United Internet Analysten honorieren Markenstrategie

Geschäftsmann, der das auf seinem Schreibtisch liegende Handy überprüft, im Hintergrund arbeiten Kollegen.
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Nach einem Gewinnrückgang im Pandemiejahr 2020 dürften die Werbeeinnahmen bei United Internet wieder steigen.

United Internet gehört zu den Technologie-Pionieren an der deutschen Börse und verfolgt eine erfolgreiche Multimarkenstrategie. Im ersten Quartal 2021 kehrte das Unternehmen nach dem Einbruch bei den Werbeeinnahmen im Vorjahr auf den Wachstumspfad zurück. Die Einigung mit Telefónica Deutschland bei der Nutzung von Durchleitungskapazitäten sorgt für Kalkulationssicherheit. Bei den Analysten ist die Aktie beliebt. Allerdings ging der operative Gewinn im Pandemiejahr 2020 zurück. Die Aktie ist zurzeit eher überdurchschnittlich bewertet. Die einstmals hohe Dividendenrendite ist stark zurückgegangen und für den Mobilfunkstandard 5G stehen hohe Investitionen an.

Pro United Internet (WKN 508903)

  • Multimarken aus Deutschland: United Internet gehört zu den größten Internet-Providern in Europa. Mit den Marken Web.de und GMX hat der Konzern eine werbewirksame Reichweite. Ionos gehört zu den fünf größten Webhosting-Unternehmen der Welt, Versatel ist führend bei Glasfaserinfrastruktur und 1&1 einer der größten Mobilfunkanbieter Deutschlands.
  • Guter Jahresstart: United Internet ist besser als von Experten erwartet in das neue Jahr gestartet. Der Konzernumsatz stieg in den ersten drei Monaten verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um knapp 5 % auf fast 1,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte im gleichen Zeitraum um 3,8 % auf 312 Millionen Euro.
  • Einigung mit Telefónica Deutschland: 1&1 nutzt das Mobilfunksystem von Telefónica Deutschland und konnte sich mit dem Konzern vor Kurzem nach langem Streit über die Höhe der Durchleitungsgebühren einigen. Außergewöhnliche Ergebnisbelastungen wie im vergangenen Jahr sind 2021 nicht zu erwarten.
  • Experten positiv: Die Analysten sind mit United Internet zufrieden. Acht von 13 Experten stufen sie aktuell als „Kaufempfehlung“ ein. Fünf votieren für „Halten“, kein einziger für den „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt bei 62 % und damit im oberen Mittelfeld des MDAX.

Contra United Interne (WKN 508903)

  • Gewinnrückgang in der Pandemie: Im Geschäftsjahr 2020 ging der Gewinn von United Internet vor allem aufgrund sinkender Werbeeinnahmen zurück. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 1,18 Milliarden Euro. Das waren knapp 5 % weniger als im Jahr zuvor. Ohne Bereinigung betrug das EBITDA sogar nur 1,05 Milliarden Euro.
  • Relativ hohe Bewertung: Als einer der größten deutschen Technologiewerte gehört United Internet zu den Basiswerten im TecDAX und im MDAX. Trotz des deutlichen Kursrückgangs vom Allzeithoch im Jahr 2018 ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 von rund 15 allerdings weiterhin relativ hoch bewertet.
  • Kein Dividendenrenner: Vor einigen Jahren gehörte United Internet zu den stärksten Dividendenzahlern im MDAX. Das hat sich geändert. Für das Jahr 2020 schüttete der Konzern aus Montabaur 50 Cent pro Aktie aus. Drei Jahre zuvor waren es noch 85 Cent. Die Dividendenrendite ist deutlich gesunken und liegt aktuell bei gerade einmal 1,4 %.
  • Investitionen notwendig: Für den neuen Mobilfunkstandard 5G hat 1&1 im Jahr 2019 eine eigene Mobilfunk-Frequenz ersteigert. Bisher nutzt der Konzern sie aber im Gegensatz zur Konkurrenz noch nicht. Vorerst setzt das Unternehmen wegen der Ausbaukosten auf das Telefónica-Netz. Eine Dauerlösung ist das wohl nicht.

Über United Internet

Die Wurzeln von United Internet gehen bis ins Jahr 1988 zurück. Damals gründete Ralph Dommermuth im ländlichen Montabaur (zwischen Köln und Frankfurt) die 1&1 EDV Marketing GmbH. In den 1990er-Jahren baute Dommermuth das kleine Dienstleistungsunternehmen Schritt für Schritt zu einem Konzern auf. Neben Webhosting-Paketen bot er einen eigenen Online-Dienst an. Mit der Übernahme des Internet-Providers Schlund + Partner benannte sich der Konzern in United Internet AG um. Schon im März 1998 brachte Dommermuth United Internet an die Börse, wo die Aktie im New-Economy-Rausch einen ersten Höhepunkt erlebte.

Nach der Jahrtausendwende ging die United-Internet-Tochtergesellschaft 1&1 in wichtigen Auslandsmärkten wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich in den Markt. In den folgenden Jahren baute Dommermuth sein Unternehmen zu einer Multimarke aus, 2005 übernahm United Internet das Portal- und E-Mail-Geschäft des Konkurrenten Web.de. Im Mai 2009 gab United Internet die Übernahme des DSL-Geschäfts von Freenet bekannt, 2014 wurde der Festnetz- und Glasfasernetzbetreiber Versatel vollständig übernommen, 2017 der größte europäische Konkurrent Strato. Der größte Zukauf erfolgte schließlich im Jahr 2017/2018. United Internet übernahm die Mehrheit am Mobilfunk-Provider Drillisch, der weiterhin ebenfalls an der Börse notiert ist.

Anders als viele Technologie-Neugründungen aus den 1990er-Jahren hat United Internet die schwierige Phase nach der Jahrtausendwende gemeistert. Nach einem Kurssturz zog die Aktie ab Mitte der 2000er-Jahre wieder an und erreichte neue Höchstkurse. United Internet gehörte über viele Jahre zu den Eckpfeilern im TecDAX. Seit der Möglichkeit der Doppelnotierung ist das Unternehmen aus Montabaur auch im MDAX vertreten. Der Streubesitz liegt bei rund einem Drittel der Aktien. Neben einigen institutionellen Aktionären ist weiterhin der Gründer Ralph Dommermuth Ankeraktionär bei United Internet. Er hält (Stand 2021) mehr als 40 % der Aktien.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 16.06.2021; Quelle: comdirect.de