Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Aufwärtstrend in Bedrängnis?

Lutz Mathes

Die Phase seit Mitte Juni brachte dem DAX und damit den Investoren endlich einmal eine Verschnaufpause – zumindest sofern man vom Zusammenbruch der Firma Wirecard nicht betroffen war. Doch die geringe Schwankungsbreite bei wichtigen Indizes sollte die Anleger nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bullen und Bären gerade beide gleichermaßen mit gewaltigen Kräften an den aktuellen Kursen ziehen.

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Laut „FAZ“ hatten zuletzt sowohl die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) als auch der Internationale Währungsfonds vor einer bevorstehenden Pleitewelle und einer daraus zwangsläufig resultierenden Schuldenkrise gewarnt. Kein Wunder: Die Schulden sind sowohl bei den Unternehmen als auch den Staaten auf bislang ungeahnte Rekordwerte gestiegen. Anleger sollten sich immer klar vor Augen führen, dass das etablierte Weltwährungssystem nur mit den Billionensummen der großen Notenbanken aufrechterhalten werden konnte. Die Anleihen und Kredite der weltgrößten 900 Unternehmen stiegen im Jahr 2019 um rund 8 % auf 8,3 Billionen US-Dollar. Wem das noch nicht alarmierend genug erscheinen sollte, der muss wissen, dass die Fremdmittel nicht nur zur Finanzierung von Übernahmen und Investitionen dienen, sondern mitunter auch für Aktienrückkäufe und für die Ausschüttung von Dividenden.

Deutschland liegt im Schuldenmachen hinter Amerika auf dem zweiten Platz: Die hiesigen Unternehmensschulden belaufen sich inzwischen auf rund 700 Milliarden Euro. Und nun brechen denselben Unternehmen zwischen 10 und 50 % der Umsätze weg, je nach Branche. Das wären eigentlich die Zutaten für den perfekten Sturm. Wenn nicht die Staaten und mit ihnen die verbündeten Notenbanken mit massiven Konjunkturhilfen, Notkrediten und sogar direkten Zuschüssen dagegenhalten würden.

Die Kursentwicklung seit Ausbruch der Corona-Krise ist entsprechend verwirrend. Dem pandemiebedingten Einbruch folgte bislang eine v-förmige Erholung, die den DAX schon fast wieder zurück aufs Vorkrisen-Niveau zurückhievte. Der DAX eroberte sogar die im Schaubild grau eingezeichnete Widerstandszone im Bereich von 12.800 Punkten. Damit ist der Weg bis 13.560 Punkte frei, wo die nächste Widerstandszone wartet. Das Allzeithoch im DAX wurde bei 13.789 Punkten erreicht.

Die meisten DAX-Unternehmen sind betroffen

Allerdings sollten Anleger die grün eingezeichnete Aufwärtstrendlinie bei aktuell 12.600 Punkten beachten. Mit Kursen unter 12.600 Punkten würde sich der DAX aus technischer Sicht erst einmal in eine Art Sommer-Agonie verabschieden. Im besten Fall finge er sich dann schon wieder im Bereich von 12.000 Zählern. Dort verläuft die nächsttiefere Unterstützung.

Da das berüchtigte Sommerloch aber gerade erst eingeläutet wurde, sollten Anleger auch damit rechnen, dass die Unterstützungszone bei 12.000 Punkten unterschritten werden könnte. Das wäre aus technischer Sicht ein klarer Grund, sicherheitshalber erst einmal Kasse zu machen.

Deshalb bietet es sich an, die gut gelaufenen oder auch Corona-bedingt gefährdeten Einzelwerte im Depot per Stop-Loss-Limit abzusichern. Für den Fall, dass die Kurse unerwartet weiter steigen sollten, hätte der Anleger außer den Limitspesen nichts verloren und könnte weiterhin von steigenden Kursen partizipieren.

Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Referenzzeitraum: 15.07.2015 bis 15.07.2020, Quelle: comdirect

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 22.07.2020; Quelle: comdirect.de