Olympia in Frankreich – Flaggen der Olympischen Spiele 2024 in Paris.
Olympia in Frankreich – Flaggen der Olympischen Spiele 2024 in Paris.
© Iliya Mitskavets via Adobe Stock

Olympia: Frankreich im Blick

Key Takeaways
  • Frankreichs Wirtschaft läuft besser als die deutsche.
  • Einzelne Branchen profitieren überproportional von Olympia.
  • Luxus und Lifestyle sind traditionell französische Stärken.

Frankreich macht es mit Stil und besonderem Flair. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele treffen sich die Athleten am 26. Juli nicht wie üblich im Stadion. Stattdessen werden die Delegationen der einzelnen Länder in Booten über die Seine herbeigeschifft. Sechs Kilometer sollen die rund 10.000 Athleten auf 180 Schiffen zurücklegen – vor 100.000 zahlenden Zuschauern und mehr als 200.000 Zuschauern auf kostenlosen Plätzen. In der Pariser Innenstadt werden noch deutlich mehr Touristen und Sportfans präsent sein. Und weltweit dürfte die Zahl der Zuschauer an den Empfangsgeräten die Milliarde weit überschreiten. Die Welt schaut auf Paris und Frankreich. Rund um die großen Sport-Events stehen nicht nur die Sportartikelhersteller, sondern auch die einheimische Wirtschaft und ihre Unternehmen im Fokus.

Trotz Streit um Rentenregelungen und hoher Staatsschulden hat sich Frankreichs Ökonomie von dem Corona-Einbruch besser erholt als die deutsche. Das Wachstum lag in den Jahren 2022 und 2023 mit 2,5 % und 0,9 % höher als bei uns. Das liegt zum einen an der stärkeren Bedeutung der Binnennachfrage im Nachbarland, zum anderen an der geringeren Energieabhängigkeit. Auch aktuell sieht es wieder besser aus. Die OECD prophezeit Frankreich für 2024 ein Plus von 0,7 % gegenüber den mageren 0,2 % in Deutschland. Zum Wachstumsplus tragen vor allem die Großunternehmen bei. So stellte der französische Index CAC 40 zuletzt sein deutsches Pendant in den Schatten. Der traditionell ohne Dividenden berechnete CAC 40 legte in den letzten fünf Jahren um ca. 43 % zu, der vergleichbare deutsche Kurs-DAX blieb mit 25 % deutlich dahinter.

Branchen profitieren von Olympia

Die Aussichten bleiben gut: „Zudem geben die Olympischen Spiele in einigen Sektoren einen deutlichen Impuls“, erklärt Jérôme Bodin, Analyst beim französisch-deutschen Finanzhaus ODDO BHF. Insbesondere Medien- und Werbeunternehmen, Hotels und den Bewirtungssektor zählt er zu den Profiteuren. Einer von ihnen ist ein international wenig bekannter Riese mit 430.000 Mitarbeitern: Sodexo betreibt weltweit Kantinen und bietet Hausmeisterdienstleistungen an. Kunden sind Unternehmen auf der ganzen Welt, aber auch Schulen, Krankenhäuser und Sportstadien. Bei den Spielen ist Sodexo verantwortlich für das Catering im Olympischen Dorf. Auch das Medienunternehmen JCDecaux wird im Sommer viel zu tun haben. Das Pariser Unternehmen ist als Konkurrent der deutschen Ströer einer der weltweiten Marktführer im Bereich der Außenwerbung und erwirtschaftet in normalen Zeiten knapp ein Fünftel des Umsatzes im Heimatland – 2024 dürfte der Anteil höher ausfallen.

Tourismus und Straßenmaut

Natürlich bekommt der ohnehin starke französische Tourismussektor einen kräftigen Schub. Die Hotelpreise in Paris sind ohnehin nicht günstig. Aber in diesem Sommer werden sie während der Olympischen Spiele bis zu viermal so hoch liegen wie in normalen Zeiten. Daran dürfte Europas größte Hotelkette Accor gut verdienen. Accor bietet mit Marken wie Sofitel, Novotel und Ibis Unterkünfte in allen Preissegmenten. Starken Umsatz mit Olympia machte bereits in den vergangenen Jahren der französische Mischkonzern Vinci mit zahlreichen Bau- und Verwaltungsprojekten. Vinci kassiert aber auch während der Spiele – zumindest bei den Autofahrern, denn die französischen Mautstationen gehören zum Konzern.

Luxus und Konsum im Blick

Die internationalen Gäste werden in Paris nicht nur übernachten, sondern den Besuch auch zu Shopping-Ausflügen nutzen. Starke Unternehmen wie Moët Hennessy – Louis Vuitton (LVMH) und Hermès dürften zu den Profiteuren zählen. LVMH streitet sich schon seit einiger Zeit mit dem dänischen Diabetes-Spezialisten Novo Nordisk um den Titel des teuersten Unternehmens Europas. Im ersten Quartal haben die französischen Luxushersteller ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahresrekord auf vergleichbarer Basis noch einmal um 3 % auf 20,7 Milliarden Euro steigern können. Hermès profitierte in den ersten drei Monaten des Jahres von einer starken asiatischen Nachfrage nach Lederwaren und Schmuck. Der wechselkursbereinigte Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 % auf 3,8 Milliarden Euro. Zweitgrößtes französisches Unternehmen nach Marktkapitalisierung hinter LVMH ist L’Oréal. Die Produkte des Kosmetikkonzerns spielen zwar nicht in derselben Preisklasse wie LVMH oder Hermès. Aber seit vielen Jahren überzeugt das Unternehmen Anleger und Analysten mit Umsatz- und Gewinnzuwächsen. Dank starker Nachfrage in Europa und Nordamerika ist L’Oréal auch 2024 überraschend gut ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um mehr als 8 % auf gut 11,2 Milliarden Euro. Die Aktie erreichte im Mai ein neues Allzeithoch.

Breit investieren in Frankreich

Neben den Olympia-Profiteuren und der Luxusbranche hat der französische Markt auch in den Sektoren Energie, Elektrotechnik und Industrie einiges zu bieten. Anleger können mit aktiv gemanagten Frankreich-Länderfonds investieren. Der Edmond de Rothschild Tricolore Tricolore Conviction A ist in allen Marktsegmenten engagiert und hat aktuell LVMH, Hermès, den Chemie- und Gase-Spezialisten Air Liquide, den Elektronikkonzern Schneider Electric und Vinci hoch gewichtet. Der Mandarine Opportunités – R setzt neben LVMH und Schneider vor allem auf den Softwarespezialisten Edenred, auf L’Oréal und den IT-Dienstleister Capgemini. Der Oddo BHF Avenir konzentriert sich vor allem auf Small und Mid Caps.

Auf den französischen Aktienmarkt können Anleger auch einfach per ETF setzen. Der Xtrackers CAC 40 UCITS ETF bildet den französischen Standardwerte-Index ab. Der Amundi CAC 40 ESG wählt unter den 60 größten französischen Aktien die 40 mit den besten ESG-Werten aus und verzichtet zum Beispiel auf den Öl- und Gaskonzern TotalEnergies. Der iShares MSCI France ist breiter gefasst als die beiden CAC-Vertreter. Er bildet die rund 70 umsatzstärksten Unternehmen in Frankreich ab.

Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate Ihren Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch Ihr investiertes Kapital. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 10.06.2024; Quelle: comdirect.de

Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
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Heinz-Peter Arndt
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