Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Gewinne laufen lassen

Lutz Mathes

Schon einmal war der DAX über das Hoch des Jahres 2019 bei 13.560 Zählern geklettert. Das war im Februar, bevor das Virus die Märkte in die Knie zwang. Ende Dezember gelang nun zum zweiten Mal der Durchbruch. Aber die Kurse bröckelten zuletzt schon wieder. Können Investoren schon nachkaufen?

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Der Lockdown frisch verlängert, die Fallzahlen trotz harter Maßnahmen dennoch weiter beunruhigend – und der DAX klettert an der Mauer der Angst empor. Investieren ist angesichts hoher Kurs-Gewinn-Verhältnisse gegenwärtig etwas für Mutige. Oder für Optimisten. Die Frage, die viele Anleger derzeit umtreibt, lautet: Kann der DAX das Anstiegstempo weiter fortschreiben, das er seit Ende 2020 aufs Parkett gelegt hat? Die gute Nachricht: Die Charttechnik spricht derzeit nicht dagegen; die schlechte Nachricht: die Erfahrung aber schon. Euphorie lässt sich zwar noch nicht konstatieren, aber von Sorglosigkeit kann man auf Anlegerseite schon sprechen. Die Vorsicht und Zurückhaltung der meisten Bürger und Konsumenten, die Sorgen und Existenzängste der Kleinunternehmer, Kulturschaffenden und Einzelhändler – nichts davon spiegelt sich in der beeindruckenden Börsenentwicklung der vergangenen sieben Monate wider.

Induziert durch die vielen schnell geschöpften Zentralbankmilliarden und die nach wie vor unattraktiven Anlagealternativen hat sich eine Schere geöffnet zwischen den – mehrheitlich bestenfalls – stagnierenden Unternehmensgewinnen und den branchenübergreifend steil nach oben laufenden Aktien.

Wo der DAX nach diesem vielversprechenden Jahresauftakt am Ende stehen wird, kann leider niemand beantworten. Aber ein Trend, der den Aktienmarkt stärker beeinflussen wird, als es derzeit erwartet wird, lässt sich bereits ausmachen: Anleger und Verbraucher sollten sich im Jahr 2021 auf eine deutlich anziehende Inflation einstellen. Zum einen steigen die Rohstoffpreise jetzt schon kräftig, insbesondere der Aufwärtstrend des Ölpreises trotz der stark gedämpften Konjunktur lässt aufmerken. In Folge können sich auch deutsche Erdgasbezieher schon mal buchstäblich warm anziehen, schließlich ist das eigentlich sehr günstige Erdgas gesetzlich an den Ölpreis gekoppelt. Die neue CO2-Abgabe und die wieder auf 19 % gestiegene Mehrwertsteuer kommen in Deutschland noch hinzu und werden ein Übriges tun, um hier die Inflationsrate über 3 % zu bringen. Auch kräftig gestiegen sind die Kosten für Transporte, weil ein Großteil der Flugzeugflotte eingemottet wurde. Sobald die Impfstoffe Wirkung zeigen, wird auch sicher eine neu erwachende Lust an Fernreisen aufkommen, die einen regelrechten Boom im Tourismus- und Flugsektor auslösen dürfte.

Rückschlagspotenzial bis 13.000 Punkte

Aktuell ringt der DAX mit der runden Marke von 14.000 Punkten. Die charttechnische Lage ist noch bullish, deutsche Standardwerte sind dementsprechend als gute Halteposition zu werten. Der aktuelle Aufwärtstrend verläuft allerdings 1.000 Punkte weiter unterhalb, bei rund 13.000 Punkten. Dort ist auch eine Supportzone zu finden – im Schaubild grau eingezeichnet.

Angesichts dieses Rückschlagspotenzials drängen sich derzeit Neuengagements nicht auf. Was dem DAX zugutekommt, ist sein Nachholpotenzial aus Sicht internationaler Anleger. Die US-Bluechips sind schließlich schon erheblich weiter nach oben gelaufen und dementsprechend auch noch teurer.

Dax-Analyse; 5 Jahre; 20-01-2015; 20-01-2021
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 19.01.2016 bis 19.01.2021, Quelle: comdirect

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 20.01.2021; Quelle: comdirect.de