Samsung Speicherchips retten die Bilanz

Samsung
© Chung Sung-Jun/Getty Images

Der südkoreanische Mischkonzern leidet bei Smartphones und Fernsehgeräten unter der Corona-Krise.

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Samsung Electronics gehört zu den größten Mischkonzernen der Welt. Im ersten Quartal legten Umsatz und Gewinn trotz der beginnenden Corona-Krise deutlich zu. Als Treiber erwies sich weiterhin die Sparte Speicherchips, die von der Digitalisierung der Arbeit profitiert. Die Samsung-Aktie ist im Vergleich zur amerikanischen Technologiekonkurrenz günstig bewertet. Allerdings steht Samsung vor einem äußerst schwierigen 2. Quartal 2020 und wird die ursprünglichen Jahresprognosen kaum erfüllen können. Insbesondere in den Sparten Smartphones und Fernsehgeräte dürfte es drastische Umsatz- und Gewinnrückgänge geben. Zudem steht der Junior-Firmenchef aus der Gründerfamilie zum wiederholten Male wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht.

Pro Samsung (WKN 896360)

  • Breit aufgestellt: Die Samsung Group ist einer der größten Mischkonzerne der Welt. Zum wichtigsten Teilbereich Samsung Electronics gehören die „Weiße Ware“ (zum Beispiel Waschmaschinen und Kühlschränke), Klima- und Kühlgeräte, Unterhaltungselektronik, Smartphones und Tablets sowie die Halbleiter- und Speicherchips. Weil Südkorea den Covid-Virus effizient eindämmte, blieben die Produktionsausfälle im Heimatland bisher moderat.
  • Gelungener Jahresstart: Trotz der beginnenden Corona-Krise und der daraus resultierenden Nachfrageschwäche aus China bei Displays und Produkten aus dem Sektor Consumer Electronics konnte Samsung Electronics im 1. Quartal 2020 noch positiv überraschen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp 6 % auf rund 55 Billionen Won (rund 40 Milliarden Euro). Auch der Gewinn lag mit umgerechnet 4,7 Milliarden Euro um gut 3 % über dem Vorjahreswert.
  • Starke Speicher: Als Wachstumstreiber erweisen sich weiterhin Speicherchips. Trotz der traditionellen Schwäche zu Jahresanfang und der beginnenden Auswirkungen von COVID-19 lief das Halbleitergeschäft im ersten Quartal gut. Der Umsatz lag mit umgerechnet 12,8 Milliarden Euro um 22 % über dem Vorjahresquartal. Grund dafür sind die anhaltenden Investitionen der Kunden in die 5G-Infrastruktur und die erhöhte Nachfrage nach Cloud-Anwendungen.
  • Günstige Bewertung: Die Aktie von Samsung Electronics ist vor allem im Vergleich zu amerikanischen Technologiekonzernen relativ günstig bewertet. Auf der Grundlage der aktuellen Ergebnisprognosen für das Jahr 2020 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp 15. Die Dividendenrendite notiert bei 2,6 %. Alle Prognosen sind aktuell aber noch mit Unsicherheiten behaftet.

Contra Samsung (WKN 896360)

  • Magere Aussichten 2020: Trotz des starken Jahresstarts sind die Aussichten für das Gesamtjahr 2020 getrübt. Im 2. Quartal könnte der operative Gewinn (EBIT) nach Schätzungen um zwei Drittel unter dem Vorjahreswert liegen. Insbesondere bei Kühl- und Klimageräten sowie Smartphones rechnet das Unternehmen mit einer kräftigen Nachfragelücke. Eine zweite Pandemiewelle würde das Problem verstärken.
  • Probleme bei den Smartphones: Im 1. Quartal konnte Samsung in der Smartphone-Sparte den Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr noch auf 4 % begrenzen. Doch für das 2. Quartal rechnet das Unternehmen mit einem deutlich größeren Minus. Denn die schon seit Längerem anhaltende Schwäche im Neugeschäft wurde durch die weltweiten Geschäftsschließungen im April verschärft.
  • Einbruch bei Fernsehern in Sicht: In der TV- und Display-Sparte brach die Nachfrage wie im mobilen Bereich ab März zunehmend ein. Die Absage von Großveranstaltungen wie Olympia und Fußball-EM dürfte sich doppelt auswirken: Zum einen werden ohnehin weniger neue Fernseher geordert, zum zweiten fehlt die Werbeplattform der Großveranstaltungen.
  • Anhaltende Imageprobleme: Lee Jae-yong musste sich öffentlich entschuldigen. Der Konzernerbe und Vizepräsident von Samsung Electronics steht wieder wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Schon vor zwei Jahren war er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil Samsung Geld an eine Freundin der ehemaligen südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye zahlte und dafür politische Vergünstigungen erhielt.

Über Samsung

Samsung ist neben Hyundai das weltweit bekannteste und gleichzeitig das mit Abstand größte südkoreanische Unternehmen. Der Mischkonzern beschäftigt weltweit über 300.000 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2019 einen Umsatz von umgerechnet 170 Milliarden Euro. Damit trug Samsung rund ein Sechstel zum Bruttoinlandsprodukt Südkoreas bei.

Das Unternehmen Samsung („Drei Sterne“) wurde im Jahr 1938 von Lee Byung-chull als Lebensmittelhandelsgeschäft gegründet. Noch heute wird es von der Familie Lee geleitet. Die wichtigste Sparte der Gruppe ist Samsung Electronics. Dieser Sektor besteht aus drei Bereichen: In „Consumer Electronics“ sind elektronische Geräte wie Fernseher, Haushalts- und Klimageräte zusammengefasst. „IT- and Mobile Communication“ enthält das Smartphone-, Tablet- und Laptopgeschäft. „Device Solutions“ steht für das wachsende Halbleiter- und Speichergeschäft sowie Displays.

Obwohl sich Samsung im Zuge der Entflechtung der koreanischen Wirtschaft aus einigen Geschäftsbereichen zurückgezogen hat, ist der Konzern insbesondere in Asien noch im Bau, Handel und Versicherungs- und Finanzierungsgeschäft tätig. Daneben unterhält Samsung auch Hotels und betreibt eine der weltweit größten Werften. In Europa war der Konzern früher in Katalonien und Großbritannien vertreten. Inzwischen ist die europäische Produktion mit LCD-Bildschirmen, DVD-Geräten und einem Logistikzentrum in der Slowakei konzentriert.

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