Analyse von L. Mathes / Chartbüro Dr. H.-D. Schulz DAX: Auf die Chancen lauern

Lutz Mathes

Bei NASDAQ und dem S&P 500 deutet sich aktuell eine mögliche obere Wende an. Anders als diese US-Indizes lief der DAX seit Juni seitwärts. Damit reduziert sich hier das Risiko, sollten die bekannten US-Tech-Schwergewichte einen Schwächeanfall erleiden. Auf Basis des Chartbildes ist der DAX aktuell als Halteposition einzustufen. Neueinstiege können auf Basis von zuvor platzierten Limits umgesetzt werden.

Lutz Mathes vom Chartbüro – Büro Dr. Hans-Dieter Schulz analysiert einmal im Monat für das comdirect magazin die aktuelle Entwicklung des DAX.

Der Herbst ist da – und die Corona-Neuinfektionen zwingen die Regierung erneut zu unpopulären Maßnahmen. Dem DAX war indes schon vorher die Puste ausgegangen. Anders als die bekannten New Yorker Leitindizes dümpelte der DAX seitwärts. Immerhin ließ sich auch hier noch eine ganz zaghafte Aufwärtstendenz konstatieren, doch im Oktober bröckelten die Kurse wieder in Richtung 12.500 Punkte. Technisch ist der Bereich nicht so entscheidend. Die nächsttiefere Unterstützung lässt sich im Chart aber bei 12.000 Zählern erkennen (grau unterlegt).

Dax 5 Jahre Oktober 2020
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Transaktionskosten, Provisionen und Steuern sind in der Performance des Charts nicht enthalten. Referenzzeitraum: 20.10.2015 bis 20.10.2020, Quelle: comdirect

Support bei 12.000 Punkten

Investoren sollten die New Yorker Leitbörsen im Blick behalten. NASDAQ, S&P 500 und Dow Jones laufen in ihren Schwingungen in der Regel synchron. Alle drei haben mit einem ersten Hochpunkt Anfang September und einem jeweils geringfügig tiefer gelegenen zweiten Mitte Oktober die Basis für eine drohende Doppel-Topp-Formation gelegt. Noch lässt sich über die Eintrittswahrscheinlichkeit nichts sagen, doch sollten in den Staaten die Kurse nun weiter abbröckeln und letztlich unter den Tiefpunkt im September fallen, dann wäre das ein sehr bearishes Signal.

Der DAX wird hingegen mehr von den schwächelnden Autowerten gebremst. Es fehlt an Technologiekonzernen von der Schlagkraft der viel zitierten FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google/Alphabet). Diese Highflyer sind allerdings inzwischen so gut gelaufen, dass dort die Aktionäre eher auf der Verkäuferseite stehen dürften. Bis zur US-Wahl am 3. November werden sich die Anleger vermutlich ohnehin zurückhalten. Daher sind auf Sicht der nächsten zwei Wochen bröckelnde Kurse wahrscheinlich. Solange sich der DAX über 12.000 Punkten hält, bleiben hier noch alle Chancen gewahrt.

Strategie: US-Wahl abwarten, Aktien bleiben alternativlos

Da immer klarer wird, dass der Winter mit hohen Corona-Infektionszahlen die Weltwirtschaft noch einmal etwas weiter zurückwerfen dürfte, könnte sich für Anleger die kombinierte Strategie der Stop-Loss-Limits für bestehende Depot-Positionen und das Platzieren von Abstauber-Limits für solide aufgestellte Standardwerte anbieten. Für Käufe bietet sich als Nächstes der Bereich von 12.000 Punkten im DAX an, wenn dieser beispielsweise durch bröckelnde Kurse an den Leitbörsen in den Vereinigten Staaten erreicht werden sollte. Optimalerweise dreht der DAX mit seinem eher konservativen Portfolio dann wieder nach oben.

Kommt es im Lauf der ersten Novemberwoche nach der US-Präsidentschaftswahl hingegen dort zu größeren Verwerfungen, dann wird sich dieser Strömung auch der DAX nicht entziehen können. Bis dahin sollten auch hiesige Anleger ihr Depot noch einmal durchforstet haben, um zum Beispiel die Werte mit einem Stop-Loss-Limit ausgestattet zu haben, die bislang gut gelaufen sind. Die positive Bias für Aktien bleibt aber mittelfristig völlig intakt: Aufgrund der vielen Rettungsmilliarden, die durch die Notenbanken und Regierungen unverdrossen geschöpft werden, werden die Aktien in ihrer Eigenschaft als Sachwert nicht ins Bodenlose fallen. Rendite im Bereich der schnell auch wieder liquidierbaren Assets gibt es für Anleger, insbesondere für Vermögensverwalter und Versicherungen, weiterhin fast ausschließlich im Bereich der großen Aktien. Und je billiger das Geld, desto eher kommt es durch Unternehmensaufkäufe und Fusionen auch immer wieder zu unerwarteten Kursanstiegen. Die Kurse könnten also ab Anfang November weiter an der berühmten Wand der Angst emporklimmen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart‐ und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 20.10.2020; Quelle: comdirect.de