Deutsche Telekom US-Fusion in trockenen Tüchern

Gebäude der Deutschen Telekom
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Die Telekom will nach der Fusion mit Sprint in den USA noch schneller wachsen. Allerdings drückt die Schuldenlast.

Die Deutsche Telekom hat nach zwei Jahren Kampf das Okay aller Behörden für die Fusion ihrer US-Tochter mit dem Konkurrenten Sprint bekommen. Die Umsatz- und Gewinnkennziffern für das Jahr 2019 überzeugen. Die Modernisierung der Netze schreitet in Deutschland voran. Auch die Analysten trauen dem Unternehmen noch einiges zu. Allerdings lief das Geschäft im Heimatmarkt Deutschland zuletzt eher schleppend. Die Dividende wird voraussichtlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Die Schulden sind hoch und sorgen für Missfallen bei Ratingagenturen.

Pro Deutsche Telekom (WKN 555750)

  • Wachstum in den USA: Nach zwei Jahren kartellrechtlichem Kampf ist die Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint im April 2020 gelungen. Die Deutsche Telekom hält 43 % an dem neuen „Big Player“ mit einem Börsenwert von rund 100 Milliarden Euro. Mit gemeinsam rund 140 Millionen Kunden will das fusionierte Unternehmen wachsen und die Branchenführer Verizon und AT&T herausfordern.
  • Deutliche Umsatzzuwächse: Der Konzernumsatz der Deutschen Telekom legte 2019 deutlich um 6,4 % auf 80,5 Milliarden Euro zu. Währungs- und portfoliobereinigt betrug das Plus 2,8 %. Das bereinigte EBITDA, die wichtigste Steuerungsgröße des Konzerns, legte sogar um 7,2 % auf 24,7 Milliarden Euro zu. Trotz Corona stiegen der Umsatz im 1. Quartal 2020 um 2,3 % auf 19,9 Milliarden Euro und das bereinigte EBITDA deutlich um 10,2 % auf 6,5 Milliarden Euro.
  • Modernisierung schreitet voran: Die Telekom treibt in Deutschland den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G vor allem in den großen Städten voran. Die Netzabdeckung mit LTE liegt inzwischen bei 98 % der Bundeshaushalte. Die Zahl der Glasfaseranschlüsse, die größere Bandbreiten erlauben, konnte 2019 um 2,2 Millionen auf 14,4 Millionen Anschlüsse gesteigert werden.
  • Optimismus bei den Experten: In der Einschätzung der Experten hat sich die Deutsche Telekom nach einer Durststrecke wieder erholt. Von 14 Einschätzungen lauten zurzeit 10 auf „Kauf“, vier setzen auf „Halten“, ein Analyst aktuell einen „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt bei 60 % und damit im oberen Mittelfeld des DAX.

Contra Deutsche Telekom (WKN 555750)

  • Stammkunden werden in Deutschland weniger: Im Mobilfunkbereich konnte die Deutsche Telekom die Kundenzahl im Jahr 2019 zwar um nahezu zwei Millionen auf knapp 46,2 Millionen steigern. Das verdankt sie jedoch ausschließlich dem Zuwachs bei den Prepaid-Kunden. Die Zahl der besonders treuen Vertragskunden gab leicht auf 25,3 Millionen Kunden nach.
  • Dividende sinkt voraussichtlich: Die Deutsche Telekom gehört zwar seit vielen Jahren zu den ausschüttungsstärksten Unternehmen im DAX. Das aktuelle Dividendenversprechen von „mindestens 60 Cent“ liegt allerdings unter den 70 Cent vom Vorjahr. Die ordentliche Hauptversammlung wird am 19. Juni 2020 als virtuelle Veranstaltung stattfinden. Aktionäre können die Hauptversammlung online am Bildschirm verfolgen, eine Anwesenheit von Aktionären ist nicht möglich.
  • Höhere Schulden: Die Netto-Finanzverbindlichkeiten des Konzerns stiegen bereits 2019 um 37 % auf rund 76 Milliarden Euro. Dazu trugen auch Kosten von knapp 2,2 Milliarden Euro aus der Frequenzauktion in Deutschland bei. Die Fusion in den USA wird den Schuldenberg 2020 nicht kleiner werden lassen. Zudem ist der Ausblick durch die Corona-Rezession unsicher.
  • Skeptische Rating-Agenturen: Bei den Rating-Agenturen kam die gelungene Fusion nicht gut an. Standard & Poor’s (S&P) stufte die Deutsche Telekom und T-Mobile US ab. Denn die Zusammenlegung beider Netze wird teuer und T-Mobile US will über 40 Milliarden Dollar in den Netzausbau investieren. Die Zinsen für die Refinanzierung könnten deshalb mittelfristig steigen.

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