Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Gewinne laufen lassen

Lutz Mathes

Die Kneipen zu, die Börse offen. Während das gesellschaftliche Leben im Dauer-Lockdown erlahmt, hangeln sich die Aktienmärkte von Hoch zu Hoch. Anfang März stieß der DAX auf 14.500 Punkte vor und verteidigte so seinen Aufwärtstrend. Für Anleger ist die entscheidende Frage: Wie lange kann der Markt noch weiter steigen? Und lohnt jetzt noch ein Neueinstieg?

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Im Februar konsolidierte der deutsche Aktienmarkt zunächst in einem engen Band um 14.000 Punkte. Anfang März setzte dann scheinbar ohne besondere Meldungen der nächste Aufwärtsimpuls ein und schob den DAX auf 14.500 Zähler nach oben.

Obgleich es im März noch nicht zu den von den Investoren erhofften Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen kam, überwiegt an der Börse so etwas wie Zweckoptimismus. Oder steckt womöglich noch mehr dahinter? Die Kurse werden im Wesentlichen dadurch gestützt, dass der Mangel an Rendite bringenden Anlagen nun immer mehr Menschen an die Börse treibt. Eine aufschlussreiche Meldung lief Ende Februar durch die Medien: Im Laufe des Jahres 2020 sind nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts 2,7 Millionen Neuaktionäre aufs Parkett geströmt. Inzwischen besitzen mehr als zwölf Millionen Deutsche Depotwerte wie Fonds, ETFs oder Aktien. Darunter legen knapp zehn Millionen ihr Geld in aktienbezogenen Fonds an und immerhin 5,3 Millionen investieren direkt. Mehr waren es hierzulande nur im Jahr 2001; damals platzte die Blase am Neuen Markt – und viele Kleinaktionäre verbrannten sich so gründlich die Finger, dass erst eine neue Generation heranwachsen musste, um diesen historischen Aktionärs-Höchststand wieder zu erreichen. Vermutlich wird es gerade wieder so weit sein, denn die Neudepoteröffnungen bleiben nach Angaben der Broker und Banken bislang ungebrochen hoch.

Ist das nicht gleichsam ein Warnsignal? Mittelfristig durchaus. Gleichsam war es vermutlich diese Meldung, die die Profis Ende Februar so sicher machte, dass die Aktien trotz ihrer unzweifelhaft hohen Bewertung kaufenswert bleiben würden. Eine größere Konsolidierung wäre angesichts der Verlängerung des unpopulären Corona-Lockdowns zwar überfällig gewesen. Doch aktuell ziehen immer mehr Banken die Daumenschrauben an und geben die Negativzinsen der EZB für eingelegte Gelder auch an ihre Kunden weiter. Tagesgeld wird bald flächendeckend kein Produkt mehr sein, in dem sich Liquidität werterhaltend parken lassen wird. Dabei ist die Zinsangabe von beispielsweise 0,2 % ohnehin ein nur nomineller Wert. Real, also nach Inflation gerechnet, ist alles unter 1,5 % Rendite für Sparer ein schleichender Wertvernichter.

Börsenampel bleibt weiter grün

Die Diskrepanz zwischen den allenfalls langsam steigenden Unternehmensgewinnen und den weiter aufwärtslaufenden Aktien bleibt unvermindert bestehen. Es droht unter fundamentalen Betrachtungen nach wie vor ein spürbarer Rückschlag am Aktienmarkt. Gleichsam lehrt die Erfahrung, dass gerade Aufwärtstrends meist länger anhalten, als man als vorsichtig agierender Anleger denkt. Mit dem jüngsten Anstieg über 14.000 Zähler hat sich der DAX den Weg nach oben wieder freigekämpft. Der ganz rechts im Bild eingezeichnete Aufwärtstrend bleibt intakt. Und eine drohende obere Wende zeichnet sich für den DAX auch bei kritischer Betrachtung derzeit nicht ab.

Die Lage würde sich aus technischer Sicht eintrüben, wenn der DAX seinen Aufwärtstrend bei aktuell 14.000 Punkten nach unten durchbrechen würde. Wer jetzt in diesem sehr reifen Bullenmarkt noch bleiben möchte, kann mit Trailing Stops bei den gut gelaufenen Standardtiteln versuchen, aufgelaufene Kursgewinne mitzunehmen und sich im Falle eines Rückschlags automatisiert ausstoppen zu lassen. Die Börse ist keine Einbahnstraße. Auch wenn sich aktuell noch keine Wolke am Börsenhimmel finden lässt: Im Sommer könnte der DAX schon wieder günstiger einzukaufen sein.

Dax-Analyse; 5 Jahre; 17-03-2015; 17-03-2021
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 17.03.2016 bis 17.03.2021, Quelle: comdirect

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 17.03.2021; Quelle: comdirect.de