Chartanalyse von Lutz Mathes: Anleger bleiben in Deckung

Technische Analyse - H.-D. Schulz/L. Mathes

Noch lässt sich an den Börsen kein klarer Trend ausmachen. Die Investoren schwanken zwischen Hoffen und Bangen – und die Aktienmärkte schwingen mit. Knackt der DAX seinen Abwärtstrend bei 13.600 Punkten oder fällt er noch unter das bisherige Tief bei 12.400 Punkten?

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Im August erreichte der DAX seine blau eingezeichnete Abwärtstrendlinie bei damals 13.900 Punkten. Ein Durchbruch nach oben lag damals schon in der Luft, doch unerfreuliche Nachrichten im Bereich der Inflation und der Energiepreise machten der Börsenparty ein Ende. Der Rücksetzer kam für die Leser dieser Kolumne allerdings nicht unerwartet. Der Anstieg im Juli war erstens recht steil gewesen – und zweitens nur von rückläufigen Umsätzen getragen. Da hätte es schon gute Konjunktur-Nachrichten benötigt, um nach einem solchen Anstieg dann auch noch den Vorstoß über den blau eingezeichneten Abwärtstrend zu ermöglichen. Stattdessen blieb die Inflation hoch, und die Notenbanken steuern mit deutlichen Leitzinserhöhungen gegen. Energie und Rohstoffe bleiben teuer, die Finanzierung wird teurer, die Lieferzeiten bleiben lang. Für die Unternehmensgewinne im verarbeitenden Gewerbe sind das keine guten Nachrichten.

Hinzu kommt beim Federal Reserve Board, der US-Notenbank, noch die Ankündigung, die umlaufende Geldmenge zu reduzieren, indem sie die erhaltenen Rückzahlungen für fällige Staatsschulden in ihrem Besitz nicht mehr vollumfänglich in den Neukauf anderer Staatsanleihen einsetzt. Daraus wird sich nach eigenen Angaben ein Absinken der am Anleihemarkt verfügbaren Liquidität um 90 Milliarden US-Dollar pro Monat ergeben. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen der US-Staatsschulden wird von der ICMA Group (International Capital Market Association) auf 22,4 Billionen Dollar geschätzt.

Fed stoppt Geldflut

Die Börsenhausse der Aktienmärkte, insbesondere die der US-Börsen, war seit 2009 zu einem großen Teil durch die Geldflut der Notenbank gestützt. Die Fed erweiterte ihre Bilanz durch den Aufkauf von Staatsanleihen, die sie mit frisch geschaffenem Buchgeld am Markt aufkaufte. Damit drückte sie das Zinsniveau am Anleihemarkt, was in Konsequenz Aktien attraktiver machte. Dieser stützende Effekt kommt mit der aktuellen Entwicklung zum Erliegen.

Gleichzeitig sind die Aktien aber seit dem Hoch im Jahr 2021 schon ein gutes Stück gefallen. Der DAX notiert recht genau auf dem Niveau, das er vor Ausbruch der Pandemie in Europa erreicht hatte. Sollte er auf dem aktuellen Niveau einen Boden finden, dann blieben immer noch 3.000 Punkte Potenzial bis zum Hochpunkt Ende 2021.

Unterstützung bei 12.400 Punkten entscheidend

Der DAX hat mit zwei Kursrücksetzern – einmal auf 12.400 Punkte Anfang Juli und dann auf 12.630 Punkte Anfang September – den Grundstein für eine mögliche untere Trendwende gelegt. Es könnte sich daraus ein Doppel-Tief – auch als W-Formation bekannt – ergeben. Diese wäre vollendet, wenn dem DAX der Anstieg über das Zwischenhoch bei 13.910 Punkten gelänge. Dann wäre auch der Abwärtstrend überwunden, der aktuell bei 13.600 Punkten auf die Kurse drückt.

Zuletzt setzte der DAX allerdings wieder zurück. Für die genannte untere Trendwendeformation ist entscheidend, dass der Index nun nicht zu lange richtungslos herumdümpelt. Die Symmetrie in den beiden „W“-Bögen sollte erhalten bleiben. Die Doppel-Tief-Formation würde scheitern, sofern der DAX unter das jüngste Tief bei 12.630 Zählern zurückfiele. Bis zum Jahrestief bei 12.400 Punkten wäre dann immerhin noch eine Pufferzone übrig, bis zu welcher der DAX unter technischen Gesichtspunkten noch als Halteposition eingestuft werden könnte. Fallen die Kurse jedoch unter die Marke von 12.400 Zählern, dann wäre das als Verkaufssignal zu werten.

Fazit: Eine untere Trendwende ist im DAX möglich. Um weitere Investoren aus der Deckung zu locken, müsste der Index bis Monatsende aber zumindest seinen Abwärtstrend bei aktuell 13.600 Punkten hinter sich lassen. Die im Chart angedeutete Trendwendeformation wäre sogar erst bei Überschreiten des jüngsten Zwischenhochs von 13.910 Punkten vollendet. Sollte der DAX unter das bisherige Tief bei 12.400 Punkten fallen, wäre die Bodenbildung hingegen gescheitert, und Anleger müssten sich auf einen stürmischen Börsenherbst einstellen.

Dax-Analyse; 5-Jahres-Chart September 2017 - September 2022
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 13.09.2017 bis 13.09.2022, Quelle: comdirect.de

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 14.09.2022, Quelle: comdirect.de