Smart Farming Gewinnen mit neuen Anbaumethoden

Smart Farming Anbau
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Weniger Anbaufläche für mehr Menschen lässt die Lebensmittelpreise steigen. Smart Farming soll den Trend stoppen.

1.000 Tonnen Gemüse im Jahr auf der Fläche eines Fußballfeldes ernten? Das ist durchaus möglich. Allerdings nicht mit konventioneller Landwirtschaft. Dafür muss man schon in die Höhe bauen. Das amerikanische Unternehmen AeroFarms macht es vor. AeroFarms unterhält die weltweit größte vertikale Farm im Bundesstaat New Jersey. In einer ehemaligen Stahlfabrik wächst hier Gemüse in zwölf Etagen übereinander. Die Pflanzen wurzeln nicht in Erde, sondern in recycelbaren Kunststoffnetzen. Dank einer permanenten Beleuchtung mit LED-Lampen, optimaler Temperatur und Luftfeuchte sowie einer computergesteuerten Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen kann ganzjährig geerntet werden. AeroFarms benötigt nur 1 % der Fläche, die für die Produktion der gleichen Menge an Gemüse auf Feldern in der Ebene nötig wäre.

Weniger Anbaufläche für mehr Menschen

Innovationen in der Landwirtschaft sind nötig. Das zeigt die Entwicklung der Lebensmittelpreise. Sie legten 2021 stärker zu als die Inflationsrate. Dazu trug die Pandemie bei, aber auch einige langfristige Trends: So sinkt die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, nicht zuletzt aufgrund von Klimaveränderungen. Gleichzeitig nimmt die Weltbevölkerung zu. Im August 2021 lebten rund 7,9 Milliarden Menschen auf der Welt. Bis 2050 werden es laut den Vereinten Nationen rund 9,7 Milliarden sein. „Diese Menschen müssen alle ernährt werden“, sagt Roger Peeters, geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter Fondsberatung pfp Advisory: „Ein Ansatz, der dabei helfen kann, wird unter dem Begriff ‚Smart Farming‘ zusammengefasst.“

Moderne Technologien

Smart Farming umschreibt den Einsatz modernster Technologien und Dienstleistungen in der Landwirtschaft. Sie sollen die Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln steigern. Zum Smart Farming zählen vor allem drei Bereiche:

  • „Precision Agriculture“ umfasst datengestützte Anbaumethoden. Statt massiv und zu hohen Kosten mit der Chemiekeule zu arbeiten, können Landwirte mit diesen Methoden bei den Pflanzen Krankheiten oder Anbaufehler frühzeitig erkennen und so etwa mit dem gezielten Einsatz von Düngemittel gegensteuern. Die Digitalisierung der Bearbeitungsmaschinen auf den Feldern erfordert zwar zunächst höhere Investitionen. Die Dokumentation von Ernteertrag und Düngereinsatz führen aber in den nachfolgenden Jahren zu besseren Ernten.
  • „Vertical Farming“ wie bei AeroFarms bietet eine Lösung bei zunehmender Knappheit der Anbauflächen. Es ermöglicht eine Massenproduktion von Pflanzen in oder nahe von städtischen Ballungsräumen. Vertical Farming erfolgt in mehrstöckigen Gebäuden (sogenannten Farmscrapers). Als Hydrokultur oder unter Gewächshausbedingungen können so auf engstem Raum ganzjährig Früchte, Gemüse oder Pilze erzeugt werden.
  • „Aquakulturen“ schließlich werden beim Lachs bereits seit vielen Jahren genutzt. Wegen der zunehmenden Überfischung von Fanggebieten werden sie nun auch bei anderen Fischarten eingesetzt. Mit der Aufzucht von Setzlingen in Aquakulturen trägt die Technik zudem zur Artenerhaltung bei.

Nach Schätzungen von BIS Research wird der globale Markt für Smart Farming im Jahr 2022 ein Volumen von rund 23 Milliarden US-Dollar erreichen, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von fast 20 % seit dem Jahr 2017. Noch sind das im Vergleich zum weltweiten Agrarmarkt eher „Peanuts“, aber die Elektromobilität hat vor einigen Jahren ebenfalls klein angefangen. Roger Peeters traut Smart Farming daher auch am Aktienmarkt eine zunehmende Bedeutung zu, etwa durch Börsengänge neuer Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen.

Per Zertifikat in Smart Farming investieren

Vontobel hat das Thema Smart Farming über Endlos-Zertifikate investierbar gemacht und den Smart Farming & FoodTech Index entwickelt. „Der Schwerpunkt liegt auf Präzisionslandwirtschaft, Robotik, vertikaler Landwirtschaft und Biologie“, sagt Nicole Wittmann, Zertifikate-Expertin bei Vontobel in Frankfurt. Der Basiswert besteht aktuell aus 32 Einzelwerten. Die jährlichen Gebühren für den Käufer des Smart Farming & FoodTech Index (WKN VA8HXD) liegen bei 1,25 %.

Zu den größten Einzelwerten im Index zählt der nordamerikanische Hersteller von Landmaschinen Deere & Co (WKN 850866), dessen Aktie sich vom Zwischentief im Corona-Crash bestens erholt hat. John Deere wolle mit Technik, künstlicher Intelligenz, Elektrifizierung und Autonomisierung der Fahrzeuge auf dem Acker zu einer nachhaltigen „Industrie 4.0 auf dem Feld“ beitragen, erklärte Markwart von Pentz, Chef der Landmaschinensparte des Konzerns, beim ersten John Deere Nachhaltigkeitstag im Sommer 2021. Für das per 30.10.2021 beendete Geschäftsjahr meldete John Deere einen Nettogewinn von knapp sechs Milliarden US-Dollar – mehr als das Doppelte der 2,8 Milliarden US-Dollar vom Vorjahr.

Ebenfalls hoch gewichtet ist das Software- und Technologie­unternehmen Trimble Navigation (WKN 882295) aus Sunnyvale in Kalifornien. Die Gesellschaft hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Vermessungssystemen spezialisiert. Mit Archer Daniels Midland (WKN 854161) ist ein weiterer nordamerikanischer Industriekonzern im Index vertreten. Das Unternehmen aus Chicago gehört mit weltweit rund 270 Produktionsstätten zu den größten Agrarfirmen der Welt. Im Sommer 2020 hat das Unternehmen eine Charta unterzeichnet, die zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet.

Der Smart Farming & FoodTech Index wird regelmäßig überprüft. So könnte in Zukunft auch Beyond Meat (WKN A2N7XQ) den Aufstieg schaffen. Noch scheint der bekannte Produzent von veganen Burgern allerdings nicht reif dafür. Er ist erst seit Mai 2019 an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet und aktuell fehlt noch die Profitabilität. Im dritten Quartal 2021 fiel unter dem Strich ein Verlust von 54,8 Millionen US-Dollar an. Da zudem das Umsatz­wachstum mit 13 % auf 106,4 Millionen US-Dollar unter den Werten der Vorquartale lag und das Management verhalten auf das laufende Quartal blickte, neigte die Aktie zuletzt zur Schwäche. Dies zeigt, dass auch hervorragende Perspektiven mit einem dynamisch wachsenden Vegan-Markt nicht immer vor Kursverlusten schützen.

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