Siemens Energy Flaute bei der Windkraft

Siemens-Logo auf Fensterscheibe
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Die abgespaltene Energiesparte von Siemens macht ordentlich Geschäft – nur die Windkrafttechnologie schwächelt.

Siemens Energy hat sich nach der Abspaltung von der Siemens AG schnell im DAX etabliert. Nach der Pandemie-Delle stieg der Umsatz im 3. Quartal des gebrochenen Geschäftsjahres (zum 30. Juni 2021) deutlich an. Die Sparte Gas & Power freut sich über anziehende Auftragseingänge. Die Analysten sind mehrheitlich von der Aktie überzeugt. Allerdings brachen in der Windenergiesparte Siemens Gamesa Renewable Energy (SRGE) die Auftragseingänge ein. Weiterhin ist mit Projektverzögerungen durch die Pandemie zu rechnen. Die Unternehmensbewertung ist überdurchschnittlich hoch und für das laufende Geschäftsjahr ist unter dem Strich ein Verlust in Sicht.

Pro Siemens Energy (WKN ENER6Y)

  • Erfolgreiche Abspaltung: Siemens Energy wurde 2020 von Siemens abgespalten und gehört zu den Big Playern bei Energieübertragung und Stromerzeugung. Zu den wichtigsten Produkten zählen Gas- und Dampfturbinen, Transformatoren und Kraftwerkstechnologien (Gas & Power). Als Mehrheitseigner von Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE) ist Siemens Energy führend in der Windkrafttechnologie.
  • Deutlicher Umsatzanstieg: Nach der Pandemie-Delle kommt Siemens Energy wieder in Schwung. Der Umsatz stieg im 3. Quartal des gebrochenen Geschäftsjahres (zum 30. Juni) deutlich um 8,8 % auf 7,26 Milliarden Euro. Ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte betrug das Umsatzwachstum sogar 11,2 %. Dazu trug auch das deutlich gewachsene Servicegeschäft bei.
  • Gute Perspektiven bei Gas & Power: Der Auftragseingang im Segment GP erhöhte sich im Vorjahresvergleich deutlich um 9 % auf rund 4,5 Milliarden Euro. Der Anstieg resultierte vor allem aus den Regionen Europa, Afrika, Naher und Mittlerer Osten. In Deutschland hat sich der Auftragseingang dank zweier Großaufträge sogar mehr als verdoppelt.
  • Optimistische Experten: Bei den Experten ist die Aktie von Siemens Energy bestens angesehen. Von 14 Analysten im comdirect Analystenranking lauten zurzeit zehn auf „Kaufen“. Vier Experten setzen auf „Halten“, kein einziger auf „Verkaufen“. Der comdirect Analystenscore liegt bei hervorragenden 71 % und damit in der Spitzengruppe des DAX.

Contra Siemens Energy (WKN ENER6Y)

  • Sorgenkind Siemens Gamesa: Trotz starken Umsatzanstiegs litt das Spartenergebnis von Siemens Gamesa Renewable Energy (SRGE) unter Rückstellungen und gestiegenen Rohmaterialpreisen. Die traditionell volatilen Auftragseingänge gingen im 3. Quartal extrem zurück. Gegenüber dem sehr starken Vorjahreszeitraum brachen die Bestellungen um mehr als 70 % auf 1,5 Milliarden Euro ein.
  • Geringe Dividendenrendite: Die Aktie von Siemens Energy hat sich seit dem Börsengang im September 2020 passabel entwickelt. Zuletzt ging der Kurs jedoch tendenziell zurück. Wegen voraussichtlicher Verluste im zu Ende gehenden Geschäftsjahr kann aktuell kein Kurs-Gewinn-Verhältnis ausgewiesen werden. Auch die voraussichtliche Dividendenrendite ist minimal.
  • Corona verzögert Fertigstellungen: Kraftwerkstechnologie und insbesondere Windenergieanlagen sind Geschäfte mit langen Vorlaufzeiten. Die Pandemie hat die Planungen teilweise erheblich verzögert. Im 3. Quartal wirkten sich auch teurere Rohstoffe und die Abschwächung des indischen Markts negativ aus. Auch für die nächsten Monate sind Beeinträchtigungen zu erwarten.
  • Verlust in Sicht: Nach Einschätzung des Vorstandes soll der Umsatz im Geschäftsjahr 2021 (zum 30. September) zwar um 3 % bis 8 % steigen. Wegen der schwachen Geschäftsentwicklung bei SGRE wird allerdings nur noch eine EBITA-Marge vor Sondereffekten von 2 % bis 3 % erwartet (bisher 3 % bis 5 %). Unter dem Strich dürfte das Ergebnis im Minusbereich liegen.

Über Siemens Energy

Die Siemens Energy AG ist ein junger Konzern. Er spaltete sich im September 2020 als eigenständiges Unternehmen von der Siemens AG ab. Der Urahn der Gesellschaft ist jedoch sehr viel älter. Schon im Jahr 1847 gründeten Werner von Siemens und Johann Georg Halske in Berlin die Firma Siemens und Halske. Die Energiesparte war seitdem ständig ein wesentlicher Bestandteil des Siemens-Konzerns. 1903 wurden die Siemens-Sckuckertwerke gegründet, 1969 der Geschäftsbereich Energietechnik in der damals neu gegründeten Siemens AG. 2008 wurden die Aktivitäten im Energy-Sektor zusammengefasst.

Siemens Energy ist in der gesamten Energie-Wertschöpfungskette aktiv. Zur Produktpalette des Konzerns zählen Energieübertragung und -verteilung, Generatoren- und Kraftwerkstechnik, Niederspannungsschalttechnik und Komponenten zur Energieverteilung, Kompressoren sowie Dampf- und Gasturbinen. Auch im Sektor der alternativen Energien mischte Siemens bereits früh mit. Im Jahr 2017 brachte das Unternehmen seine damalige Windenergiesparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der spanischen Gamesa ein. Siemens Gamesa Renewable Energy (SRGE) gehört zu den größten Produzenten von Onshore- und Offshore-Windenergieanlagen weltweit. Siemens hält eine Mehrheitsbeteiligung.

Mit rund 90.000 Mitarbeitern erwirtschaftete Siemens Energy zuletzt einen Jahresumsatz von rund 27 Milliarden Euro. Im September 2020 brachte die Siemens AG ihre Tochter an die Börse. Schon im Dezember 2020 stieg sie in den MDAX auf. Drei Monate später, am 22. März 2021, gelang der Aufstieg in den DAX. Die Marktkapitalisierung von Siemens Energy liegt bei rund 17 Milliarden Euro. Siemens hält zurzeit noch 40 % der Aktien.

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