Sanofi Enttäuschung beim Impfstoff

Der Hauptsitz von Sanofi wurde aus einem schrägen Winkel fotografiert.
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Sanofi hat noch kein Corona-Vakzin in den Handel bringen können. Dafür boomt ein Medikament gegen Neurodermitis.

Der Pariser Konzern ist breit aufgestellt. Insbesondere beim erfolgreichen Neurodermitis-Medikament Dupixent bestehen große Wachstumschancen. Sanofi gehört zu den attraktivsten Dividendenzahlern im französischen CAC-40 und ist nicht hoch bewertet. Bei den Analysten ist die Aktie zumeist eine Kaufposition. Allerdings enttäuschte Sanofi bei der Impfstoff-Entwicklung zur Pandemie-Bekämpfung. Im ersten Quartal ging der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr zurück. Dazu trugen auch die ungünstigen Währungsrelationen bei. Angesichts einer längeren Kursstagnation fehlt Anlegern das Vertrauen in einen kräftigen Aufschwung.

Pro Sanofi (WKN 920657)

  • Breit aufgestellt: Die französische Sanofi S.A. ist so breit aufgestellt wie kaum ein anderer Pharmakonzern: Medikamente für Diabetes/Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-, Thrombose- und Krebserkrankungen sowie Impfstoffe sind im Portfolio. Sanofi ist heute mit Tochtergesellschaften, Kooperationen und Joint Ventures vor allem in der westlichen Welt präsent.
  • Starkes Wachstum mit Dupixent: Die Erlöse mit dem Neurodermitis-Mittel Dupixent zogen im ersten Quartal um fast die Hälfte auf über eine Milliarde Euro an. Sanofi möchte künftig mit dem Kassenschlager sogar bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr umsetzen. Schub für Dupixent könnte China geben. Dort wurde das Mittel gerade auf die staatliche Liste erstattungsfähiger Medikamente aufgenommen.
  • Attraktive Dividende: Wie viele internationale Pharmaunternehmen gefällt Sanofi mit überdurchschnittlichen Ausschüttungen. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 3,8 %. Die Bewertung liegt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 für das Jahr 2021 unterhalb der Bewertung ähnlich breit aufgestellter Pharmakonzerne.
  • Analysten verhalten optimistisch: Sanofi wird von den Experten trotz der Enttäuschung bei der Impfstoffentwicklung noch immer geschätzt. Eine Mehrheit (sechs von 11) sieht die Aktie zurzeit als Kauf. Vier setzen die Aktie auf „Halten“. Bei nur einer Verkaufsempfehlung liegt der comdirect Analystenscore bei überdurchschnittlichen 45 %.

Contra Sanofi (WKN 920657)

  • Enttäuschung bei Impfstoffen: Sanofi enttäuschte bei der Pandemie-Bekämpfung. Schon 2020 bestellte die EU bei Sanofi und Partner GlaxoSmithKline einen Vektorimpfstoff, der bis heute nicht geliefert werden konnte. Zuletzt hat Sanofi auch einen mRNA-Wirkstoff in die klinische Testphase gebracht. In der Wartezeit füllen die Franzosen den Wirkstoff von Biontech und Pfizer ab.
  • Sinkender Gewinn: Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis kletterte um 8 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das lag über den Analystenerwartungen. Unter dem Strich ging der Gewinn jedoch um 84 % auf rund ,2 Milliarden Euro zurück. Der Grund: Im Vorjahr hatte Sanofi von einem Sondereffekt im Zusammenhang mit dem Verkauf der Beteiligung an Regeneron profitiert.
  • Belastender Währungseinfluss: Im zweiten Quartal erlöste der Konzern rund 8,7 Milliarden Euro, im Vergleich zum von der Pandemie beeinträchtigten Vorjahresquartal war das ein Plus von 6,5 Prozent. Allerdings wirkte sich der starke Euro erneut negativ auf die Bilanz aus. Währungsbereinigt lag der Zuwachs nämlich annähernd doppelt so hoch bei über 12 %.
  • Lange Kursstagnation: Sanofi gehört seit Langem zu den wertvollsten Unternehmen Frankreichs. In den vergangenen acht Jahren aber war das Anlegerinteresse eher gering und der Kurs stagnierte weitgehend. In der Marktkapitalisierung sind die Konsum- und Luxusgüterkonzerne L’Oréal und LVMH deutlich an Sanofi vorbeigezogen.

Über Sanofi

Sanofi S.A. ist ein international agierender Pharmakonzern mit Sitz in Frankreich. Das Unternehmen ist noch jung. Es entstand 2004 aus dem Zusammenschluss von Sanofi-Synthélabo mit Aventis. Beide Vorgängerunternehmen waren 1999 ebenfalls aus Fusionen hervorgegangen: Sanofi-Synthélabo aus den beiden französischen Unternehmen Sanofi (Elf) und Synthélabo (L’Oréal), Aventis aus dem ehemals größten deutschen Pharmakonzern Hoechst und Rhône-Poulenc. Rund 10.000 Mitarbeiter von Sanofi arbeiten deshalb heute noch in Deutschland, der größte Teil am Standort Frankfurt am Main. 2011 übernahm Sanofi-Aventis das amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Genzyme. Im August 2020 gab Sanofi bekannt, dass der US-Konzern Principia Biopharma für 3,7 Milliarden Dollar übernommen werden soll.

Mit seinen vielfältigen Wurzeln und Zukäufen ist Sanofi auf zahlreichen Therapiegebieten aktiv: Dazu gehören Stoffwechselstörungen und Diabetes, Thrombose und Gelenkerkrankungen, Innere Medizin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und multiple Sklerose. In der Dermatologie verfügt der Konzern mit dem Neurodermitis-Medikament Dupixent über einen weltweiten Blockbuster. Auch im Impfgeschäft ist Sanofi seit vielen Jahren aktiv.

Allerdings sorgte der Sektor Impfungen zuletzt für negative Schlagzeilen. Obwohl von der EU-Kommission als einer der Haupt-Impfstofflieferanten vorgesehen, gelang es Sanofi bisher nicht, einen Impfstoff vorzustellen. Auch deshalb blieb der Konzernumsatz im Jahr 2020 mit rund 36 Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurück. Gleichwohl ist Sanofi mit einer Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden Euro und mit weltweit mehr als 100.000 Beschäftigten einer der weltweit führenden Pharmakonzerne und ein Kernbestandteil des französischen Auswahlindex CAC 40 sowie des Euro STOXX 50.

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