Smart Healthcare Chancen mit neuer Medizintechnologie

Aufnahme einer Ärztin, die winkt und mit Kollegen über einen Videoanruf mit einem Laptop in der Sprechstunde spricht.
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Smart Healthcare vereint Telemedizin und innovative IT-Systeme, Robotik und bildgebende Verfahren.

Not macht erfinderisch: In der Corona-Krise war auch in deutschen Hausarztpraxen plötzlich möglich, was sonst als undenkbar galt – die Diagnose per Videosprechstunde. In anderen Bereichen der Medizin hat die Digitalisierung dagegen schon längst Einzug in die Behandlung von Kranken gehalten. Der vor einigen Jahren geschaffene Begriff Smart Healthcare fasst alle Bereiche der Anwendung von Technologien und Innovationen im Gesundheitssektor zusammen: Dazu gehören innovative IT-Systeme für das Gesundheitswesen, Telemedizin, Versicherungstechnologien, Robotik und bildgebende Therapien. „Medizinische Anwendungen mit digitalen Komponenten werden in den kommenden Jahren massiv zunehmen“, sagt Roger Peeters, Geschäftsführer beim Fondsberater pfp Advisory in Frankfurt. „Von diesem Trend profitieren spezialisierte Unternehmen am Kapitalmarkt.“ Das liegt auch an der zunehmenden Bedeutung des globalen Gesundheitsmarktes. Laut einer Studie von Roland Berger sollen die weltweiten Gesundheitsausgaben von rund 5,7 Billionen Dollar im Jahr 2005 auf 20 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 steigen.

Breite Anwendungsgebiete für Smart Healthcare

Die Profiteure des Smart-Healthcare-Trends kommen aus verschiedenen Bereichen. Dazu gehört die Medizintechnik, aber auch die Pharma- und Biotechnologie und die Datenanalyse. Ein aktuelles Beispiel liefert der Fitness-Tracker-Spezialist Fitbit. Zu Jahresbeginn wurde Fitbit von Google/Alphabet (WKN A14Y6F) für 2,1 Milliarden US-Dollar endgültig übernommen. Ein Grund für die Akquisition: Fitbit hatte in den USA und auch in der Europäischen Union die behördliche Genehmigung für ihre EKG-App erhalten hat. Mit ihr kann unter anderem der Herzrhythmus bei Patienten mit Vorhofflimmern kontinuierlich überwacht werden. Laut Angaben des Spezialisten für Smartwatches und Fitness-Tracker sind weltweit mehr als 33 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen. Auch der US-Gigant Apple (WKN 865985) hat inzwischen eine App zur EKG-Aufzeichnung und Überwachung auf Vorhofflimmern im Angebot. Die im Herbst 2020 vorgestellte Apple Watch der Serie 6 glänzt mit einer Funktion zur Messung des Sauerstoffgehalts im Blut und einer Schlaferfassung.

Demografie treibt neue Entwicklungen

Auch die demografische Entwicklung spielt bei Smart Healthcare eine wichtige Rolle. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) steigt die Weltbevölkerung von aktuell rund acht Milliarden Menschen auf etwa 10,2 Milliarden im Jahr 2060. Gleichzeitig sorgen der medizinische Fortschritt, eine gesündere Ernährung, der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer und ein größeres Gesundheitsbewusstsein für eine höhere Lebenserwartung: „Das lässt die Kosten in den Gesundheitssystemen explodieren, weshalb via Digitalisierung bestehende Strukturen effizienter genutzt werden müssen“, erklärt Fondsberater Roger Peeters.

Via Telemedizin etwa könnten künftig insbesondere in weitläufigen Gebieten und in Schwellenländern mehr Menschen erreicht und damit die medizinische Betreuung verbessert werden. Pharma- und Biotech-Industrie nutzen effizientere IT zur schnelleren Erforschung neuer Wirkstoffe und Erstellung klinischer Studien. Die Fortschritte machten sich auch im rasanten Tempo in der Impfstoffforschung gegen das Corona-Virus bemerkbar. In der Medizintechnik gehören Konzerne wie Philips (WKN 940602), der Siemens-Ableger Siemens Healthineers (WKN SHL100) oder der Herzschrittmacher-Spezialist Medtronic (WKN A14M2J) zu den Vorreitern im Sektor Smart Healthcare. So entwickeln sie zum Beispiel Therapien, die Bildgebung und Diagnostik mit Robotik und Software zur Durchführung minimalinvasiver Operationen kombinieren.

Breit investieren per Zertifikat

Bei den großen Technologiekonzernen machen die Smart-Healthcare-Anwendungen nur einen kleineren Teil des Unternehmensgeschäfts aus. Die Spezialisten und vor allem die jungen Player dagegen reagieren stark auf den Durchbruch neuer Anwendungen und Veränderungen im Markt. „Ein Direktinvestment in Einzelwerte erscheint durchaus reizvoll und auch aussichtsreich“, sagt Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei Vontobel in Frankfurt. „Aber die junge Branche verändert sich am Kapitalmarkt sehr schnell, beispielsweise über Börsengänge oder Abspaltungen.“ Wer breit in die Branche investieren will, kann daher auch auf eine Indexlösung setzen. Vontobel hat den Smart-Healthcare-Index kreiert, der via Endlos-Zertifikat (WKN VP9VJW) investierbar ist. Der aktiv verwaltete Strategie-Index enthält aktuell 31 Werte. Das Zertifikat rechnet die Nettodividenden an und ist wie alle Zertifikate nicht insolvenzgeschützt. Die jährlichen Gebühren für den Anleger liegen bei 1,25 %.

Aktien und Zertifikate unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Zertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 07.07.2021; Quelle: comdirect.de