Shell Dividenden steigen wieder

Royal Dutch Shell: Zapfsäulen an Tankstelle
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Trotz enttäuschender Umsatz- und Gewinnentwicklung bleiben die Analysten für den Energiekonzern optimistisch.

Der Energieriese Shell ist eines der größten Öl- und Gasunternehmen der Welt. Die Aktie ist günstig bewertet und die Dividendenrendite fällt wieder höher aus. Der Schuldenabbau ging zuletzt zügig voran. Bei den Analysten ist die Aktie beliebt. Allerdings konnte der Konzern trotz gestiegener Preise den Umsatz im dritten Quartal nur stabil halten. Der bereinigte Gewinn ging sogar zurück. Die Börsenbe­deutung des einstmals teuersten europäischen Unternehmens hat abgenommen. Die von Shell versprochene Reduzierung der CO2-Emissionen wird für den Konzern teuer werden.

Pro Shell (WKN A3C99G)

  • Breit aufgestellt: Zum Februar wurde Royal Dutch Shell in Shell umbenannt. Shell gehört zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Der Energieriese ist an Explorations- und Förderprojekten für Öl und Gas in rund 70 Ländern der Welt beteiligt und zunehmend auch im Sektor der erneuerbaren Energien aktiv. Gleichzeitig ist das Unternehmen einer der größten Händler von Kraft- und Schmierstoffen sowie Produkten der Petrochemie wie Kunststoffen und Weichmachern.
  • Günstige Bewertung: Die Bewertungen von Ölunternehmen sind attraktiv. Aktuell liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Shell-Aktie für das Jahr 2022 bei rund acht. Die Quartalsdividende wurde nach den Rückgängen im Vorjahr wieder auf 24 Cent angehoben. Die Dividendenrendite notiert bei überdurchschnittlichen 3,8 %.
  • Zügiger Schuldenabbau: Shell reduzierte im dritten Quartal 2021 die Netto-Unternehmensschulden deutlich. Sie sanken dank geringerer Investition seit Ausbruch der Pandemie und eines hohen Kapitalzuflusses im operativen Geschäft um acht Milliarden US-Dollar auf 58 Milliarden Dollar. Das ist der niedrigste Netto-Schuldenstand seit Anfang 2016.
  • Optimistische Experten: Der Energiekonzern kommt bei den Analysten zurzeit hervorragend an: Alle sieben Experten raten zurzeit zum Kauf. Es gibt keine Halte- oder Verkaufsempfehlungen. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei perfekten 100 und damit weit über dem Durchschnitt des STOXX 50.

Contra Shell (WKN A3C99G)

  • Umsatz nur stabil: Trotz deutlich höherer Verkaufspreise für Öl und Erdgas konnte Shell den Umsatz im dritten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorquartal mit knapp 62 Milliarden US-Dollar gerade einmal stabil halten. Der wichtigste Grund für die Stagnation: Die Förderung nahm im dritten Quartal vor allem aufgrund des Hurrikans Ida um 8 % ab.
  • Geringerer Gewinn: Höhere Kosten und die Auswirkungen des Hurrikans ließen den bereinigten operativen Gewinn im dritten Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um rund ein Viertel auf 4,1 Milliarden US-Dollar sinken. Netto rutschte das Unternehmen sogar mit 447 Millionen US-Dollar ins Minus, weil eine Abschreibung von 5,2 Milliarden Dollar auf die Bewertung von Terminkontrakten für Rohstoffe vorgenommen wurde.
  • Geschwundene Bedeutung: Shell war noch vor zehn Jahren das teuerste Unternehmen Europas. Heute ist der Konzern nicht einmal halb so viel wert wie der französische Luxuskonzern LVMH. Trotz zunehmender Investitionen in erneuerbare Energien gelten Konzerne wie Shell als Verlierer der Klimawende.
  • Zur Klimawende gezwungen: Im Mai hatte ein Gericht in Den Haag Shell zur CO2-Reduzierung angehalten. Jetzt trat das Unternehmen die Flucht nach vorn an: Die CO2-Emissionen sollen bis 2030 im Vergleich zu 2016 halbiert werden. Das ambitionierte Ziel ist gut für die Umwelt, wird aber erhebliche Kosten verursachen.

Über Shell

Die Kammmuschel im Logo von Shell verweist auf die Ursprünge des Unternehmens. 1833 gründete Marcus Samuel in London ein Geschäft, in dem er vor allem selbst importierte dekorative Muscheln verkaufte. Seine Söhne führten das Geschäft weiter und erweiterten es um Kerosin-Importe. 1890 beschlossen sie, Tankschiffe zum Öltransport zu bauen, und begannen auch mit der Ölförderung und Raffinierung unter dem Firmennamen The Shell Transport and Trading Company. 1907 fusionierte die 1890 gegründete Koninklijke Nederlandse Petroleum Maatschappij (Royal Dutch) mit Shell. Beide Unternehmen bündelten ihr Geschäft, blieben aber weiterhin als einzelne Holdings bestehen. Erst fast 100 Jahre später wurden sie zur Shell plc vereinigt. Das Unternehmen ist eine Aktiengesellschaft nach englischem Recht, der Hauptsitz liegt aber noch im niederländischen Den Haag. Im Dezember 2021 beschloss der Konzern jedoch, dass in diesem Jahr der Sitz nach England verlegt und der Name in Shell geändert wird.

Dieser Wechsel wurde inzwischen umgesetzt. Shell ist an Explorations- und Förderprojekten von Mineralöl und Erdgas in rund 70 Ländern beteiligt. Die Förderoperationen werden zumeist über Joint Ventures mit internationalen und nationalen Öl- und Gasunternehmen ausgeführt. Das Gasgeschäft wurde 2016 durch die Übernahme der britischen BG Group entscheidend gestärkt. Im Segment Chemie produziert Shell Chemikalien und Petrochemikalien für Industriekunden, aber auch flüssige Wasserstoffe und Biotreibstoffe.

Zunehmend hat sich der Energieriese mit seinen rund 86.000 Mitarbeitern in den vergangenen Jahren auch im Sektor der erneuerbaren Energien engagiert. Dazu gehören Fotovoltaik, Windparks und Kraftstoffe aus Biomasse, die aber die Dominanz von Öl, Gas und Chemie noch nicht brechen konnten. Daher rangiert Shell an der Börse eher unter den Verlierern der Klimawende. Vor zehn Jahren war der Konzern nach Marktkapitalisierung das teuerste Unternehmen Europas und rangierte unter den Top Ten der Welt. Seitdem hat sich der Kurs eher rückläufig entwickelt, während Konsumwerte und vor allem Technologieaktien deutlich zulegten und Shell auf die hinteren Ränge in den Top 100 verdrängten.

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