Volkswagen Aufholjagd hat begonnen

Volkswagen: Firmengebäude im Morgenlicht
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Der Volkswagen-Konzern hat sich von der Corona-Virus-Krise erholt. Die Analysten sind vom Weg überzeugt.

Volkswagen könnte schon im laufenden Jahr wieder seinen Rang als absatzstärkster Autokonzern der Welt zurückgewinnen. Im ersten Quartal 2021 zogen Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Die Aktie ist auch nach dem jüngsten Kursaufschwung günstig bewertet und für die Analysten rangiert der Konzern unter den Favoriten im DAX. Allerdings sind im Jahr 2020 Umsatz und Gewinn aufgrund der Corona-Virus-Pandemie deutlich eingebrochen. Trotz erster Erfolge hat Volkswagen den Umstieg zur Elektromobilität noch nicht geschafft. Noch herausfordernder dürfte das Thema „autonomes Fahren“ werden und auch der Dieselskandal ist nicht endgültig ausgestanden.

Pro Volkswagen (WKN 766403)

  • Erfolgreicher Multimarken-Konzern: Der Volkswagen-Konzern umfasst zahlreiche Automarken und ist in allen Segmenten vom Kleinwagen bis zur Luxuskarosse aktiv. VW kämpft mit Toyota seit Jahren um den Titel als absatzstärkster Automobilkonzern der Welt. Nach dem Einbruch in der Corona-Virus-Pandemie blieb der Konzern 2020 zwar erstmals seit vier Jahren hinter dem japanischen Rivalen zurück. Aber schon 2021 könnte sich der Trend umkehren.
  • Rasanter Wiederaufschwung: Der Volkswagen-Konzern verdiente im 1. Halbjahr 2021 so viel verdient wie noch nie. Das Betriebsergebnis erreichte knapp 11,4 Milliarden. Im Vorjahreszeitraum hatte es ein Minus von 1,5 Milliarden Euro gegeben. Nach Steuern verblieben 8,4 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs in den ersten sechs Monaten 2021 um über ein Drittel auf gut 130 Milliarden Euro.
  • Weiterhin günstige Bewertung: Trotz der deutlichen Kurserholung in den vergangenen zwölf Monaten ist die Volkswagen-Aktie günstig bewertet. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2021 liegt bei rund 7. Im Gegensatz zu Daimler und BMW hielt Volkswagen die Dividende im Frühjahr mit 4,86 Euro pro Aktie konstant. Die Dividendenrendite liegt bei 3,9 %.
  • Optimistische Analysten: Volkswagen ist bei den Analysten im Gegensatz zu den Konkurrenten Daimler und BMW hoch angesehen. Von 16 Experten empfehlen aktuell 13 die Aktie zum „Kauf“, drei sprechen sich für „Halten“ aus, kein einziger für den „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei hervorragenden 81 %.

Contra Volkswagen (WKN 766403)

  • Umsatz- und Gewinneinbruch 2020: Die Corona-Virus-Pandemie vermasselte dem Volkswagen-Konzern im Jahr 2020 die Geschäfte. Der Umsatz ging deutlich um 11,8 % auf 223 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen sackte um 45,0 % auf 10,6 Milliarden ab. Die EBIT-Marge schrumpfte folgerichtig um mehr als ein Drittel von 6,7 % auf 4,3 %.
  • Rückstand bei Elektroautos: Ohne Durchbruch bei der Elektromobilität kann VW die EU-Auflagen kaum erfüllen. Im Jahr 2020 legte der Absatz von E-Modellen und Plug-in-Hybriden von rund 140.000 auf 231.000 zu und die Nachfrage hat deutlich angezogen. Im ersten Halbjahr 2021 waren es bereits 342.000, allerdings zur Hälfte Plug-in-Hybride. Bei den reinen E-Autos liegt VW weiterhin deutlich hinter Tesla.
  • Herausforderung autonomes Fahren: Die Mobilitätswelt wird sich auch abseits der Elektromobilität im laufenden Jahrzehnt drastisch wandeln. Das autonome Fahren dürfte bis 2030 den Durchbruch schaffen. Bei dieser zweiten Disruptionsstufe in der Automobilbranche hat der Volkswagen-Konzern noch härtere Rivalen als Tesla – die Armada der Tech-Konzerne.
  • Dieselskandal noch nicht ausgestanden: Über 30 Milliarden Euro hat Volkswagen inzwischen für die Begleichung des Dieselskandals ausgeben müssen, vorrangig in Nordamerika. Für die nächsten Jahre rechnen Experten zusätzlich mit rund zehn Milliarden Euro. Die Prozesse in Deutschland laufen weiter und wirken sich auf das Image von Volkswagen negativ aus.

Über Volkswagen

Die Volkswagen AG wurde im Mai 1937 als Gesellschaft zur Vorbereitung des „Volkswagens/KDF-Wagens“ gegründet. Ferdinand Porsche hatte damals den KDF-Wagen konzipiert, der später als „Käfer“ bekannt wurde. Wegen des Krieges kam das Auto nicht wirklich in die Massenproduktion, stattdessen wurden vor allem Kübelwagen gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief der Käfer ab 1945 in Serie. Im Laufe der 1950er-Jahre wurde nach dem Konzept auch der Bulli gebaut. Bis 1960 befand sich Volkswagen im Staatsbesitz, dann wurde der Konzern teilprivatisiert und in „Volkswagenwerk Aktiengesellschaft“ umbenannt. 60 % des VW-Stammkapitals gingen als sogenannte Volksaktien an Private, jeweils 20 % der Anteile behielten die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen.

Mit der Übernahme der Auto Union (später Audi) von Daimler-Benz im Jahr 1964 und schließlich NSU im Jahr 1969 konnte Volkswagen auf neue Technologien wie Frontantrieb und Wasserkühlung zugreifen. Während der Käfer als bis dahin meistverkauftes Auto der Welt zunehmend schwächelte, gab es mit dem Golf und dem Passat neue Zugpferde. Schon in den 1970er-Jahren setzte VW/Audi auf die Baukastenstrategie und baute Parallelmodelle, z. B. Audi 50 und VW Polo. 1984 wurde das erste Joint Venture in China gegründet. Heute ist das Land der Mitte der mit Abstand größte Automarkt für VW.

Zudem kaufte VW die spanische Seat und die tschechische Škoda. 1993 übernahm mit Ferdinand Piëch ein Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche den Vorsitz der Volkswagen AG. Unter seiner Ägide als Vorstands- und später Aufsichtsratschef begann mit weiteren Zukäufen der Aufstieg zum zuletzt größten Autoproduzenten der Welt. Das gelang vor allem mithilfe des Dieselmotors, der aber ab dem Jahr 2015 im „Dieselgate“ für die größte Krise des Konzerns sorgte. Rund 30 Milliarden Euro hat Volkswagen seitdem an Strafzahlungen geleistet. Bis 2040, so VW-Chef Herbert Diess, solle der Konzern gänzlich auf konventionellen Antrieb verzichten und allein auf Elektromobilität setzen.

Die heutige VW AG hat neben Volkswagen die Marken Audi, Škoda und Seat/Cupra, die Luxusmarken Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Ducati sowie die Mehrheitstochter Traton (MAN/Scania) im Portfolio. Nach der Übernahmeschlacht mit Porsche in den Jahren 2008/2009 sind im DAX und Euro STOXX 50 statt der Stammaktien nun die stimmrechtslosen Vorzugsaktien notiert. Beide Aktienkategorien zusammengenommen hat Volkswagen eine Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden Euro und ringt mit SAP um den Titel als teuerstes Unternehmen Deutschlands.

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