Volkswagen Hoher Gewinn trotz Absatzflaute

Volkswagen: Firmengebäude im Morgenlicht
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Für 2022 hat sich der Volkswagen-Konzern viel vorgenommen. Durch den Krieg in der Ukraine ist die Prognose aber sehr unsicher geworden.

Volkswagen deckt als Vielmarken-Konzern alle Segmente des Automobilmarktes ab. Im Gesamtjahr 2021 zogen Umsatz und Gewinn deutlich an. Die Aktie ist weiterhin niedrig bewertet und liefert eine hohe Dividendenrendite. Bei den Analysten gehört Volkswagen zu den Favoriten im DAX. Allerdings ging der Absatz in der zweiten Jahreshälfte 2021 wegen der Lieferprobleme von Elektronikchips deutlich zurück. Trotz eines neuen Verkaufsrekords bei vollelektrischen Autos liegt der Volkswagen-Konzern weit hinter Marktführer Tesla zurück. Mit dem autonomen Fahren steht der nächste Umbruch bevor, der viel Kapital erfordern wird. Und schließlich ist der ursprünglich positive Ausblick durch den Krieg in der Ukraine und neue Lieferkettenprobleme getrübt.

Pro Volkswagen (WKN 766403)

  • Erfolgreicher Multimarken-Konzern: Der Volkswagen-Konzern umfasst eine Vielzahl von Automarken und ist in allen Segmenten vom Kleinwagen bis zur Luxuskarosse aktiv. Von 2015 bis 2019 war Volkswagen der absatzstärkste Automobilkonzern der Welt. Zuletzt lag allerdings Toyota zweimal in Folge vorn.
  • Starker Gewinnschub: Der Volkswagen-Umsatz legte im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 um 12,3 % auf 250,2 Milliarden Euro zu. Dazu trug auch die neue Lkw-Tochter Navistar in den USA bei. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen verdoppelte sich im Vergleich zu 2020 auf 20 Milliarden Euro. Auch im 1. Quartal 2022 legte es von 4,8 auf 8,5 Milliarden Euro zu.
  • Attraktive Bewertung: Die Volkswagen-Aktie ist zurzeit sehr niedrig bewertet. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2022 liegt bei knapp fünf. Volkswagen will nach den 4,86 Euro vom Vorjahr in diesem Frühjahr 7,56 Euro je Vorzugsaktie ausschütten. Das entspricht einer hohen Dividendenrendite von 6,1 %.
  • Analysten weitgehend einig: Volkswagen ist bei den Experten hervorragend angesehen. Von 16 Analysten empfehlen aktuell 13 die Aktie zum „Kauf“, zwei Analysten votieren für „Halten“, einer für den „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei hervorragenden 75 %.

Contra Volkswagen (WKN 766403)

  • Absatzflaute hält an: Nach einem guten ersten Halbjahr 2021 mit rund fünf Millionen verkauften Autos ging der Absatz in der zweiten Jahreshälfte auf nur noch rund 3,9 Millionen zurück. Auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2022 lieferte der Konzern aufgrund des Chipmangels rund ein Fünftel weniger Fahrzeuge aus als im Vorjahreszeitraum.
  • Schwund im Massengeschäft: Weil die knappen Chips für Oberklasse und Elektrofahrzeuge reserviert waren, litt das Massengeschäft. Der Umsatz in der sogenannten „Volumengruppe“, zu der neben Volkswagen auch Seat, Skoda und leichte Nutzfahrzeuge gehören, ging im 1. Quartal von 27,4 auf 24,4 Milliarden Euro zurück, das Betriebsergebnis schrumpfte von 1,4 Milliarden Euro auf 900 Millionen Euro.
  • Herausforderung autonomes Fahren: Die Mobilitätswelt wird sich auch abseits des Elektroantriebs drastisch wandeln. Das autonome Fahren dürfte in den kommenden zehn Jahren rasante Fortschritte machen. Auch hier ist Tesla aktuell weiter als Volkswagen und die Konkurrenz. Zudem mischen als extrem kapitalkräftige Player die großen Tech-Konzerne mit.
  • Getrübter Ausblick: Der Volkswagen-Konzern erwartet, dass die Auslieferungen 2022 um 5 % bis 10 % über dem Vorjahr liegen werden, aber den Absatz des Rekordjahrs 2019 nicht erreichen. Dabei geht der Konzern von einer verbesserten Pandemielage und abnehmenden Problemen bei Vorprodukten und Rohstoffen aus. Durch den Krieg in der Ukraine sieht der Konzern jedoch hinter der Prognose viele Fragezeichen.

Über Volkswagen

Die Volkswagen AG wurde im Mai 1937 als Gesellschaft zur Vorbereitung des „Volkswagens/KDF-Wagens“ gegründet. Ferdinand Porsche hatte damals den KDF-Wagen konzipiert, der später als „Käfer“ bekannt wurde. Wegen des Krieges kam das Auto nicht wirklich in die Massenproduktion, stattdessen wurden vor allem Kübelwagen gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief der Käfer ab 1945 in Serie. Im Laufe der 1950er-Jahre wurde nach dem Konzept auch der Bulli gebaut. Bis 1960 befand sich Volkswagen im Staatsbesitz, dann wurde der Konzern teilprivatisiert und in „Volkswagenwerk Aktiengesellschaft“ umbenannt. 60 % des VW-Stammkapitals gingen als sogenannte Volksaktien an Private, jeweils 20 % der Anteile behielten die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen.

Mit der Übernahme der Auto Union (später Audi) von Daimler-Benz im Jahr 1964 und schließlich NSU im Jahr 1969 konnte Volkswagen auf neue Technologien wie Frontantrieb und Wasserkühlung zugreifen. Während der Käfer als bis dahin meistverkauftes Auto der Welt zunehmend schwächelte, gab es mit dem Golf und dem Passat neue Zugpferde. Schon in den 1970er-Jahren setzte VW/Audi auf die Baukastenstrategie und baute Parallelmodelle, z. B. Audi 50 und VW Polo. 1984 wurde das erste Joint Venture in China gegründet. Heute ist das Land der Mitte der mit Abstand größte Automarkt für VW. Zudem kaufte VW die spanische Seat und die tschechische Škoda.

1993 übernahm mit Ferdinand Piëch ein Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche den Vorsitz der Volkswagen AG. Unter seiner Ägide als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef begann mit weiteren Zukäufen der Aufstieg zum größten Autoproduzenten der Welt. Das gelang vor allem mithilfe der Plattformstrategie und des vor allem in Europa populären Dieselmotors, der aber auch ab dem Jahr 2015 im „Dieselgate“ für die größte Krise des Konzerns sorgte. Mehr als 30 Milliarden Euro hat Volkswagen seitdem an Strafzahlungen geleistet, das Image ist noch heute beeinträchtigt. Unter dem seit 2018 amtierenden Konzernchef Herbert Diess hat sich Volkswagen zur Elektrowende bekannt. Bis spätestens 2035 will der Konzern zumindest in Europa ganz auf konventionelle Antriebe verzichten und allein auf Elektromobilität setzen.

Die heutige VW AG hat neben Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge die Marken Audi, Škoda und Seat/Cupra, die Luxusmarken Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Ducati im Portfolio. Statt der Stammaktien sind nach der Übernahmeschlacht mit Porsche in den Jahren 2008/2009 heute im DAX und in den europäischen Auswahlindizes Euro STOXX 50 und STOXX 50 die stimmrechtslosen Vorzugsaktien notiert. Die Nutzfahrzeugtochter TRATON (MAN/Scania) ging 2019 an die Börse, befindet sich aber noch zu rund 90 % im Konzernbesitz.

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