Rocket Internet Hoffnungen getrübt

Rocket Internet: Hoffnungen getrübt
LUIS ALVAREZ via Getty Images

Fünf Jahre nach dem Börsengang hat Rocket Internet trotz des Aufstiegs in den MDAX die Erwartungen der Anleger enttäuscht.

Rocket Internet unterhält eine Vielzahl von Beteiligungen, von denen einigen bereits der Börsengang gelang. Dank Veräußerungsgewinnen konnte zuletzt der Nettogewinn deutlich gesteigert werden. Mit Immobilien sowie Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen wird das Angebot erweitert. Der Aufstieg in den MDAX brachte höhere Aufmerksamkeit. Allerdings wurden die Anleger seit dem Börsengang im Jahr 2014 meist enttäuscht. Das Going-public des Online-Modehändlers GFG gelang nur auf der letzten Rille. Mit Ausschüttungen können Anleger nicht rechnen und die Börsenzukunft ist fraglich. Schließlich sind auch die Analysten nicht besonders optimistisch.

Pro

Rocket Internet (WKN A12UKK)

Breite Aufstellung und große Ziele: Rocket Internet wurde als sogenannter Internet-Inkubator 2007 von den Brüdern Samwer gegründet. Das Unternehmen hält Anteile an zahlreichen Unternehmen aus der Start-up-Szene. Ziel ist in der Regel ein Börsengang, der in der Vergangenheit den Möbelhändlern Westwing und Home 24, den Food-Spezialisten Hello Fresh und Delivery Hero und zuletzt auch dem Mode-Versender GFG gelang.

Gut gefüllte Kassen: Trotz eines geringen Umsatzes und weiterhin deutlich negativen operativen Gewinns (EBIT) verdoppelte sich durch Veräußerungen der Gewinn nach Steuern im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr auf 148 Millionen Euro. Für neue Investitionen ist die Kasse bei Rocket Internet bestens gefüllt. Die liquiden Mittel lagen im Frühjahr dieses Jahres bei rund 3,1 Milliarden Euro.

Rocket Internet goes Old Economy: Rocket-Chef Oliver Samwer sucht ständig neue Geschäftsfelder. Aktuell besonders interessant ist ein Zweig der Old Economy – der boomende Berliner Immobilienmarkt. Rocket Internet mischt dort inzwischen mit und will künftig auch Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen anbieten.

Aufstieg in den MDAX: Rocket Internet ist an der Börse erwachsen geworden. Schon seit 2016 befindet sich die Aktie im Prime Standard der Deutschen Börse und wurde im März 2018 auch in den MDAX aufgenommen. Das bringt stärkere Publikationspflichten mit sich, steigert aber auch die nationale und internationale Aufmerksamkeit.

Con

Rocket Internet (WKN A12UKK)

Enttäuschte Anleger: Vor rund fünf Jahren kam die Rocket-Internet-Aktie zum Preis von 42,50 Euro an die Börse. Damals trauten ihr einige Experten sogar langfristig den Sprung in den DAX zu. Für den MDAX hat es zwar gereicht. Aber der Kurs der Rocket-Internet-Aktie hat sich trotz der langjährigen Tech-Euphorie seit dem Börsengang nahezu halbiert.

GFG-Börsengang auf der letzten Rille: Nur mit starken Zugeständnissen konnte Rocket Internet im Juni den defizitären Online-Modehändler Global Fashion Group (GFG) an die Börse bringen. Von den neuen Anteilen übernahmen die alten Großaktionäre Kinnevik und Rocket Internet rund 60 %. Rocket Internet musste 50 Millionen Euro investieren, um den Börsengang zu retten. Der Kurs der GFG-Aktie hat seit der Emission um mehr als 50% nachgegeben.

Keine Ausschüttungen und fragliche Börsenzukunft: Rocket Internet setzt vor allem auf Wachstum. Allerdings hat das Unternehmen zurzeit Mühe, interessante Beteiligungen zu finden. Mit Dividenden dürfen Aktionäre in den nächsten Jahren nicht rechnen. Möglich erscheint aktuell sogar ein Rückzug von der Börse.

Analysten skeptisch: Die Experten beurteilen die Aussichten des Berliner MDAX-Konzerns verhalten. Von sieben Analysten im comdirect Umsatzranking sehen drei die Rocket-Internet-Aktie zurzeit als „Kauf“, drei optieren für „Halten“. Einer empfiehlt sogar den „Verkauf“. Der Analystenscore liegt damit bei unterdurchschnittlichen 29 %.

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