Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Chance auf Erholung

Technische Analyse - H.-D. Schulz/L. Mathes

Der deutsche Aktienmarkt behauptet sich gerade um die Chartmarke von 13.000 Punkten. Er bleibt damit in der Seitwärtsrange seit Anfang März – trotz der sich weiter eintrübenden Konjunktur und anderer schlechter Nachrichten. Zusammen mit der technisch stark überverkauften Lage ist das ein gutes Zeichen.

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Der DAX setzte angesichts gestörter Lieferketten und einer kräftigen Inflation im Energie- /Treibstoffsektor in der ersten Juni-Hälfte noch einmal spürbar zurück: Vom Zwischenhoch zu Monatsbeginn bei 14.654 Punkten gemessen ging es in der Spitze um schmerzhafte 12 % abwärts.

Das Tal der Tränen dürfte mittelfristig zwar noch nicht durchschritten sein. Aber es besteht aus technischer Sicht eine gute Chance auf eine Zwischenerholung – nach immerhin rund sechs Monaten mit fallenden Kursen.

Warum gerade jetzt?

Für die Mehrheit der Unternehmen hat sich die fundamentale Gemengelage spürbar abgekühlt. Beschaffungsprobleme, eine heftige Inflation am Energiemarkt und der deutlich gefallene Euro machen den meisten Einkäufern unverändert Schwierigkeiten – und ihren Chefs immer wieder einen Strich durch die Gewinnplanung. Aber viele Faktoren sind inzwischen eingepreist oder zumindest nicht mehr neu: Dazu gehört der Krieg in der Ukraine und die in manchen Sektoren heftige Inflation. Auch dass die Fed bereits begonnen hat, in kleinen Schritten ihre angehäuften Aktiva zu reduzieren, hat sich am Markt herumgesprochen – und bereits diversen spekulativen oder stark verschuldeten Technologiewerten an der NASDAQ mehr als 50 % Kursverlust beschert.

Schlechte Nachrichten bei überverkauftem Markt

An der Leitbörse in New York verbilligte sich der breite S&P-500-Index im Juni um rund 23 % und stabilisierte sich zuletzt. Dabei hatte sich jüngst das Verbrauchervertrauen der US-Bürger noch einmal auf ein Rekordtief verschlechtert – und in Folge auch der Stimmungsindikator des ISM (Institute for Supply Management – ein Index, der auf der regelmäßigen Befragung von Einkaufsmanagern basiert). Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen sind bereits auf 3,2 % angestiegen. Ein Wert, der aktuell in Europa noch unvorstellbar ist. In den USA ist die Lage kurzfristig betrachtet also noch weniger rosig als in Europa, wo die EZB und diverse Regierungen noch abwechselnd neu geschöpfte Milliarden in den Ring werfen, um die vielen Krisen gleichzeitig abzufedern. Und dennoch kann sich der S&P aktuell stabilisieren. Das ist ein Zeichen für Stärke aus technischer Sicht, die auch auf Euro STOXX und DAX ausstrahlen wird – so sie sich denn nicht als Eintagsfliege entpuppt.

Konservative Beobachter erwarten, dass die USA mit ihren drastischeren Maßnahmen gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. In Europa fährt die EZB hingegen eher ein Weichspülprogramm; die Bilanz soll zwar nicht mehr weiter ausgedehnt werden, aber zumindest die Zinsen bleiben hier in Europa bei rund null; das ist angesichts von 7 bis 8 % Inflation schlecht für Sparer und gut für Schuldner. Mittelfristig wird diese Zinspolitik noch weitere Opfer fordern, kurzfristig sind das aber gute Nachrichten für diverse hoch verschuldete Unternehmen – und in Konsequenz auch die 40 Standardwerte des DAX.

Stark überkaufte Lage

Ausgehend von der jetzt erfolgreich getesteten Unterstützung bei rund 13.000 Punkten besteht aufgrund der technisch stark überverkauften Lage beim DAX die Chance auf einen Zwischenspurt auf Sicht der nächsten vier bis sechs Wochen. Als Kursziel bietet sich die obere Begrenzung der aktuellen Seitwärtsbewegung seit März an. Diese wartet erst wieder bei rund 14.650 Punkten. Das wäre also ein Aufwärtspotenzial von rund 12 %.

Die Lage würde sich erst dann eintrüben, wenn der DAX unerwarteterweise auch noch unter sein März-Tief bei damals 12.831,50 Punkten fiele. In diesem Fall würden weitere 1.000 Punkte Kursverlust bis zur nächsttieferen Unterstützung drohen.

Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 21.06.2017 bis 21.06.2022, Quelle: comdirect.de

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 22.06.2022, Quelle: comdirect.de