RWE Erneuerbare Energien im Fokus

Zwei Windräder stehen in einer grünen Waldlandschaft.
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Trotz schwachen ersten Quartals steht der Energieversorger mit neuer Nachhaltigkeit bei den Analysten hoch im Kurs.

RWE setzt zunehmend auf Strom aus regenerativen Quellen. Die Nettoschulden konnten zuletzt deutlich reduziert werden und bei den Analysten ist die unternehmerische Kehrtwende hervorragend angekommen. Trotz schwierigem Jahresstart hat RWE die Prognosen für das Gesamtjahr 2021 bestätigt und eine höhere Dividende angekündigt. Allerdings wurden die Ergebnisse des ersten Quartals durch Wettereffekte beeinträchtigt. Wegen des für viele Beobachter sehr späten Ausstiegs aus der Kohlekraft im Jahr 2038 steht das Unternehmen weiter politisch unter Druck. Die Aktie ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren wieder ambitionierter bewertet und könnte nach der zuletzt sehr starken Kursentwicklung bei einer Marktkorrektur überproportional leiden.

Pro (WKN 703712)

  • Neuer Fokus auf Erneuerbare: RWE zählt zu den größten Energieversorgern Deutschlands und ist auf Stromerzeugung und Energiehandel spezialisiert. Mit der Fusion der E.ON-Sparte Erneuerbare Energien und der RWE-Tochter Innogy wurde RWE 2019 zu einem der international führenden Stromerzeuger aus regenerativen Quellen. Image und Unternehmensaussichten haben sich verbessert.
  • Niedrigere Schulden: Die Finanzlage von RWE hat sich im ersten Quartal 2021 weiter verbessert. Dazu trugen vor allem stark höhere Einnahmen aus dem operativen Geschäft bei. Trotz massiver Investitionen in erneuerbare Energien gingen die Nettoschulden zuletzt auf 2,8 Milliarden Euro zurück. Die Eigenkapitalquote stieg gegenüber dem Jahresende 2020 um 2,4 Prozentpunkte auf 31,1 %.
  • Analystenvertrauen: RWE ist nach langer Talsohle inzwischen bei den Experten angesehen wie fast noch nie. 13 von 17 Analysten stufen die RWE-Aktie zurzeit als „Kauf“ ein. Vier sehen ihn ihr eine Halteposition. Kein einziger setzt das Papier aktuell auf „Verkauf“. Damit liegt der Analystenscore bei 76 % und gehört zu den Top-Werten im DAX.
  • Ergebnisprognose und Dividendenausblick bestätigt: Trotz des schweren ersten Quartals hält RWE an seinen Jahreszielen fest. Im Geschäftsjahr 2021 soll der Konzern ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,65 und 3,05 Milliarden Euro und ein bereinigtes Nettoergebnis von 0,75 bis 1,1 Milliarden Euro erreichen. Die Dividende soll um fünf Cent auf 0,90 Euro je Aktie steigen.

Contra (WKN 703712)

  • Wettereffekte belasten Gewinn: Unwetter bremsten RWE-Kraftwerke in Texas aus und verursachten im ersten Quartal 400 Millionen Euro an außerordentlichen Belastungen. Zudem wehte in Nord- und Mitteleuropa deutlich weniger Wind als im Vorjahr. So sank das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um ein Drittel auf 883 Millionen Euro. Das bereinigte Nettoergebnis halbierte sich sogar auf 340 Millionen Euro.
  • Auslaufmodell Kohlekraft: Bis 2038 sollen die letzten Braunkohlekraftwerke von RWE abgeschaltet werden. Das reicht selbst institutionellen Anlegern nicht. Bei der Hauptversammlung drangen sie auf eine Beschleunigung des Ausstiegstempos. Das könnte sich auf die Ertragssituation des Braunkohlegiganten negativ auswirken.
  • Hohe Bewertung: Die RWE-Aktie ist nach dem Kursaufschwung deutlich höher bewertet als in der Vergangenheit. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 liegt bei rund 20. Die einstmals so üppigen Ausschüttungen sind dagegen geschrumpft. Mit einer Dividendenrendite von 2,9 % liegt RWE im Mittelfeld des DAX.
  • Rückschlaggefahr: Nach schwachen Jahren gehörten Energieversorger zuletzt zu den Gewinnern an der Börse. RWE profitiert zudem von der Ausrichtung auf alternative Energien und dem Boom des Sektors. Wenn die Börsen nach dem langen Aufwärtstrend in den Korrekturmodus umschalten, könnte es die jüngsten Highflyer überproportional stark erwischen.

Über RWE

1898 wurde die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG (RWE) als Stadtwerk in Essen gegründet. Unter dem Industriellen Hugo Stinnes expandierte RWE rasch in die Region. Stinnes verstromte seine eigene Steinkohle. Die Kommunen waren gleichzeitig Abnehmer und Finanzierer des Konzerns. Ab 1914 nutzte RWE auch Braunkohle zur Stromproduktion. Im Ersten Weltkrieg und in den 1920er-Jahren expandierte RWE weiter. Im sogenannten Elektrofriedenwurden die Versorgungsgebiete von RWE und anderen deutschen großen Energieproduzenten festgelegt und 1935 im Energiewirtschaftsgesetz bestätigt.

Als dominierende Strommacht im Westen wurde RWE nach der Teilung Deutschlands das größte Energieversorgungsunternehmen der BRD. 1974 stieg der Konzern mit dem AKW Biblis A in die Nutzung der Kernenergie ein. 1990 kaufte RWE einen Teil der ostdeutschen Stromwirtschaft und war zwischenzeitlich auch im Mobilfunk aktiv. Aufgrund des weiterhin geringen Wettbewerbs in der deutschen Stromwirtschaft konnte RWE wie auch andere Energieerzeuger über Jahrzehnte regelmäßige Gewinne erzielen. Die Aktien von RWE und Konkurrent E.ON galten lange als stabilste Aktien im DAX. Das änderte sich im Zuge des Abschieds von der Atomkraft und mit der Energiewende. RWE geriet zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil die konventionellen Kraftwerke immer mehr an Rentabilität verloren und bei den erneuerbaren Energien der Anschluss verpasst worden war. Zudem geriet das Unternehmen als größter Nutzer der heimischen Braunkohle auch unter öffentlichen Druck.

In den vergangenen Jahren durchlief das Traditionsunternehmen mehrere Umstrukturierungen. Mit der Ausgliederung der Geschäftsfelder Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in die neue börsennotierte Gesellschaft „Innogy“ leitete RWE einen Neustart nach der Energiewende ein. Im September 2019 schließlich trennte sich RWE von seinem 76,8-%-Anteil an Innogy und den damit verbundenen Verteilnetzen. Im Gegenzug erhielt RWE das Erneuerbare-Energien-Geschäft von E.ON und von Innogy. Damit wurde das Unternehmen zu einem führenden Stromerzeuger aus regenerativen Quellen. Bis 2040 will RWE in der Stromproduktion des Konzerns Klimaneutralität erreichen. Nach dem Ausstieg aus der Atomenergie soll bis spätestens 2038 auch die Braunkohleverstromung eingestellt werden. Bei den Anlegern kam die Kehrtwende gut an. Seit dem Tief im Jahr 2015 hat sich die RWE-Aktie deutlich erholt und das Unternehmen kommt inzwischen wieder auf eine Marktkapitalisierung von über 20 Milliarden Euro.

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