SAP Mit der Cloud durch die Corona-Krise

SAP Zentrale in Walldorf
© Philiphotographer via Getty Images/iStockphoto

SAP steigert trotz weltweiten Konjunktureinbruchs überraschend Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal 2020.

SAP ist das mit Abstand am höchsten bewertete Unternehmen in Deutschland. Trotz Corona-Virus konnte das Unternehmen im zweiten Quartal dieses Jahres die Vorjahresergebnisse übertreffen. Dazu trug vor allem das boomende Cloud-Geschäft bei. Bei den Analysten gehört SAP traditionell zu den DAX-Favoriten. Allerdings konnte das Lizenzgeschäft im zweiten Quartal nicht mithalten und verzeichnete deutliche Umsatzrückgänge. Die Aktie ist im DAX-Vergleich hoch bewertet und die Dividendenrendite liegt unter dem DAX-Durchschnitt. Die positiven Schlagzeilen nach der Ernennung von Jennifer Morgan zur ersten Chefin eines DAX-Unternehmens kehrten sich nach ihrer schnellen Abberufung im Frühjahr um.

Pro SAP (WKN 716460)

  • Breite Unternehmensaufstellung: SAP gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Unternehmenssoftware. Seit geraumer Zeit ist SAP das DAX-Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung. Das traditionelle Standbein der Firma ist das Geschäft mit Software, Lizenzen und Service. Zunehmend wichtiger aber wird der Sektor mit Mietsoftware aus dem Internet (Cloud).
  • Überraschend gute Quartalszahlen: SAP hält sich in der Corona-Virus-Krise hervorragend. Der Umsatz zog im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2 % auf 6,74 Milliarden Euro an. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte sogar um 8 % auf 1,96 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt gerade einmal einen stagnierenden Umsatz und Gewinn erwartet.
  • Zukunft in der Cloud: Treiber war im Frühjahr bei den Erlösen einmal mehr das Geschäft mit der Cloudsoftware. Die Umsätze der Sparte legten um ein Fünftel auf über zwei Milliarden Euro zu. Vor der Corona-Virus-Krise verzeichnete SAP zwar hier noch höhere Zuwächse. Aber mit der konjunkturellen Trendwende dürfte der alte Wachstumstrend schnell wiedergefunden werden.
  • Positiv gestimmte Experten: Die Analysten sehen SAP mit 18 Kaufempfehlungen bei insgesamt 22 Urteilen weiterhin sehr positiv. Nur drei plädieren aktuell für „Halten“, ein einziger Experte spricht sich zurzeit für einen Verkauf aus. Der comdirect Analystenscore liegt mit 77 % in der absoluten Spitzengruppe des DAX.

Contra SAP (WKN 716460)

  • Schwächere Entwicklung in Asien: Bei den konjunktursensiblen Verkäufen von Software-Lizenzen musste SAP im zweiten Quartal einen Einbruch um 18 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum bilanzieren. Schon im ersten Quartal waren die lukrativen Einmalverkäufe wegen der Corona-Pandemie eingebrochen.
  • Hoch bewertet: Der Aktienkurs des Walldorfer Software-Konzerns entwickelte sich in den vergangenen Jahren im Durchschnitt stärker als der Gewinn. SAP ist mit einer Marktkapitalisierung von 166 Milliarden Euro das teuerste Unternehmen im DAX. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 von rund 27 ist SAP aber auch höher bewertet als die meisten Konkurrenten.
  • Magere Dividende: SAP hat in den vergangenen Jahren die Ausschüttungen zwar Zug um Zug gesteigert. Aber mit der Performance der Aktie konnte die Dividendenentwicklung bei Weitem nicht mithalten. Die Dividendenrendite beträgt rund 1,2 %. SAP liegt damit in der unteren Hälfte der DAX-Werte.
  • Neue Vorstandschefin schon wieder weg: Im Oktober 2019 hatte die Cloud-Chefin Jennifer Morgan gemeinsam mit Produktvorstand Christian Klein den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott abgelöst. Aber nur für ein halbes Jahr stand Morgan als erste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns. Die positive Publicity kehrte sich um.

Über SAP

Knapp 50 Jahre braucht SAP für den Aufstieg von einem Start-up von fünf IBM-Mitarbeitern bis zum wertvollsten Unternehmen Deutschlands: Gegründet wurde das Unternehmen mit dem programmatischen Namen SAP, der für „Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung“ steht, 1971 in Walldorf in Baden-Württemberg. Zu den fünf Gründern und heute noch einzigen Aktionären mit Anteilen über 5 % gehören die vielfältig tätigen Mäzene Hasso Plattner und Dietmar Hopp. Hopp wurde unter anderem durch sein Engagement beim heutigen Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim deutschlandweit bekannt.

SAP bietet seit Jahrzehnten Software zur Abwicklung von sämtlichen Geschäftsprozessen eines Unternehmens. Dazu gehören Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Lagerhaltung und Personalwesen. Dabei gibt es unterschiedliche Versionen für Großunternehmen oder kleinere Mittelständler. SAP verdient an den Lizenzen, aber auch an der Betreuung der Unternehmen. Inzwischen verlagert das Unternehmen zunehmend Geschäftsprozesse in die Cloud und bietet entsprechende eigene Datenbanklösungen an. 

SAP entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte stetig auch mit Zukäufen. 1988 wurde die Gesellschaftsstruktur in eine AG gewandelt und der Börsengang vollzogen. Schon 1995 stieg das Unternehmen in den DAX 30 auf. Die Krise der New Economy konnte den Lauf von SAP nur kurzzeitig stoppen, da das Unternehmen damals schon solide Gewinne einfuhr. Im vergangenen Jahrzehnt stürmte SAP unter die Top-Werte des DAX und stand im August 2020 mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 160 Milliarden Euro unangefochten an der Spitze des Auswahlindex.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 16.09.2020; Quelle: comdirect.de