Regierungskrise Italien: Neuer Schwung dank Mario Draghi?

Das Haupttor und die Fassade des Palastes Montecitorio im Herzen von Rom, Sitz der italienischen Abgeordnetenkammer. Im Hintergrund die Piazza Colonna und die Galerie Alberto Sordi
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Der neue italienische Ministerpräsident kann die Wirtschaft mit mehr 200 Milliarden Euro EU-Hilfen ankurbeln.

„Super-Mario“ Draghi ist wieder auf Rettungsmission: Im Jahr 2012 hat der damalige EZB-Chef durch sein Machtwort „Whatever it takes“ nach landläufiger Meinung den Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt. Seit Februar 2021 möchte er dasselbe mit seinem Heimatland Italien vollbringen. Angefangen hat es für ihn gut. Die Anleger an den Finanzmärkten vertrauten auf den Draghi-Effekt. So sank die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen erstmals unter die Marke von 0,5 % und die Börsen reagierten auf seine Ernennung mit anziehenden Kursen. „Mit Draghi gibt es höhere Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit, keine Panik an den Märkten und viel Geld zum Ausgeben“, twitterte EZB-Experte Frederik Ducrozet von der Schweizer Pictet Investmentgesellschaft.

Anleger hoffen auf dauerhaften Schwung für die Wirtschaft und die Börse. Denn Hoffnungsträger Draghi wird von fast allen Parteien gestützt. Gleichwohl übernimmt er keine leichte Aufgabe: Italien ist 2020 durch die Pandemie in die größte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gerutscht. Die Wirtschaft schrumpfte um knapp 9 %, die Arbeitslosenquote stieg auf 11 %. „Wie die Regierungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit haben wir die Verantwortung, einen Wiederaufbau zu beginnen“, sagte Draghi in seiner ersten großen Rede. Aber er hat einen Vorteil – anders als viele seiner Vorgänger steht ihm viel Geld zur Verfügung: „Die Fiskalregeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts sind pandemiebedingt vorerst außer Kraft gesetzt“, erklärt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. „Zudem stehen Italien 209 Milliarden Euro aus dem EU-Aufbaufonds zu, sofern es bis Ende April halbwegs akzeptable Vorschläge zur Verwendung der Mittel machen kann. Gut 81 Milliarden davon wären nicht rückzahlbare Zuschüsse.“

Italien ist das zweitwichtigste Industrieland der EU

Für die Gewährung der Hilfsgelder muss Italien auch Reformen durchführen: Draghi kündigte bereits an, Bürokratie und Steuerrecht zu entrümpeln. Die lahmen Mühlen von Bürokratie und Justiz haben gemeinsam mit den starken Kürzungen im Staatsbudget das Wachstum seit der Jahrtausendwende auf durchschnittlich magere 0,5 % pro Jahr fallen lassen. Mehr Investitionen, weniger Bürokratie – dieses Motto gefällt auch der italienischen Industrie gut. Sie ist – allen Unkenrufen zum Trotz – immer noch weit stärker als ihr Ruf. „Italien ist weiterhin der zweitwichtigste Industriestandort der EU“, erläutert Philipp Heimberger, Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. „Das Land verzeichnet die zweithöchste Industrieproduktion nach Deutschland und führt deutlich mehr industrielle Güter aus als ein.“

Insbesondere in Norditalien gibt es eine breite mittelständische Industriestruktur, die oft auch noch im Familienbesitz ist. Anders als das Nachbarland Frankreich hat Italien nur wenige Großunternehmen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 80 Milliarden Euro ist Enel (WKN 928624) das bei Weitem teuerste Unternehmen an der Mailänder Börse. Der Energiekonzern hat sich schon frühzeitig auf umweltfreundliche Technologien spezialisiert, mehr als die Hälfte der Stromproduktion kommt heute aus erneuerbaren Energien. 2020 übertraf Enel trotz eines pandemiebedingten Umsatzrückgangs auf 65 Milliarden Euro beim bereinigten Jahresergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit 17,9 Milliarden Euro die Analystenerwartungen. Die Dividendenrendite liegt bei fast 5 %.

Unternehmerfamilie Agnelli breit vertreten

Die CNH Industrial N.V. (WKN A1W599) hieß bis 2013 Fiat Industrial S.p.A. Sie ist auf landwirtschaftliche Maschinen, Baumaschinen, Nutzfahrzeuge und Motorenbau spezialisiert und in 180 Ländern weltweit vertreten. Zum Konzern gehören so bekannte Marken wie Steyr und Iveco, Iveco Bus und Magirus. Nach einem starken Kurseinbruch im Frühjahr 2020 hat sich die Aktie in den vergangenen Monaten zügig erholt. Der Unternehmensname Exor (WKN A2DHZ4) ist weniger bekannt als der Name der Mehrheits-Eigentümerfamilie: Agnelli. Als Investmentarm der Agnellis ist Exor unter anderem Großaktionär von CNH Industrial, Ferrari (WKN A2ACKK) und Stellantis (WKN A2QL01), dem neuen Autoriesen aus Peugeot, Citroën und Fiat Chrysler. Außerdem hält Exor – wie in der Familie Agnelli üblich – auch die Aktienmehrheit an Juventus Turin, dem Seriensieger der italienischen Fußballliga. Zu den Vorzeigetiteln der Börse in Mailand zählt Campari (WKN A2P8B7). Neben dem Bitterlikör gehören auch Aperol, Averna, Cinzano, Grand Marnier und Wild Turkey zu den bekannten Marken des Konzerns. Insgesamt sind mehr als 50 Spirituosen, Weine und alkoholfreie Getränke im Portfolio enthalten. Besonders stark ist Campari natürlich in Italien, aber auch in Brasilien und den USA.

Neben Einzelwerten können Anleger auch per Länderfonds und ETFs in den italienischen Aktienmarkt investieren. Zu den schon lange präsenten Fonds gehören der Schroder ISF Italian Equity – A (WKN 933393) und der AXA World Funds – Framlington Italy – A (WKN 988186). In beiden Fonds befindet sich neben Enel auch die größte italienische Bank Intesa Sanpaolo (WKN 850605) unter den am höchsten gewichteten Werten. Im Sparplan verfügbar sind zwei ETFs auf den FTSE MIB 40 von iShares (WKN A0YEDP) und Xtrackers (WKN DBX1MB) sowie der Lyxor ETF auf den MSCI Italy (WKN ETF032).

Aktien, Investmentfonds und ETF-Indexfonds unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 07.04.2021; Quelle: comdirect.de.