Siemens Healthineers Hoffnung auf den DAX-Aufstieg

Gebäude von einem Siemens Healthineers
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Die abgespaltene Medizintechniksparte von Siemens wächst bei Umsatz und Gewinn überdurchschnittlich stark.

Siemens Healthineers hat sich nach der Abspaltung von der Siemens AG mit drei Geschäftsschwerpunkten an der Börse etabliert. Insbesondere die bildgebenden Verfahren bringen deutliche Umsatz- und Gewinnzuwächse. Mit dem Kauf des US-Krebsspezialisten Varian Medical Systems will sich Siemens Healthineers in der Krebstherapie verstärken. Im laufenden Jahr könnte der Aufstieg in den DAX gelingen. Allerdings bremste im Weihnachtsquartal die Sparte „Advanced Therapies“. Das Umsatzwachstum in den USA konnte mit den anderen Regionen nicht mithalten. Die Unternehmensbewertung ist überdurchschnittlich hoch und die Analysten sind skeptisch.

Pro Siemens Healthineers (WKN SHL100)

  • Erfolgreiche Abspaltung: Siemens Healthineers ist das abgespaltene Healthcare-Geschäft der Siemens AG und zeigt seit 2018 eine gute Börsenkarriere. Zu den Kernbereichen zählen die Bildgebung für Diagnostik und Therapie mit Röntgen-, Computertomografie (CT)- und MRT-Geräten, Labordiagnostik mit Blut- und Urintests sowie digitale Gesundheitsservices und Krankenhausmanagement.
  • Führend bei bildgebenden Verfahren: Siemens Healthineers steigerte im 1. Quartal des gebrochenen Geschäftsjahres 2020/2021 (per Ende Dezember) den Umsatz um fast 8 % auf knapp 3,9 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte steuerte die bildgebende Diagnostik mit 2,3 Milliarden Euro bei. Die bereinigte operative Marge (EBIT) stieg dank der höheren Nachfrage nach hochpreisigen Computertomografen um rund ein Drittel auf 23,4 %.
  • Ambitionierter Zukauf: Im August 2020 kündigte die Siemens-Tochter die Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian Medical Systems für rund 13,5 Milliarden Euro an. Inzwischen gab die US-Kontrollbehörde für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) grünes Licht. Der Deal soll im Sommer 2021 abgeschlossen werden und die Position von Siemens Healthineers in der Strahlentherapie verbessern.
  • DAX-Aufstieg möglich: Der Mutterkonzern Siemens hält immer noch 85 % der Anteile an Siemens Healthineers. Aber auch die 15 % Aktien im Streubesitz sind aktuell über sieben Milliarden Euro wert. Damit ist Siemens Healthineers ein Kandidat für den Aufstieg in den DAX, wenn die erste deutsche Börsen-Bundesliga im Herbst 2021 von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird.

Contra Siemens Healthineers (WKN SHL100)

  • Gesundheitsservices stagnieren: Das Segment Advanced Therapies mit digitalen Gesundheitsservices und Technologien für das Krankenhausmanagement verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatz von 412 Millionen Euro. Dies entspricht zwar einem Wachstum von 2 % gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBIT ging aber um 2% auf 78 Millionen Euro zurück. Dabei wirkten sich vor allem negative Währungseffekte aus.
  • Schwächerer Zuwachs in den USA: Siemens Healtineers konnte das Geschäft weltweit steigern. Besonders positiv waren die zweistelligen Umsatzsteigerungen in den Regionen EMEA und Asien sowie Australien. In den USA blieb der Zuwachs hinter den Erwartungen zurück. Hier könnten sich zudem weiterhin Währungseinflüsse negativ bemerkbar machen.
  • Hohe Bewertung in der Krise: Die Aktie von Siemens Healthineers hat sich seit dem Börsengang im Jahr März 2018 (Ausgabepreis 28 Euro) gut entwickelt. Das Gewinnwachstum konnte damit nicht Schritt halten. Entsprechend hoch ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 26 für das Geschäftsjahr 2021 inzwischen bewertet. Auch die Dividendenrendite beträgt nur rund 1,9 %.
  • Experten uneins: Siemens Healthineers ist bei den Analysten nicht unumstritten. Sieben von 14 Experten sehen die Aktie momentan nur als Halteposition. Sechs empfehlen „Kaufen“, nur einer setzt das Papier aktuell auf „Verkaufen“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei unterdurchschnittlichen 36 %.

Über Siemens Healthineers

Die Siemens Healthineers AG gibt es erst seit dem Jahr 2017. Damals gab der Mutterkonzern Siemens AG bekannt, seine Medizintechniksparte an die Börse bringen zu wollen. Die historischen Wurzeln von Siemens Healthineers allerdings liegen sehr weit zurück. Denn schon im Jahr 1847 gründeten Werner von Siemens und Johann Georg Halske in Berlin die Firma Siemens & Halske. Wenig später begannen sie mit dem Bau elektromedizinischer Geräte. 1877 startete Ernst Moritz Reiniger in Erlangen ein Unternehmen, das später zur Reiniger, Gebbert & Schall AG (RGS) umgewandelt wurde. Ein Jahr nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen begann RGS 1896 mit der Produktion von Röntgenröhren. 70 Jahre später ging die Siemens AG aus der Fusion der Aktiengesellschaften Siemens & Halske, Siemens-Schuckertwerke und Siemens-Reiniger-Werke hervor.

Der Bereich Medizintechnik firmierte zunächst unter dem Namen Siemens AG, Wernerwerk für medizinische Technik und wurde bis zum Namen Siemens Healthineers noch mehrmals umbenannt. Heute konzentriert sich das Unternehmen auf drei Kernbereiche. Das umsatzstärkste Geschäftssegment sind die bildgebenden Verfahren für Diagnostik und Therapie. Dazu gehören Computer- und Magnetresonanztomografen, Mammografie- und Angiografiesysteme. Die Labordiagnostik konzentriert sich vor allem auf Blut- und Urintests sowie zuletzt auch auf molekular-diagnostische Tests zur Erkennung des Corona-Virus. Digitale Gesundheitsservices und Technologien für das Krankenhausmanagement runden das Portfolio ab. Das Geschäft mit Hörgeräten wurde dagegen 2015 abgegeben.

Mit rund 54.000 Mitarbeitern in 75 Ländern und einem Jahresumsatz von rund 14,5 Milliarden Euro gehört Siemens Healthineers zu den Top Ten der weltweiten Medizintechnikhersteller. Im März 2018 brachte die Siemens AG ihre Tochter an die Börse. Im gleichen Jahr wurde die Aktie in den TecDAX und in den MDAX aufgenommen. Siemens hält eine Mehrheit von 85 % der Aktien an Siemens Healthineers. Dennoch könnte die Tochter im Herbst 2021 in den DAX aufsteigen, wenn dieser von 30 auf 40 Mitglieder erweitert wird. Experten räumen dem Medizintechnikunternehmen gute Chancen ein.

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