Siemens Konzentration auf Zukunftsgeschäfte

Siemens-Logo auf Fensterscheibe
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Siemens bringt nach der Medizinsparte in diesem Jahr die Energiesparte an die Börse. Analysten und Anlegern gefällt das.

Siemens verschlankt sich weiter und will sich künftig noch stärker auf das Geschäft mit Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility konzentrieren. Deshalb soll in diesem Jahr das ausgegliederte Kraftwerksgeschäft als Siemens Energy an die Börse gebracht werden. Der Gesamtkonzern profiliert sich weiterhin als stabiler Dividendenzahler und ist bei den Analysten bestens angesehen. Allerdings fielen die Geschäftszahlen zuletzt schwach aus. Die Energiesparte ist sogar in die Verlustzone gerutscht. Die Unternehmensbewertung ist hoch, zumal die Prognose für das Gesamtjahr aufgrund der Belastungen durch die Covid-19-Krise gestrichen wurde.

Pro Siemens (WKN 723610)

  • Konzentration aufs Kerngeschäft: Siemens will noch in diesem Jahr die Kraftwerkssparte an die Börse bringen und den Mehrheitsanteil abgeben. Bei den Investoren stößt der radikale Schritt auf Zustimmung. Die Abspaltung ermöglicht den Fokus auf die zukunftsträchtigen Geschäftsfelder Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility.
  • Siemens Healthineers: An der seit 2018 börsennotierten Medizintechniksparte Siemens Healthineers hält der Mutterkonzern noch eine Aktienmehrheit von 85 %. Zwar gingen Umsatz und Gewinn der ausgegliederten Tochter im 3. Quartal des gebrochenen Geschäftsjahres 2019/2020 zurück. Im Gesamtjahr will Siemens Healthineer aber zumindest die guten Vorjahreszahlen erreichen.
  • Hohe Ausschüttungen: Siemens gehört zu den zuverlässigsten Dividendenzahlern im DAX. Nach der Hauptversammlung im Februar schüttete der Konzern für das Geschäftsjahr 2019 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) 3,90 Euro pro Aktie aus, 10 Cent mehr als im Jahr zuvor. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei 3,3 %.
  • Zuversichtliche Experten: Siemens gehört bei den Analysten weiterhin zu den absoluten Favoriten im DAX. 13 von 18 Experten empfehlen aktuell die Aktie als „Kauf“, fünf setzen auf „halten“, kein einziger rät zum „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore notiert bei 72 % und damit in der Spitzengruppe des DAX.

Contra Siemens (WKN 723610)

  • Schwache Auftragseingänge: Die Corona-Pandemie beeinträchtigte im dritten Geschäftsquartal (zum 30. Juni) Umsatz und Auftragseingänge deutlich. Der Umsatz nahm im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5 % auf 13,5 Milliarden Euro ab. Das Neugeschäft, der Umsatz von morgen, ging sogar um 7 % auf 14,4 Milliarden Euro zurück. Dabei sanken die Auftragseingänge in allen Segmenten mit Ausnahme des Zuggeschäfts.
  • Sinkendes Nettoergebnis: Das bereinigte operative Ergebnis der Industriegeschäfte (EBITA) stieg zwar im 3. Quartal vor allem dank Einsparungen überraschend um 8 % auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Netto ging der Gewinn jedoch deutlich um 46 % auf 539 Millionen Euro zurück. Höhere Steuern und die schlechten Zahlen bei der zur Abspaltung vorgesehenen Siemens Energy sorgten für den Einbruch.
  • Hohe Bewertung in der Krise: Trotz der schweren globalen Rezession ist Siemens aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21 für das Geschäftsjahr 2020 bewertet. Damit liegt das Unternehmen über dem DAX-Durchschnitt. Als Ausrüster ist der Konzern zudem vor allem von Großaufträgen abhängig. Einigen potenziellen Auftraggebern fehlt es zurzeit an Kapital.
  • Covid-19-Aussichten unsicher: Siemens sieht für das 3. Quartal einen noch höheren Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf die Geschäftsentwicklung. Deshalb hat der Konzern die ursprüngliche Jahresprognose revidiert. Statt eines Umsatz- und Gewinnwachstums erwartet Siemens für das Geschäftsjahr 2020 (zum 30.9.2020) einen leichten Rückgang, insbesondere in den Bereichen Digital Industries und Smart Infrastructure.

Über Siemens

Siemens ist einer der traditionsreichsten deutschen Konzerne. Er wurde 1847 als Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet und ging bereits 1899 an die Börse. Als weltweit führendes Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik bedient der Konzern mit seinen Produkten und Dienstleistungen Kunden aus der Industrie-, Energie- und Gesundheitsbranche. Siemens hat weltweit rund 385.000 Mitarbeiter und ist in mehr als 190 Ländern vertreten. Seit 2013 wird Siemens von CEO Joe Kaeser geleitet, er wird das Amt 2021 an seinen bisherigen Stellvertreter Jochen Busch übergeben.

Siemens hat sich in seiner langen Unternehmensgeschichte mehrfach neu erfunden. Unter Joe Kaeser wurde zuletzt die Konzentration auf das neue Kerngeschäft mit den Schwerpunkten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung vorangetrieben. So gab die Siemens AG 2015 ihre 50-%-Beteiligung an der Bosch Siemens Hausgeräte an den Mitbesitzer ab. Vor zwei Jahren konnte die Medizintechnik als Siemens Healthineers AG erfolgreich an die Börse gebracht werden, Siemens blieb weiterhin Mehrheitsaktionär. 2020 schließlich wurde die Energiesparte ausgegliedert und soll noch in diesem Herbst an der Börse starten.

Ungeachtet der zahlreichen unternehmerischen Veränderungen gehört Siemens zu den wichtigsten Blue Chips der deutschen Börse. Siemens-Aktien sind im DAX, im DivDAX, im EuroSTOXX 50 und im STOXX 50 vertreten. Seit vielen Jahren gehört Siemens zu den deutschen Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung. Mitte 2020 hatte das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von rund 100 Milliarden Euro und rangiert damit unter den Top-Drei im DAX.

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