Rohstoffaktien – Lithium-Abbau aus Sole.
Rohstoffaktien – Lithium-Abbau aus Sole.
© Matyas Rehak via Adobe Stock

Rohstoffaktien: Superzyklus in Sicht

Key Takeaways
  • Die Rohstoffnachfrage nimmt langfristig zu.
  • Kupfer ist das wichtigste Metall für Industrie und Energieversorgung.
  • Rohstoffaktien haben sich von Tiefständen erholt und weiter Potenzial.

99,9 Cent oder noch weniger für einen Liter Diesel: Im April 2020 konnten Autofahrer erstmals seit Langem für 50 Euro den Tank vollmachen. Grund: Im Corona-Lockdown quollen bei den Mineralölhändlern die Lager über. An den Terminmärkten fiel der Preis für das US-Rohöl der Sorte WTI zur Lieferung im Mai 2020 sogar unter null Dollar – ein absurder Vorgang. Gut vier Jahre später scheint das kaum noch vorstellbar. Die Ölpreise haben sich längst wieder auf recht hohen Niveaus eingependelt. Auch andere Rohstoffe, zum Beispiel Industriemetalle, haben sich von ihrem Tief gelöst. Der Trend könnte sich verstärken. Denn nach Einschätzung von Nitesh Shah, Leiter des Makro-Research beim Anlagehaus WisdomTree, drehen sich die Trends, die die Rohstoffmärkte belasteten: Die Zinsen in den Industrieländern steigen nicht mehr, Chinas Immobilienkrise scheint gebremst und auch die Energiewende rückt wieder stärker in den Fokus: „Mögliche Angebotsdefizite bei Metallen dürften sogar zu einem Rohstoff-Superzyklus führen“, prophezeit Nitesh Shah.

Rohstoffnachfrage nimmt zu

Die Weltwirtschaft ist nach Corona-Krise und Inflationsschub wieder im Aufwärtstrend. Zwar läuft es noch nicht ganz rund. Aber der Rohstoffverbrauch steigt an – wegen der steigenden Weltbevölkerung, der anspringenden Konjunktur in China und der umfassenden Konjunkturprogramme. Davon profitieren klassische Rohstoffe wie Öl und Industriemetalle wie Silber oder Kupfer. Insbesondere mit Blick auf die Energiewende werden aber auch Lithium oder seltene Erden nach ihrem jüngsten Durchhänger wieder interessant. Anleger können auf verschiedenen Wegen profitieren: Bei direkten Investitionen in die Preisentwicklung von Metallen via ETCs oder Zertifikate kann es allerdings zu Rollverlusten kommen, die die Performance beeinträchtigen. Risikoärmer scheinen Aktien von Förderunternehmen und entsprechende Fonds und ETFs.

Hohe Ölpreise beflügeln die Konzerne

Der wichtigste Rohstoff in der Weltwirtschaft ist nach wie vor Erdöl. Während die Gaspreise trotz des anhaltenden Krieges in der Ukraine wieder deutlich zurückgegangen sind, bleibt Öl auf einem konstant hohen Niveau um 80 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Im Jahr 2023 stieg der weltweite Verbrauch nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) auf einen neuen Rekordwert von durchschnittlich 102,2 Millionen Barrel pro Tag, für 2024 erwartet die IEA sogar 103,2 Millionen Barrel pro Tag. Öl bleibt vorerst weiter der Schmierstoff der Weltwirtschaft. Davon profitieren auch die großen internationalen Ölkonzerne. Die Gewinne der Multis sind deutlich gestiegen und mit ihnen auch die Aktienkurse. Die Notierung von ExxonMobil etwa hat sich seit Herbst 2020 annähernd vervierfacht, auch die britischen Werte wie Shell und BP haben sich erholt.

Industriemetalle im Fokus

Aber auch breit diversifizierte Konzerne wie die britische Rio Tinto oder die australische BHP Group profitieren vom Preisanstieg bei den Industriemetallen. Mit einer starken Ausgabedisziplin haben die bekannten Rohstoffriesen zuletzt ihre Kosten in den Griff bekommen. Entsprechend erwirtschafteten sie insbesondere im Inflationsjahr 2022 Rekordgewinne, die über üppige Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet wurden. Aktuell werden die Aktionäre ebenfalls üppig bedacht. Die Dividendenrendite bei BHP liegt bei über 5 %, bei Rio Tinto sogar bei rund 6,5 %.

Silber-Aktien: Silberpreise steigen

Silber ist ein besonderes Metall und hat in den vergangenen Monaten den höchsten Stand seit 2013 erreicht. Es profitiert zum einen vom Ruf als kleiner Bruder des Goldes, das im Frühjahr auf Rekordjagd ging und neue historische Höchststände erreichte. Gleichzeitig jedoch ist Silber ein wichtiger Industrierohstoff, der in der Automobil- und Solarindustrie besonders gefragt ist.Im Verhältnis zu Gold hat Silber nach Einschätzung von Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, noch Nachholpotenzial, zumal die Nachfrage schon im vierten Jahr in Folge das Angebot übersteigt: „Die Lagerbestände an den Börsen in London, New York und Schanghai sind bereits spürbar gesunken“, erklärt Stephan. „Zwar sind Preisrücksetzer jederzeit möglich, mittelfristig könnten sich die Preise aber auf hohem Niveau stabilisieren.“ Profitieren dürften davon die größten Silberproduzenten der Welt. Dazu gehören die kanadischen Wheaton Precious Metals und Pan American Silver sowie die US-amerikanische Gesellschaft Hecla Mining.

Kupfer-Aktien: Keine Energiewende ohne Kupfer

Vor Corona und den Kriegen in der Ukraine und in Israel war die Energiewende international wichtigstes Thema. Zuletzt wurde die Klimafrage in den Hintergrund gedrängt. Das dürfte sich wieder ändern. Für den Umbau der Produktionsstrukturen in der Weltwirtschaft werden zahlreiche Metalle in großem Ausmaß benötigt. Kupfer etwa ist unverzichtbar für die Elektrotechnik und ein wichtiger Bestandteil für Windturbinen, Solarpanels und auch für Batterien von Elektrofahrzeugen. Nach einem Allzeithoch zu Pfingsten ging der Preis zuletzt wieder etwas zurück, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Von den steigenden Preisen profitieren die Unternehmen aus der Kupferbranche. Einen besonders großen Hebel bieten Kupferproduzenten wie Grupo México oder Freeport-McMoRan. Der Kurs der amerikanischen Gesellschaft hat sich seit dem Tief in der Corona-Krise annähernd verzehnfacht.

Aktien auf Lithium und seltene Erden mit Aufholpotenzial

Lithium ist ein Herzstück der Batterietechnologie in Elektroautos: Anleger können Lithium-Aktien kaufen und damit in die größten Anbieter investieren. Die Aktien von Standard Lithium und Albemarle sind allerdings in den vergangenen Jahren sehr volatil gewesen und haben seit 2022 deutlich korrigiert. Alternativ kommt ein Lithium-ETF in Betracht. Der L&G Battery Value-Chain UCITS ETF ist der größte auf dem Markt und investiert auch in Unternehmen, die Lithium nutzen und weiterverarbeiten. Ebenso unerlässlich wie Lithium sind für die Klimawende die sogenannten seltenen Erden. Sie werden bei der Herstellung von Magneten, Katalysatoren und Batterien benötigt, aber auch für innovative Technologien wie Windkraftanlagen und elektrische Traktionsmotoren. Das Geschäft mit seltenen Erden wird von China dominiert. Anleger können über den VanEck Rare Earth and Strategic Metals UCITS ETF – A investieren, der bei comdirect als Top-Preis ETF ohne Ordergebühr im Sparplan erhältlich ist.

Breit in Rohstoffe investieren

Wer mit einem breiten Mix in Rohstoffaktien investieren will, findet bei aktiv gemanagten Fonds eine große Auswahl. Sie haben in den vergangenen Jahren eine überzeugende Performance geliefert, weil die Kurse der Rohstoffproduzenten auch im schwachen Börsenjahr 2022 gegen den Trend stabil blieben. Zu den erfolgreichsten Fonds gehörten der Bakersteel Electrum Fund – A2. Er setzt stark auf kleinere Werte wie Century Aluminium oder Pan American Silver. Der Ninety One Global Strategy Fund-Global Natural Resources Fund konzentriert sich dagegen auf die Big Player der Branche und hat ExxonMobil und Rio Tinto am höchsten gewichtet. Ein Klassiker ist der im Jahr 2001 aufgelegte BGF World Mining. Der Fokus liegt derzeit bei Kupfer- und Goldminen. Die größten Positionen im fünf Milliarden Euro schweren Portfolio von Starmanager Evy Hambro sind aktuell Glencore, Rio Tinto und BHP Group.

Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate Ihren Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch Ihr investiertes Kapital. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 02.07.2024; Quelle: comdirect.de

Portrait von Michael Reitz, Diplomvolkswirt und unabhängigem Finanzexperten
Portrait von Michael Reitz, Diplomvolkswirt und unabhängigem Finanzexperten
Autor
Michael Reitz
Der Diplom-Volkswirt beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem internationalen Börsengeschehen. Seine ersten schmerzhaften Erfahrungen hat er beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gemacht.
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