in Europa engagiert. Noch stärker als im Banken- und Energiesektor profitiert Kanada vom Gold-Boom der vergangenen Jahre. Einige der größten Goldminenunternehmen der Welt stammen aus Kanada. Bei Förderkosten von 1.500 bis 2.500 US-Dollar pro Unze und einem Marktpreis von über 4.000 Dollar sind die Gewinne von Barrick Mining und Endeavour Mining im Jahr 2025 explodiert. Trotz des jüngsten Goldpreisrückgangs dürften die Gewinnspannen aufgrund längerfristiger Lieferkontrakte auch 2026 und 2027 hervorragend ausfallen.
Breit in den kanadischen Aktienmarkt können Anlegerinnen und Anleger per ETF mit dem HSBC MSCI CANADA UCITS ETF – USD DIS ETF oder demXtrackers MSCI Canada Screened UCITS ETF – 1C USD ACC investieren. Finanzwerte sind hier mit mehr als einem Drittel des Portfoliowertes vertreten. Spezifisch auf den Goldmarkt sind Investitionen in Fonds mit Goldminenaktien möglich. Der NESTOR Gold Fonds – V EUR ACC und der Multipartner SICAV – Konwave Gold Equity Fund – B USD enthalten jeweils rund 60 % kanadische Aktien. Am höchsten gewichtet sind in diesen Fonds die kanadischen Werte Barrick Mining und OR Royalties beziehungsweise die US-amerikanische Freeport-McMoRan. Beide Fonds konnten in den vergangenen 5 Jahren ihren Anteilswert mehr als verdreifachen.
Mexiko rückt zunehmend in den Fokus internationaler Investoren. Dafür gibt es mehrere Gründe. Dazu zählen die geografische Nähe zu den USA und die stabilen industriellen Strukturen. Damit hat sich das Land zur Werkbank der USA entwickelt. „Das wird trotz der Irritationen von US-Präsident Trump auch so bleiben“, erklärt Robert Halver. „Denn auf beiden Seiten der Grenze wissen alle, dass die USA mit den mexikanischen Lohnkosten nicht mithalten können.“ Auch die Zusammenarbeit mit Europa hat Tradition und wird durch das Handelsabkommen vom Frühjahr 2026 gestärkt. So wird Mexiko zu einem zentralen Gewinner der Neuordnung globaler Lieferketten. „Schließlich ist auch der mexikanische Aktienmarkt neben dem brasilianischen in Mittel- und Südamerika am stärksten entwickelt“, sagt Jan David Meyer, Fondsmanager des Taunus Trust – TT Contrarian Flexible – P EUR DIS von der Bad Homburger Investmentboutique Taunus Trust.
Rohstoffe machen Mexiko interessant
Der mexikanische Aktienmarkt bietet Zugang zu Industrie, Konsum, Infrastruktur und Finanzdienstleistungen. Eine starke Performance legte zuletzt etwa Cemex vor. Der Spezialist für Baumaterial konnte seinen Kurs binnen eines Jahres nahezu verdoppeln. América Móvil B gehört mit einer Marktkapitalisierung von nahezu 100 Milliarden US-Dollar zu den größten Werten Mexikos. Günstiger bewertet als ihre US-amerikanischen Konzernmütter sind die mexikanischen Ableger Walmart de MéxicoB de CV und Coca-Cola FEMSA B. de C.V. ADR. Einer der performancestärksten Werte Mexikos ist Grupo México de CV. Das Industriekonglomerat hält unter anderem fast 90 % an Southern Copper, einem der wichtigsten Kupferproduzenten der Welt: „Grupo México hat aktuell einen Unternehmenswert von 95 Milliarden US-Dollar. Allein die Beteiligung an Southern Copper ist aber nahezu 140 Milliarden US-Dollar wert“, erklärt Jan David Meyer. „Damit ist Grupo Méxiko deutlich unterbewertet.“ Per ETF können Anlegerinnen und Anleger mit dem Xtrackers MSCI Mexico UCITS ETF – 1C USD ACC auf den mexikanischen Aktienmarkt setzen. Am stärksten vertreten ist mit rund 15 % eben Grupo México de CV.
Der comdirect Investment-Talk mit Martin Kerscher
Ob die USA trotz hoher Bewertungen weiterhin das überzeugendste Investment bleiben, warum Kanada ein unterschätzter Stabilitätsbaustein sein könnte und weshalb Mexiko zwar günstiger bewertet ist, aber nicht automatisch ein Schnäppchen sein muss – das diskutieren auch Martin Kerscher und Kapitalmarktexpertin Gabriele Hartmann, im comdirect Investment-Talk.

Im comdirect Investment-Talk spricht Martin Kerscher regelmäßig mit Expertinnen und Experten über aktuelle Entwicklungen an den Finanzmärkten. Alle Folgen findest du auf unserem YouTube-Kanal.
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