Qiagen: Rekorde bei Umsatz und Gewinn

Junge Wissenschaftlerin im Labor
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DAX-Aufsteiger Qiagen überzeugte im Jahr 2021. Jetzt gehen die Umsätze mit Covid-19-Produkten allerdings zurück. 

Qiagen gehört zu den bekanntesten Biotechnologiezulieferern. Im Jahr 2021 stellte das Unternehmen aus Hilden einen neuen Umsatz- und Gewinnrekord auf. Insbesondere Probentechnologien und Bioinformatik legten zu und sollen durch Investitionen und Zukäufe weiter gestärkt werden. Durch den Aufstieg in den DAX ist Qiagen auch für internationale Investoren sichtbarer geworden. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen allerdings mit deutlichen Umsatz- und vor allem Gewinnrückgängen. Grund dafür ist die abflauende Covid-19-Pandemie. Die Bewertung der Aktie ist hoch und auf Dividenden müssen Anleger seit Jahren verzichten. Die Analysten stufen das Papier von Qiagen zurzeit mehrheitlich nur als Halteposition ein. 

Pro Qiagen (WKN A2DKCH)

  • Deutsche Biotechnologie: Qiagen N.V. ist als Anbieter von chemischen Testverfahren für die molekulare Diagnostik, akademische Forschung und die pharma­zeutische Industrie seit 25 Jahren an der Börse notiert. In der Corona-Virus-Pandemie wurden die Produkte des Unternehmens besonders dringend benötigt. Umsatz- und Gewinnsteigerungen wirkten sich so positiv auf den Aktienkurs aus, dass Qiagen im September 2021 als erstes Biotechunternehmen in den DAX aufstieg.
  • Rekordjahr 2021: Qiagen bilanziert in US-Dollar. Im Gesamtjahr 2021 zog der Umsatz um rund ein Fünftel auf 2,25 Milliarden US-Dollar an. Die Erlöse aller Produktgruppen ohne Bezug zu dem temporären Covid-19-Geschäft legten sogar um fast ein Viertel zu. Der Gewinn stieg überproportiona um 43 % auf 513 Millionen US-Dollar. Im 1. Quartal 2022 setzte sich der Trend mit 11 % mehr Umsatz und fast 20 % mehr Gewinn fort. 
  • Hohe Investitionen: 2022 will Qiagen noch einmal kräftig investieren. Weltweit sollen rund 200 Millionen US-Dollar ausgegeben werden, der Großteil für den Ausbau des Standortes Hilden. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll weiter wachsen. Zugleich will Qiagen auch wieder bei Übernahmen zur Ergänzung bestehender Testportfolios und in der Bioinformatik aktiv werden. 
  • Aufstieg in den DAX: Lange kämpfte Qiagen um den Aufstieg in die erste Börsenbundesliga. Mit der Aufstockung des DAX von 30 auf 40 Mitglieder im Herbst 2021 gelang endlich der Sprung. Damit ist der Biotechwert auch international sichtbarer. Bei einer Marktkapitalisierung von gut zehn Milliarden Euro ist ein baldiger Abstieg unwahrscheinlich. 

Contra Qiagen (WKN A2DKCH)

  • Magere Aussichten: Für das Jahr 2022 erwartet das Qiagen-Management einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn. Mit einem Umsatz von mindestens 2,07 Milliarden US-Dollar soll das Minus bei den Umsätzen nur einstellig ausfallen. Der Rückgang beim bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) dürfte deutlich stärker sein. Die prognostizierten 2,14 US-Dollar pro Aktie liegen um knapp 20 % unter dem Vorjahreswert von 2,63 US-Dollar. 
  • Covid-Umsätze sinken: Der Grund für die vorsichtige Prognose ist positiv für die Weltgesundheit: Bei den Covid-Produkten rechnet Qiagen im Vergleich zu 2021 mit einer Umsatzhalbierung auf 350 Millionen US-Dollar. Mit knapp 230 Millionen US-Dollar wurdee dieses Ziel bereits im 1. Quartal erreicht. Aufgrund der starken Ausbreitung der Omikron-Variante könnte der Umsatz höher ausgefallen sein.  
  • Hohe Bewertung: Die Aktie von Qiagen ist trotz des voraussichtlichen Umsatz- und Gewinnrückgangs im laufenden Jahr immer noch hoch bewertet. Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis 2022 von rund 22 notiert sie deutlich über dem DAX-Durchschnitt. Wegen der hohen Investitionen müssen die Qiagen-Aktionäre zudem seit 2017 auf Dividenden verzichten. 
  • Skeptische Analysten: Die Einschätzungen zu Qiagen sind derzeit nur moderat positiv. Sechs von zehn Experten im comdirect Analystenranking sehen die Aktie zurzeit als „Halteposition“. Nur vier empfehlen sie als „Kauf“. Zwar votiert kein einziger für einen Verkauf. Aber der Analystenscore liegt dennoch nur bei unterdurch­schnittlichen 40 %. 

Über Qiagen

Qiagen wurde 1984 in Düsseldorf unter der Führung von Metin Colpan unter dem Namen Diagen Institut für Molekulare Diagnostik gegründet. Ziel war die Entwicklung neuer Methoden für die Abtrennung und Reinigung von Nukleinsäuren einer Zelle wie DNA und RNA. Die Qiagen-Technologie beschleunigte diesen Prozess deutlich. Für weiteres Wachstum erhielt Qiagen Wagniskapital und ging 1996 an die US-amerikanische Technologiebörse NASDAQ – ein Grund, weshalb Qiagen noch heute in US-Dollar bilanziert. Zudem wurde der Firmensitz in die Niederlande verlegt, die operative Firmenzentrale befindet sich aber in der rheinischen Stadt Hilden. 

In den vergangenen 25 Jahren stiegen die Umsätze nahezu stetig an. Dazu trugen auch umfangreiche Zukäufe bei. So wurde 2007 Digene Corp. für rund 1,6 Milliarden US-Dollar übernommen, 2009 die britische DxS und 2011 die australische Cellestis gekauft. 2013 weitete Qiagen das Geschäft mit den Übernahmen der Softwarefirmen Ingenuity Systems und CLC bio auf den Bereich der Bioinformatik aus. 2015 schließlich übernahm Qiagen den Bereich Enzyme Solutions von Enzymatics.  

Heute umfasst das Angebot von Qiagen Probenvorbereitungs- und Testtechnologien sowie Automationsverfahren. Dazu gehören Reagenzien, Laborroboter und Softwarelösungen für die Bioinformatik. Das Unternehmen bedient mit diesen Produkten die Märkte für molekulare Diagnostik in Krankenhäusern und medizinischen Laboren, der akademischen Forschung, der pharmazeutischen Industrie sowie für angewandte Testverfahren. Qiagen bietet über 100 verschiedene Tests an, mit denen Viren, Bakterien, Parasiten und genetische Merkmale nachgewiesen werden können. Das Unternehmen bietet auch verschiedene Covid-19-Testverfahren an, darunter PCR-Tests. 

Nach dem Going-public an der NASDAQ ging Qiagen im September 1997 auch in Deutschland an die Börse und notierte als erste ausländische Gesellschaft am Neuen Markt. Später war sie über viele Jahre hinweg ein Bestandteil des TecDAX. Als im September 2018 auch Mitgliedschaften in zwei Indizes möglich wurden, rückte Qiagen zusätzlich in den MDAX auf. Drei Jahre später gelang im Zuge der Aufstockung des DAX von 30 auf 40 Mitglieder der Sprung in die erste Börsenbundesliga. Mit einer Marktkapitalisierung von gut zehn Milliarden Euro scheint das Unternehmen vorerst seinen Platz sicher zu haben. 

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