Quantentechnik Computer der Zukunft

Eine futuristische leuchtende CPU Quantencomputer-Prozessor. 3D-Illustration.
© solarseven via GettyImages/iStockphoto

Quantencomputer lassen heutige Superrechner wie lahme Enten aussehen. Zahlreiche Branchen dürften profitieren.

Bislang galten sogenannte Supercomputer als die Königslösung für Rechnergeschwindigkeiten. Aber für die Anwendungen der Zukunft reicht das nicht aus. Google hat bereits einen Chip mit dem Namen „Sycamore“ entwickelt, der die Überlegenheit der Quanten­technologie dokumentiert. Er bewältigt Aufgaben, die auch für die Supercomputer unlösbar erscheinen. Mit Sycamore gab es bereits eine Berechnung, für die ein klassischer PC rund 10.000 Jahre benötigen würde. Der neue Chip löste die Aufgabenstellung laut dem US-Wissenschaftsmagazin „Nature“ in 200 Sekunden. „Zahlreiche Branchen dürften von der Quantentechnologie profitieren. Dazu gehören die IT dank höherer Rechengeschwindigkeit und die Medizin, da das Erforschen neuer Wirkstoffe beschleunigt werden dürfte“, sagt Sven Gundermann, Geschäftsführer beim Bad Homburger Vermögensverwalter Taunus Investments. „Möglich ist aber auch, dass wir eine komplett neue Verkehrsführung erleben, die Waren und Personen sekundenschnell optimiert von A nach B bringt.“

Revolutionäre Technik

Während gängige Computer und Smartphones auf einem Binärsystem (also mit 1 und 0) basieren, rechnen Quantencomputer mit „Qubits“. Dies steht für „Quanten-Bit“. Wie ein herkömmliches Bit kann auch das Qubit die Zustände 1 oder 0 annehmen. Aber es kann auch unendlich viele Zustände dazwischen darstellen und somit eine deutlich höhere Informationsdichte liefern. Dies wiederum sorgt für das enorme Rechentempo. Allerdings sind die Bedingungen, unter denen ein Quantencomputer momentan funktioniert, noch meilenweit von der Alltagsrealität entfernt: Der neue Chip muss auf die absolute Nulltemperatur (minus 273 Grad Celsius) heruntergekühlt werden, damit er funktioniert. Erschütterungen müssen vermieden und eine elektromagnetische Abschirmung garantiert werden, da sonst Berechnungsfehler entstehen können. Wegen dieser Anforderungen erwarten Forscher und auch Sven Gundermann, „dass die Alltagstauglichkeit frühestens in zehn bis 15 Jahren erreicht werden kann“.

Aber schon heute ist klar, dass viele Branchen auf Quantenlösungen warten. Der Indexanbieter Solactive hat deshalb im Frühjahr 2020 einen neuen Index entwickelt, der sich auf wichtige Akteure des Quanten-Computings konzentriert. Enthalten sind Aktien von 20 Unternehmen. Die Gesellschaften können aus allen Ländern der Erde kommen, sofern die jeweiligen Aktien über eine ausreichende Handelsliquidität verfügen und eine Marktkapitalisierung von mindestens 750 Millionen US-Dollar auf die Waage bringen. „Es zeigt sich, dass die USA offensichtlich die Nase bei der Entwicklung vorn haben, denn der überwiegende Teil der Titel stammt von dort“, sagt Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei Vontobel in Frankfurt.

Hightech-Unternehmen investieren in Quantentechnik

Das Who’s who der Hochtechnologie ist im Index vertreten. Dazu gehört Google/Alphabet (WKN A14Y6F) mit dem Sycamore-Chip. Auch IBM (WKN 851399) hat unter dem Namen Q System One ein eigenes Chipprojekt gestartet. Die ebenfalls im Index enthaltene Microsoft (WKN 870747) bietet Kunden ein offenes Cloudsystem unter der Bezeichnung Azure Quantum. Intel (WKN 855681) und Samsung (WKN 881823) gehören zu den größten Halbleiterunternehmen der Welt und entwickeln bereits neue Chips für das Quantum-Computing. Aus dem Pharmabereich sind u. a. die Schweizer Roche (WKN 855167) und die nordamerikanische Johnson & Johnson (WKN 853260) dabei. Der Grund: Quantencomputer können der Pharmabranche enorme Fortschritte bringen, vor allem bei der schnelleren Entwicklung neuer Wirkstoffe. Tencent (WKN A1138D) schließlich gilt als Alleskönner im chinesischen Internetmarkt, betreibt eigene Forschungen zu Quanten-Computing und investiert zudem in zahlreiche Start-ups, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Vontobel hat den Solactive Quantum Computing Index via Endlos-Zertifikat (WKN VP4XD4) handelbar gemacht. Alle 20 Titel gingen zum Berechnungsstart im Juni 2020 gleichgewichtet in den Index ein. „Jeweils halbjährlich wird die Zusammensetzung des Index überprüft und aktualisiert. Durch eine gleichzeitige Gleichgewichtung werden die Risiken einer Klumpenbildung minimiert“, erklärt Zertifikate-Spezialist Geiger. Gleichwohl setzen Anleger mit dem Produkt auf eine einzige Technik, die das Zertifikat schwankungsanfälliger als den Gesamtmarkt machen dürfte. Das Zertifikat rechnet die Nettodividenden an. Die jährlichen Gebühren für den Anleger liegen bei 1,2 %.

Aktien und Zertifikate unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Bei Zertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 02.06.2021; Quelle: comdirect.de