Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Spannende Lage

Technische Analyse - H.-D. Schulz/L. Mathes

Der Anstieg über den Widerstand bei 15.730 Punkten entpuppte sich als Fehlsignal. Der DAX setzte Mitte November – trotz der bis dahin sehr vielversprechenden Ausgangslage – zurück und durchkreuzte somit die Hoffnungen der Anleger auf eine Jahresendrally. Die Notierung pendelt seitdem wieder in der Seitwärtsrange zwischen 15.000 und 15.730 Punkten.

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

So einfach wollte es der DAX den Anlegern dann leider doch nicht machen: Anfang November war er mustergültig aus der Rechteckformation nach oben ausgebrochen, die sich bis dahin aus dem grau eingezeichneten Widerstandsbereich zwischen 15.500 und 15.730 Zählern und der Unterstützung um 15.000 Zähler herauskristallisiert hatte. Ein Ausbruch auf ein neues Allzeithoch war möglich – und der Dezember als traditionell starker Börsenmonat stand erst noch vor der Tür. Die Aussichten auf einen weiteren Anstieg hätten aus technischer Sicht kaum besser stehen können. Doch es kam anders. Corona meldete sich mit hohen Fallzahlen zurück – ein weiterer Lockdown wurde ernsthaft in Erwägung gezogen. Und das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel litt unter neuen Pandemieeinschränkungen. Der Ausbruch über den Widerstand bei 15.730 Zählern entpuppte sich – zumindest bislang – als Fehlsignal.

Anleger warten ab

Für Investoren sind die Aussichten auf das Jahr 2022 durchwachsen. Die US-Notenbank beginnt angesichts der hohen Inflation über einen Paradigmenwechsel nachzudenken. Die Rate, mit der sie neues Geld schöpft, wird per „Tapering“ schrittweise reduziert. Das Ende des billigen zusätzlichen Geldes ist derzeit für Sommer geplant. Wie die Börsen – ausgehend vom weltweit richtungsweisenden US-Markt – damit klarkommen werden, ist aktuell kaum abzuschätzen. Liquidität ist der Treibstoff, der die Aktien bislang nach oben hob. Schätzungen gehen davon aus, dass seit Oktober 2020 rund zwölf Billionen Dollar weltweit in Aktienfonds flossen. Dieser Sog hat Wirkungen: Wertpapierkredite der US-Anleger befinden sich aktuell auf einem Rekordniveau. Dortige Privatanleger stehen bei ihren Depotbanken und Brokern mit dem Rekordwert von 600 Milliarden US-Dollar in der Kreide, um damit gehebelt vom Börsenaufschwung zu profitieren. Vor der letzten Krise im Jahr 2008 lag dieser Wert bei 400 Milliarden US-Dollar. Das erreichte Bewertungsniveau der börsengelisteten Unternehmen ist dementsprechend hoch. Jetzt aber bremst die Realwirtschaft in Ermangelung von wichtigen Rohmaterialien erkennbar ab. Sollten die großen Notenbanken auf Dauer versuchen, ihre Bilanzen zu verkürzen, dann könnten die Börsen ins Straucheln geraten. Für diejenigen, die dann auf Pump investiert haben, könnte das bedeuten, dass der Kreditgeber weitere Sicherheiten fordert oder die von den Krediten gekauften Aktien zu jedem Preis liquidiert werden müssen.

Kein Wunder also, dass manche Investoren nun zunächst abwarten. Elegant wäre es, wenn sich neue Aspekte ergäben, die eine Fortsetzung der Bilanzausweitungen der Fed und der EZB erlauben würden. Derzeit zeichnet sich da noch nichts ab, aber generell bieten sich als Begründung externe Faktoren an, wie beispielsweise bedrohliche Wendungen bei der Covid-Pandemie oder Lieferkettenunterbrechungen aufgrund von internationalen Spannungen (beispielsweise Ukraine oder Taiwan). Anleger sollten sich vergegenwärtigen, dass spürbar steigende Zinsen inzwischen gefährlich für die globale Finanzmarktstabilität wären. 5 % Zinsen auf Staatsanleihen, die dann die gegenwärtige Inflationsrate ausgleichen würden, würden den Staatshaushalt der USA um viele Milliarden belasten. Das Geld dafür wäre nicht da – es müsste wieder gedruckt werden. Hier sollten Anleger dementsprechend damit rechnen, dass das derzeit diskutierte „Tapering“ der Fed womöglich nicht so zu Ende geführt wird, wie es derzeit kolportiert wird.

Es bleibt also spannend für Anleger. Technisch ist die Lage einfacher: Solange sich der DAX in seiner aktuellen Seitwärtsrange oberhalb von 15.000 Punkten hält, bleibt der Ausblick bis in den Januar hinein stabil. Sollten die Kurse jedoch unter die genannte Marke bei 15.000 Zählern fallen, dann würde sich das Chartbild eintrüben. Die nächsttiefere Unterstützung liegt dann erst wieder bei rund 13.700 Punkten.

Dax-Analyse; 5-Jahres-Chart Dezember 2016 - Dezember 2021
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 15.12.2016 bis 15.12.2021, Quelle: comdirect

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 15.12.2021; Quelle: comdirect.de