Stufen-Expresszertifikate Längere Durststrecken überbrücken

Zwei Menschen die Kursverläufe an einem Bildschirm besprechen
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Expresszertifikate gehören zu den beliebtesten Derivaten. Die jeweiligen Bedingungen sollten gründlich geprüft werden.

Mit einem Anteil von annähernd 30 % gehören Expresszertifikate bei deutschen Privatanlegern zu den beliebtesten Zertifikaten. Das hat gute Gründe: Sie kombinieren klar definierte Renditechancen mit einem hohen Sicherheitspuffer. Gleichzeitig bieten „Expresse“, die während des Crashs zwischen Mitte Februar und Mitte März zum Teil deutlich in die Verlustzone geraten sind, hohes Aufholpotenzial und damit mittel- und langfristig Chancen auf eine attraktive Rendite. Das liegt an ihren langen Maximallaufzeiten. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Erholung bei Stufen-Expresszertifikaten. Denn bei ihnen reduziert sich die sogenannte Tilgungsschwelle mit jedem Bewertungstag. Nur wenn die zugrunde liegenden Indizes sehr lange auf niedrigen Ständen verharren, drohen Verluste. Dann allerdings fallen diese hoch aus.

Attraktive Renditechancen

Was sich zunächst etwas abstrakt anhört, lässt sich an einem Zahlenbeispiel leicht verdeutlichen. Das Express-Zertifikat auf den Euro STOXX 50 mit der WKN DK0SN9 hat eine Maximallaufzeit bis zum 22.11.2024. Es wird allerdings schon Ende November 2020 zu 100 Euro zurückgezahlt, wenn der Euro STOXX 50 am ersten Bewertungstag (20.11.2020) auf oder über 3.271 Punkten notieren sollte. Zusätzlich erhalten die Besitzer der Papiere in diesem Fall einen Kupon von 4,75 Euro. Bei einem aktuellen Briefkurs von 99,58 Euro ergäbe sich damit auf Sicht von viereinhalb Monaten eine Rendite in Höhe von 5,2 %.

Allerdings liegt der Euro STOXX 50 aktuell mit ca. 3.300 Punkten (Stand: 08.07.2020) nur marginal über dieser Marke. Deshalb ist es keineswegs sicher, dass der Index seinen Zielwert von 3.271 Punkten Mitte November tatsächlich erreicht. Das ist für Anleger jedoch nicht schlimm. Denn die Laufzeit des Zertifikats wird dann zunächst um ein Jahr verlängert. Dann wird der Stand des Euro STOXX 50 am 19.11.2021 erneut mit der Tilgungsschwelle verglichen. Der Clou: Binnen eines Jahres hat sie sich um 5 % auf 3.107 Zähler reduziert. Fällt der Vergleich am 19.11.2021 positiv aus, erhalten die Besitzer dann 100 Euro zuzüglich des doppelten Kupons (9,50 Euro). Andernfalls setzt sich das Spiel jährlich mit reduzierten Tilgungsschwellen bis zum finalen Bewertungstag fort. Zu diesem Termin (22.11.2024) reicht dann bereits ein Wert von mindestens 1.963 Punkten beim Euro STOXX 50 zur Rückzahlung zu 100 Euro plus der kumulierten Kupons (dann fünfmal 4,75 Euro, also insgesamt 23,75 Euro). Das entspricht auf Sicht von knapp viereinhalb Jahren einer Rendite von 24,2 %.

Große Verluste bleiben möglich

Das Beispielzertifikat auf den Euro STOXX 50 bietet einiges an Puffer. Wenn dieser Puffer allerdings nicht mehr greift, drohen beträchtliche Verluste. Falls der Euro STOXX 50 nämlich am 22.11.2024 unterhalb der Marke von 1.963 Punkten schließt, muss der Investor die in der Zwischenzeit eingetretenen Verluste tragen. Diese werden ausgehend vom aktuellen Briefkurs des Zertifikats dann mindestens 39,8 % betragen. Sie können je nach Indexstand aber auch noch höher ausfallen – theoretisch ist sogar ein Totalverlust möglich, wenn der Euro STOXX 50 auf null sinken sollte.

Insgesamt eignen sich Stufen-Expresszertifikate für Anleger, die einen langen Atem haben. Konservativere oder chancenorientierte Strategien sind möglich. Die Emittenten bieten unzählige Varianten und Basiskurse an. Dabei hat die hohe „Artenvielfalt“ natürlich auch zur Folge, dass die jeweiligen Ausstattungsmerkmale, Tilgungsschwellen und mögliche Rückzahlungstermine vor einem Investment eingehend betrachtet und miteinander verglichen werden müssen.

Expresszertifikate unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Expresszertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 08.07.2020; Quelle: comdirect.de