Junge Frau mit Hut blickt auf Abfluganzeige am Flughafen
Junge Frau mit Hut blickt auf Abfluganzeige am Flughafen
© nelen.ru via GettyImages/iStockphoto

Reiseaktien: Buchungsspezialisten verdienen bestens

Key Takeaways
  • Der Tourismus bricht 2024 die Vor-Corona-Rekorde.
  • Luftfahrt leidet unter hohen Kerosinpreisen und Steuern.
  • Im Kreuzfahrtgeschäft gibt es noch Nachholpotenzial.

2023 war gut – 2024 wird besser: Trotz trüber Konjunkturaussichten und Belastungen durch gestiegene Preise ist die Reiselust der Deutschen ungebrochen. Laut einer Erhebung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) im Januar gaben 73 % der rund 7.300 befragten Personen an, dass sie im laufenden Jahr definitiv verreisen möchten. Im Vorjahr waren es nur 70 %. Der Deutsche Reiseverband (DRV) erwartet für 2024 ein Umsatzwachstum von 4 % auf insgesamt 78 Milliarden Euro. „Vor allem Fernreisen werden demnach einen spürbaren Aufschwung erfahren“, erwartet DRV-Präsident Norbert Fiebig. Und der internationale Tourismus wird nach aktuellen Prognosen im Jahr 2024 das Niveau des Rekordjahres 2019 übertreffen. 2023 hatten die Ausgaben nach Daten der UNWTO, der Weltorganisation für Tourismus, noch 7 % unter dem 2019er-Wert gelegen.

„Wir sind aus der Krise komplett raus“, sagt Studienleiter Ulf Sonntag von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Die deutsche und internationale Reiselust bekommt auch den Unternehmen gut, die an und mit dem Tourismus Geld verdienen. Sie kommen aus vielfältigen Sektoren. Nur einen kleineren Teil des Geschäfts machen dabei die Reisen für die Anbieter von Kreditkarten und anderen Zahlungsmitteln aus. Zentral ist der Tourismus dagegen für Reiseveranstalter und Buchungsportale, für Hotels und Kreuzfahrtanbieter sowie für die Luftfahrtlinien mit ihren Ferienfliegern. Einige Aktien aus der Branche haben inzwischen alte Höchstkurse erreicht, viele andere haben aber noch erhebliches Erholungspotenzial.

Buchungsspezialisten steigern Umsatz und Gewinn

Reiseveranstalter und Buchungsspezialisten haben die Corona-Krise hinter sich gelassen. Das bedeutet aber nicht, dass alle Unternehmen gleichermaßen den Gewinnpfad wiedergefunden haben. Größe und Internetpräsenz zählen:

  • Für das an der Börse mit Abstand teuerste Touristikunternehmen Booking Holdings lief das Geschäftsjahr 2023 wie geschmiert. Der Umsatz kletterte um 25 % auf 21,4 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie stieg sogar um 52 % auf 152 US-Dollar. Mit Hotel- und Flugbuchungen unter Marken wie Booking.com, OpenTable, Priceline oder Rentalcars.com beherrscht das 1997 als „Priceline“ gegründete Unternehmen das Buchungsgeschäft. Auch im ersten Quartal 2024 legte der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 % auf 4,4 Milliarden US-Dollar zu. Zudem zahlte Booking Holdings erstmals eine vierteljährliche Dividende von 8,75 US-Dollar pro Aktie und will diesen Rhythmus beibehalten.
  • Airbnb konnte ebenfalls seinen Umsatz 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 18 % auf knapp zehn Milliarden US-Dollar steigern. Dank steuerlicher Einmaleffekte hat sich der Nettogewinn des Vermietungsportals gegenüber 2022 sogar auf 4,8 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Für 2024 erwarten Analysten allerdings nur mehr ein einstelliges Umsatzwachstum. Zudem leidet Airbnb an zunehmenden Restriktionen bei der Vermietung in Großstädten, etwa in New York. Die Aktie liegt nur knapp über ihrem Ausgabekurs aus dem Jahr 2020 und ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 37 für das Jahr 2024 hoch bewertet.
  • Europas größter Reisekonzern TUI profitiert vom starken Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft und höheren Preisen. Im Quartal von Januar bis Ende März lag der für die Saison typische operative Verlust vor Sondereffekten mit 189 Millionen Euro um 22 % unter dem Vorjahreswert. Im gesamten Geschäftsjahr soll der Umsatz jedoch um mindestens 10 %, der bereinigte operative Gewinn um 25 % auf 1,2 Milliarden Euro zulegen. Nachdem TUI in der Corona-Krise mit Staatshilfen gerettet wurde, kehrte der Konzern in diesem Jahr von London an die Frankfurter Börse zurück. Zum 24. Juni könnte der Konzern wieder in den MDAX aufgenommen werden und noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Kreuzfahrten und Hotels: Noch viel Erholungspotenzial

Kreuzfahrt-Aktien haben unter der Corona-Pandemie besonders stark gelitten. Die Aktien der drei großen börsennotierten Kreuzfahrt-Reedereien Carnival Cruise Line, Royal Caribbean Cruises und Norwegian Cruise Line wurden nahezu pulverisiert. Carnival und Norwegian haben seitdem kaum wieder Fuß gefasst. Die weltgrößte Linie Carnival mit ihren Flotten von Aida und Costa fuhr sogar 2023 noch rote Zahlen ein. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Dagegen konnte Royal Caribbean 2023 sogar einen neuen Rekordumsatz von fast 14 Milliarden US-Dollar erzielen und der Kurs brach sein Allzeithoch. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2024 liegt dennoch nur bei rund 13. Hotelketten sind mit geringeren Umsatzverlusten durch die Krise gekommen als die Kreuzfahrtanbieter. Die französische Accor, Marktführer in Europa, dürfte von den Olympischen Spielen im Heimatland Frankreich profitieren. Die Aktie hat sich bisher nicht ganz so gut erholt wie die amerikanische Konkurrenz von Hilton Worldwide, die schon im vergangenen Jahr wieder einen neuen Rekordumsatz und ein neues Allzeithoch erreichte.

Airlines und Flugzeughersteller: Airbus mit vielen Aufträgen

Der Luftverkehr hat trotz kräftiger Zuwächse sein Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. Zudem haben die Airlines teilweise mit erheblichen Kostenproblemen zu kämpfen. Das gilt etwa für die Lufthansa AG. Neben dem anhaltend hohen Kerosinpreis belasteten im ersten Quartal auch die Streikkosten mit 350 Millionen Euro die Bilanz. Der Aktienkurs kommt bisher nicht aus dem Keller, obwohl die Lufthansa in diesem Jahr mit 30 Cent erstmals seit fünf Jahren wieder Dividende ausschüttet. Deutlich besser entwickelte sich zuletzt der Kurs der Billig-Fluglinie Ryanair. Für das abgelaufene Geschäftsjahr (zum 31.03.2024) prognostizierte Ryanair-Chef Michael O’Leary einen neuen Rekordgewinn von knapp zwei Milliarden Euro. Vom wieder angelaufenen Fluggeschäft und den großen Problemen des Erzkonkurrenten Boeing profitiert die deutsch-französische Airbus. Weil viele Fluglinien in der Corona-Krise Bestellungen stornierten, sind jetzt wieder Investitionen nötig. Airbus sitzt auf prall gefüllten Auftragsbüchern. Nach 735 ausgelieferten Zivilflugzeugen im Jahr 2023 soll die Zahl 2024 auf 800 steigen.

ETFs auf den Tourismussektor

Aktien aus dem Tourismusbereich haben sich in den vergangenen Jahren höchst unterschiedlich entwickelt. Um Einzelwertrisiken zu mindern, können Anleger auf ETFs setzen. Der The Travel UCITS ETF enthält rund 60 Aktien des von Solactive aufgelegten Reiseindex. Hier sind Aktien von Airlines, Hotelketten und Kreuzfahrtunternehmen gesammelt. Am höchsten gewichtet sind aktuell Norwegian Cruise Line, InterContinental und Royal Caribbean. Der Anteil an US-Aktien liegt bei 60 %. Konzentriert auf Europa sind ETFs auf den STOXX Europe 600 Travel & Leisure Index. Sie werden unter anderem von Lyxor und iShares angeboten. Hier macht allerdings die Glückspielbranche mit Flutter Entertainment, Evolution und anderen Werten rund die Hälfte des Portfolios aus. Stark vertreten sind aber auch InterContinental, Ryanair und Accor.

Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate Ihren Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch Ihr investiertes Kapital. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 03.06.2024; Quelle: comdirect.de

Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
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Heinz-Peter Arndt
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