TeamViewer Starkes Wachstum in der Pandemie

Ausschnitt eines gut aussehenden jungen Geschäftsmannes, der allein in seinem Büro zu Hause sitzt und mit seinem Handy telefoniert
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Computer-Fernsteuerung und gemeinsames Arbeiten ohne räumlichen Kontakt sind gefragt.

Die TeamViewer AG verkörpert mit ihrer Fernsteuerungssoftware eine deutsche Technologie-Erfolgsgeschichte. Im Jahr 2020 stiegen die Umsätze stark. Die Perspektiven bleiben gut. Bei den Experten herrscht großer Optimismus für die Aktie. Allerdings ging der Nettogewinn zuletzt aufgrund hoher Steuerzahlungen zurück. Nach der Pandemie könnte die Euphorie für das Geschäftsmodell abflachen. Zudem ist die Aktie hoch bewertet und der Beteiligungskonzern Permira wird in Kürze weitere Papiere abstoßen.

Pro (WKN A2YN90)

  • Technologie aus Deutschland: TeamViewer gehört zu den deutschen Erfolgsgeschichten im Bereich Technologie. Die Göppinger Software-Schmiede hatte mit der Fernsteuerung von Computern schon vor der Corona-Pandemie ein gutes Standing bei Privat- und Gewerbekunden. In der Krise profitieren die Göppinger von höherer Nachfrage bei Fernwartungs- und Homeoffice-Software.
  • Hohe Umsatzsteigerungen: 2020 stiegen die Rechnungsstellungen (Billings) gegenüber dem Vorjahr wegen der hohen Nachfrage in der Corona-Pandemie währungsbereinigt um 44 % auf 460 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen sie laut Unternehmensprognosen auf rund 600 Millionen Euro zulegen. Im 1. Quartal 2021 stiegen sie gegenüber dem Vorjahr um 26 % auf rund 147 Millionen Euro.
  • Positiver Ausblick: Die operative EBITDA-Marge lag bei TeamViewer im abgelaufenen Jahr bei hervorragenden 56,8 %. Aktuell legt vor allem das margenärmere Geschäft mit Großkunden zu. Für das bereinigte EBITDA erwartetet das Unternehmen für 2021 ein Ergebnis von über 300 Millionen Euro.
  • Euphorische Experten: TeamViewer ist bei den Analysten sehr beliebt. Neun von zehn Experten stufen sie aktuell als „Kaufempfehlung“ ein. Ein einziger setzt das Papier zurzeit auf „Halten“, kein einziger auf „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt bei 90 % und gehört damit zu den Spitzenwerten am deutschen Aktienmarkt.

Contra (WKN A2YN90)

  • Rückgang beim Nettogewinn: Zwar stieg das bereinigte EBITDA im vergangenen Jahr um 44 % auf rund 261 Millionen Euro an. Unter dem Strich verdiente TeamViewer mit 102 Millionen Euro jedoch etwas weniger als im Jahr 2019. Grund für dieses Ergebnis, das die Analysten enttäuschte, waren vor allem deutlich höhere Steuerzahlungen.
  • Konkurrenz bei Konferenzen: Aktien von Unternehmen mit der Spezialität Videokonferenzen sind in Pandemiezeiten besonders gefragt. Wenn die Impfungen voranschreiten, werden aber auch wieder Treffen im realen Leben möglich sein. Dann könnte der Hype abschwellen und die Konkurrenz zunehmend härter werden.
  • Hohe Bewertung: Als einer der größten deutschen Technologiewerte ist TeamViewer an der Börse stark gefragt. Nach der insgesamt positiven Entwicklung seit dem Börsengang im Jahr 2019 ist die Aktie allerdings mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 von rund 39 hoch bewertet. Dividendenzahlungen gab es bisher nicht und sie sind bis auf Weiteres nicht geplant.
  • Permira macht Kasse: Größere Aktienverkäufe von Alteigentümern belasten die Kurse. Der Finanzinvestor Permira trennt sich seit dem Börsengang sukzessive von seinen Anteilen. Zuletzt brachten die Briten im Februar 7 % der Aktien auf den Markt. Permira besitzt noch rund 20 % der TeamViewer-Papiere und will sich auf Dauer gänzlich von ihnen trennen.

Was ist TeamViewer?

TeamViewer wurde 2005 bei der Göppinger Rossmanith GmbH erfunden. Das Unternehmen entwickelte damals eine Fernwartungssoftware, die Reisen reduzieren sollte, und benannte sich in TeamViewer GmbH um. Mit der Software kann man einem Außenstehenden Zugriff auf seinen eigenen Computer erlauben. So können Experten technische Probleme lösen, ohne sich dafür vor Ort zu begeben. Das Tool TeamViewer funktioniert auf Windows-Rechnern, auf Macs, Android oder Linux. Für Privatnutzer ist TeamViewer kostenlos. Zahlende Kunden können die Software für virtuelle Teams nutzen, die sich nicht am selben Ort befinden. Über ein Dateitransfer-Tool können Dateien, Bilder, Texte, Ordner und Screenshots übertragen werden.

2010 wurde die TeamViewer GmbH von GFI Software gekauft. 2014 übernahm die Beteiligungsgesellschaft Permira für eine Milliarde US-Dollar das Unternehmen und leitete die internationale Expansion ein. Ab Anfang 2018 stellte das Unternehmen sein Geschäftsmodell vom Lizenzverkauf auf Abonnements um und beschleunigte damit das Wachstum. Zur Vorbereitung auf den Börsengang wurde 2019 die neu geschaffene TeamViewer AG als Muttergesellschaft gegründet. Im September 2019 ging TeamViewer mit einem Emissionsvolumen von 2,2 Milliarden Euro an die Börse. Noch vor Jahresende stieg das Unternehmen in den MDAX und den TecDAX auf.

Im Zuge der Pandemie ist die Nachfrage für TeamViewer-Leistungen deutlich gestiegen. Mit der Übernahme der Ubimax GmbH, Spezialist für Augmented-Reality-Software für Datenbrillen, soll der Umsatz künftig zusätzlich steigen. Nach dem schrittweisen Rückzug von Permira befinden sich aktuell rund 60 % der Aktien im Streubesitz. Mit einer Marktkapitalisierung von über sechs Milliarden Euro gehört die TeamViewer AG zu den größeren MDAX-Werten. Ein Aufstieg in den DAX ist bei einer anhaltend positiven Kursentwicklung nicht ausgeschlossen, wenn das größte deutsche Börsenbarometer im Herbst 2021 von 30 auf 40 Werte aufgestockt wird.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 16.06.2021; Quelle: comdirect.de