Online-Lieferdienste Gewinner in der Corona-Krise

Smartphone mit Anzeige einer Lieferdienst-App
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Die Umsätze der Lieferbranche explodieren. Bei Anlegern und Analysten sind die Aktien sehr beliebt.

„Getrunken und gegessen wird immer“: Mit dieser einfachen Weisheit erklären Börsianer, dass sich Nahrungsmittel- und Getränkeaktien in Börsenkrisen im Regelfall überdurchschnittlich gut halten. Das war diesmal etwas anders. Denn durch die weltweiten Restaurantschließungen in der Corona-Pandemie brachen auch Werte wie Coca-Cola (WKN 850663) oder McDonald’s (WKN 856958) stärker ein als üblich. Stabiler blieben die Supermarkt-Lieferanten wie Nestlé (WKN A0Q4DC) oder Unilever (WKN A0JMQ9). Noch besser aber schnitten die Unternehmen ab, die davon profitierten, dass Bars und vor allem Restaurants zwischenzeitlich ganz schließen mussten – Online-Lieferdienste. Bei Anlegern und Analysten sind ihre Aktien sehr beliebt.

Lieferservice ist ein globaler Trend

Auswärts bestellen – zu Hause essen: Was als Lieferservice einzelner Pizzerien vor Jahrzehnten begann, ist in Zeiten von Online-Bestellung und Just-in-time-Lieferung ein Geschäft mit Global Playern geworden. Weltweit sollen die Erlöse mit Essenslieferungen im Jahr 2022 auf über 270 Milliarden Euro wachsen, prognostizieren die Experten des Research-Unternehmens Euromonitor International. Sie kalkulieren mit jährlichen Steigerungsraten von 13 %. Das jedoch war die Einschätzung vor der Corona-Krise. Jetzt fallen die Wachstumsraten weit stärker aus – zum Beispiel beim deutschen Branchenstar Delivery Hero (WKN A2E4K4). „Der Zuwachs der Bestellungen im zweiten Quartal liegt deutlich über den Erwartungen“, kommentiert Sarah Simon, Analystin der Berenberg Bank, den Sprung von 94 % gegenüber dem Vorjahr. Bisher gibt es im Lieferservice im Wesentlichen zwei Geschäftsmodelle: Zum einen stellen Anbieter einen Online-Marktplatz mit App-Anbindung bereit. Hier können Restaurants ihre Angebote einstellen und die Plattform übernimmt die Bezahlung. Die Lieferung erfolgt wie früher durch das Restaurant. Zum anderen übernimmt manchmal der Anbieter aber auch den Komplettservice und das Restaurant beschränkt sich auf das Kochen. Dieses Geschäft ist vor allem in Millionen-Metropolen in Emerging Markets anzutreffen. In Industrieländern lohnt es sich – wenn überhaupt – nur bei sehr hohen Marktanteilen. Entsprechend haben die größten Player der Branche die Märkte mit zahlreichen Übernahme-Deals weitgehend unter sich aufgeteilt.

Das deutsche Flaggschiff: Delivery Hero

Delivery Hero ist einer der Stars am deutschen Aktienmarkt. Dabei hat das 2011 in Berlin gegründete Unternehmen nach dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts mit Marken wie Foodora, Lieferheld oder Pizza.de im Jahr 2019 hierzulande gar kein eigenes Geschäft mehr. Dafür ist es weltweit in mehr als 40 Ländern aktiv und könnte mit der Übernahme des koreanischen Konkurrenten Woowa Brothers zur Nummer eins im asiatischen Markt außerhalb Chinas aufsteigen. Gewinne allerdings schreibt das Unternehmen nicht. Mit einer mehr als einer Milliarde Euro schweren Wandelanleihe verschaffte sich Delivery Hero Kapital für weitere Zukäufe. Der Aktienkurs ist zuletzt so stark gestiegen, dass das Unternehmen trotz geringen Streubesitzes im September sogar den Sprung in den DAX schaffen könnte.

Konkurrenz aus Holland: Just Eat Takeaway.com

Ein ähnliches Geschäftsmodell wie Delivery Hero hat Just Eat Takeaway.com (WKN A2ASAC). Der niederländische Konzern hat 2019 mit der britischen Just Eat und dem Deutschland-Geschäft von Delivery Hero große Brocken geschluckt und ist vor allem in zehn europäischen Märkten dominant. Zuletzt gab Takeaway den Kauf des amerikanischen Lieferdienstes Grubhub für 7,3 Milliarden US-Dollar bekannt.

Der große Investor: Prosus

Mit 21 % Anteil ist Naspers/Prosus der größte Aktionär von Delivery Hero. Naspers ist ein südafrikanischer Medienkonzern, der vor allem durch seine Beteiligung an der chinesischen Tencent Holdings groß geworden ist. 2019 übertrug Naspers alle Beteiligungen außerhalb Südafrikas (Tencent, Fintechs, Onlinewerber, Mail-Dienstleister, Lieferdienste) an die ausgegliederte Tochter Prosus (WKN A2PRDK) und brachte diese an die Börse in Amsterdam. Prosus gehört seitdem zu den Highflyern. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 132 Milliarden Euro ist Prosus an der Börse mehr wert als die Mutter Naspers. Anders als Delivery Hero schreibt die Holding auch Gewinne. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 liegt bei rund 36 und ist damit im Vergleich für einen Technologiekonzern nicht exorbitant hoch.

Alternative Selberkochen: Hellofresh

Beim Essens-Lieferdienst Hellofresh (WKN A16140) müssen Kunden selber Hand anlegen. Das Berliner Unternehmen liefert seit 2011 Kochboxen. In den Paketen gibt es wöchentlich vorbereitete Zutaten und Rezepte – klassisch für Fleischesser oder auch vegetarisch. Nach einem starken zweiten Quartal dürfte nach vorläufigen Zahlen der Umsatz zwischen 965 und 975 Millionen Euro gelegen haben, nach 437 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das EBITDA wurden zwischen 145 und 155 Millionen Euro berechnet – acht mal so viel wie im Vorjahresquartal. Das ursprünglich für das Jahr 2020 anvisierte Umsatzplus von rund 25 % wird weit übertroffen werden. Bei Börsianern kamen die jüngsten Meldungen gut an. Die Aktie war schon vor der Krise ein Highflyer im MDAX und setzte den Aufwärtstrend zuletzt fort.

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