Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Gut behauptet, aber ohne Elan

Lutz Mathes

Seit Anfang Juni behauptet sich der DAX zuverlässig über 15.500 Punkten und erreichte zuletzt ein neues Allzeithoch. Zuvor hatte er aber seinen steilen Aufwärtstrend nach unten gebrochen. Technisch betrachtet sind Bullen und Bären damit in eine Pattsituation geraten. Die Kauflaune der Investoren scheint etwas erlahmt zu sein. Die handelsschwachen Sommermonate werfen ihren Schatten voraus.

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Der Blick auf den Chart zeigt, dass der DAX seine lange Aufwärtstrendlinie, die sich seit dem Tief im März 2020 einzeichnen lässt, nach unten durchbrochen hat. Doch das dadurch entstandene Verkaufssignal entfaltete keine Wirkung am Markt. Positive Vorgaben aus den USA und der allgemeine Mangel an renditeträchtigen Investmentmöglichkeiten sorgten dafür, dass die Anleger besonnen blieben und die Kurse gleich wieder anstiegen – wenn auch langsamer als zuvor.

So lässt sich nun die seltene Situation beobachten, dass der Weg nach oben durch den Anstieg auf ein neues Allzeithoch zwar frei ist, aber die Kurse dennoch nur in vorsichtigen Trippelschritten aufwärtskrabbeln. Nach rund 15 Monaten steigenden Kursen sind die Bullen ganz offenbar etwas außer Puste.

Das ist kein Wunder. Aktien sind längst nicht mehr günstig. Im S&P 500 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) inzwischen bei 44. Das heißt, dass der Anleger pro Euro Gewinn 44 Dollar Aktienwert bezahlen muss. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 16. Beim DAX sind es nach aktuellen Schätzungen rund 20 Euro Aktienwert für einen Euro zukünftigen Gewinn. Das ist erheblich günstiger als in den Vereinigten Staaten, aber in Deutschland lag der KGV-Wert auch nur bei 30, als die historische Blase im Jahr 2000 platzte. Zudem: Da es an den Anleihemärkten nichts mehr zu verdienen gibt, flossen in globale Aktienfonds in den zurückliegenden fünf Monaten mit 570 Milliarden US-Dollar mehr Mittel als in den zwölf Jahren zuvor zusammengenommen. Pandemiebedingt stieg die Sparquote in den westlichen Ländern auf einen Rekordwert von 23,2 %. Der Schnitt sonst lag bei 9 bis 11 %. Laut dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) blieben allein bei den Deutschen im Jahr 2020 rund 100 Milliarden Euro mehr auf der hohen Kante als sonst. Das war das Geld, was im Konsumbereich und bei Reisen unfreiwillig eingespart wurde – und nun nach Rendite sucht.

Rücksetzer in den Sommermonaten?

Die Rekordzuflüsse in den Aktienmarkt erhöhen gleichsam auch dessen Rückschlagspotenzial. Der von privaten Haushalten global gehaltene Aktienanteil hat das bisherige Hoch aus dem Jahr 2000 längst hinter sich gelassen. Wertpapierkredite sind – vor allem aufgrund der extrem gut gelaufenen US-Indizes und dem offensiven Verhalten dortiger Anleger – auf historischem Höchststand. Solange die Kurse steigen, ist das nur eine Randnotiz. Sollten die Kurse fallen, haben diese Anleger allerdings ein Problem. Die involvierten Banken und Broker lösen es üblicherweise mit automatischen Zwangsverkäufen in die fallenden Märkte hinein. Bei den in den USA aufsummierten 800 Milliarden Dollar an Wertpapierkrediten (Margin Debt) sollten auch alle anderen Anleger hoffen, dass es dort zu keinen größeren Störungen kommt.

Fazit: Mit dem Anstieg über 15.600 Punkte ist eine obere Trendwende erst einmal vom Tisch. Der DAX muss aber jetzt erst einmal einen neuen – vermutlich gemächlicheren – Trend etablieren. In den Sommermonaten mit traditionell dünnen Umsätzen könnte es zu einem Kursrücksetzer kommen, den Unerschrockene dann zu Nachkäufen nutzen können. Aus technischer Sicht bietet sich als nächsttiefere Unterstützung der Bereich um 15.000 Zähler an. Sollten die Kurse dann noch tiefer fallen, wäre die Lage neu zu bewerten.

Dax-Analyse; 5-Jahres-Chart Juni 2016 - Juni 2021
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 15.06.2016 bis 15.06.2021, Quelle: comdirect

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 15.06.2021; Quelle: comdirect.de