Royal Dutch Shell Gewinnsprung

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Der Energieriese hat seinen Gewinn dank gestiegener Ölpreise mehr als verdoppelt. Die Schuldenbelastung bleibt jedoch hoch.

Der Energieriese Royal Dutch Shell gehört zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt und hat sich mit dem Zukauf der BG Group weiter vergrößert. 2017 verdoppelte sich der Unternehmensgewinn dank der gestiegenen Ölpreise. Die Dividendenzahlungen befinden sich traditionell auf hohem Niveau. Bei den Analysten ist die Aktie beliebt. Allerdings hat der Konzern die flüssigen Mittel zuletzt nicht so stark wie erwartet steigern können. Die Verschuldung ist weiterhin hoch. Und die Aktie ist – gemessen an den historischen Werten und an anderen Unternehmen im STOXX 50 – recht hoch bewertet.

Pro

Royal Dutch Shell (WKN A0D94M)

Breit aufgestellt: Royal Dutch Shell gehört schon seit der Fusion im Jahr 2005 zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Mit der Übernahme des britischen Gasproduzenten BG Group konnte der Konzern seine Position ausbauen. Der Energieriese ist an Explorations- und Förderprojekten in rund 70 Ländern beteiligt und einer der weltweit größten Vertreiber von Kraft- und Schmierstoffen sowie Petrochemie für Industriekunden.

Gewinn kräftig gestiegen: Steigende Preise sowie Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen haben Royal Dutch Shell im vergangenen Jahr einen kräftigen Gewinnschub beschert. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn legte um 119 % auf rund 16 Milliarden US-Dollar zu. Unter dem Strich erwirtschaftete das Unternehmen einen Überschuss von knapp 13 Milliarden Dollar, 184 % mehr als 2016. Dabei wirkte sich die US-Steuerreform sogar noch mit rund zwei Milliarden Dollar negativ aus. Der Positiv-Trend wurde im 1. Quartal bestätigt. Der Gewinn kletterte gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 3,75 auf 5,32 Milliarden US-Dollar.

Hohe Ausschüttungen: Royal Dutch Shell gehört seit Jahren zu den dividendenstärksten Werten im STOXX 50. Die Dividende wird pro Quartal ausgezahlt. Insgesamt lag sie für das Gesamtjahr bei 1,88 US-Dollar, die Dividendenrendite betrug damit gut 5 %. Als Zeichen der Stärke wird sie jetzt auch wieder in cash ausgezahlt, zuvor gab es einige Male Unternehmensanteile.

Optimistische Experten: Der Energiekonzern ist bei den Analysten zurzeit gut angesehen: Von elf Experten raten acht zum Kauf; zwei sehen den Energie-Giganten als Halteposition, ein einziger empfiehlt aktuell den Verkauf der Aktie. Der comdirect Analystenscore liegt bei 64 % und damit unter den besten im Euro STOXX 50.

Con

Royal Dutch Shell (WKN A0D94M)

Mittelzuflüsse unter den Erwartungen: Trotz der jüngsten Gewinnsteigerung ging im vierten Quartal der Mittelzufluss um rund ein Fünftel auf knapp 7,3 Milliarden Dollar zurück. Das war das niedrigste Niveau seit 2016. Analysten und Anleger waren von der für die Branche wichtigen Kennzahl enttäuscht. Hoffnungen auf umfangreiche Aktienrückkaufprogramme erhalten dadurch einen Dämpfer.

Hohe Schulden: Durch den Kauf der BG Group hatte Royal Dutch zwischenzeitlich einen Schuldenberg von rund 80 Milliarden US-Dollar angehäuft. Zum Jahresende 2017 war er zwar auf 65 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Aber diese Summe ist im Vergleich zur Konkurrenz noch hoch und könnte sich bei wieder steigenden Marktzinsen zu einer Belastung ausweiten.

Langfristige Ölpreisentwicklung: Hohe Energiepreise stärken traditionell die Gewinne der Ölkonzerne. Das hat sich im abgelaufenen Jahr bestätigt. Mit einem erneuten Push kann Royal Dutch aber kaum rechnen. Für 2018 werden am Markt eher stagnierende Preise erwartet. Die wieder hochlaufende Förderung in den USA könnte für zusätzlichen Druck sorgen.

Höhere Bewertung: Die Ölunternehmen sind traditionell eher niedrig bewertet. Aktuell liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 der Royal-Dutch-Shell-Aktie allerdings bei rund 13 und damit relativ hoch. Diese Bewertung muss das Unternehmen in den kommenden Jahren mit Umsatz- und vor allem Gewinnsteigerungen rechtfertigen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (verkaufen) werden von den positiven (kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (kaufen, halten, verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Die Darstellung gibt nicht die Meinung der comdirect wieder. Sie dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageempfehlung dar. Stand: 13.06.2018, Quelle: comdirect.de