Ørsted Umsatz und Gewinn steigen wieder

Windräder im Meer stehend
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Der dänische Windkraftpionier hat im Vorjahr viele Windparks installiert und setzt große Hoffnungen auf „grünen Wasserstoff“.

Ørsted ist Weltmarktführer im Bereich der Offshore-Windenergie. Für 2021 legte das dänische Unternehmen gute Geschäftszahlen vor. Die Kooperation mit dem deutschen Stahlkonzern Salzgitter und vor allem die zunehmende Bedeutung der Windenergie lassen die Konzernspitze positiv in die Zukunft blicken. Allerdings schönten zuletzt Sondereffekte durch Verkäufe von Windparkanteilen den Gewinn. Die gestiegenen Preise für Industrierohstoffe verteuern künftig die Produktion. Die Aktie ist weiterhin hoch bewertet und bei den Analysten nur durchschnittlich angesehen.

Pro Ørsted (WKN A0NBLH)

  • Größtes Windkraftunternehmen: Ørsted konzentriert sich nach dem Verkauf des Öl- und Gasgeschäfts im Jahr 2017 ganz auf erneuerbare Energien. Im Bereich Offshore-Energie ist das dänische Unternehmen mit einem globalen Marktanteil von knapp 30 % Weltmarkt­führer. Ein wichtiges Zukunftsgeschäft soll der „grüne Wasserstoff“ werden.
  • Gute Geschäftszahlen: Bei den Geschäftszahlen für das Jahr 2021 hat Ørsted positiv überrascht. Der Umsatz stieg auf 77,7 Milliarden Dänische Kronen (10,4 Milliarden Euro), das sind knapp 55 % mehr als im Vorjahr. Der operative Gewinn belief sich auf 24,3 Milliarden Kronen (3,3 Milliarden Euro) und lag damit um 24 % über dem Jahr 2020. Die installierte Windkraft­kapazität stieg um 28 % auf 26,2 Gigawatt.
  • Kooperation mit Salzgitter: Ørsted und der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern Salzgitter gaben im Januar 2022 eine strategische Partnerschaft bekannt. Sie wollen bei Wasserstoff, Ökostrom und dem Bau von Windrädern eng kooperieren. Salzgitter soll Stahl, der CO2-arm hergestellt wird, für Bauteile von Ørsted-Offshore-Anlagen liefern. Im Gegenzug liefern die Dänen dafür Elektrizität aus erneuerbaren Energien.
  • Wachstumsbranche Windenergie: Von der Windenergie ist der Erfolg der Energiewende entscheidend abhängig. Deshalb rechnet Ørsted im laufenden Jahrzehnt mit einem starken Ausbau des Geschäfts. Die aktuell 26 Gigawatt installierten Windkraftkapazitäten sollen sich bis zum Jahr 2030 auf rund 50 Gigawatt annähernd verdoppeln.

Contra Ørsted (WKN A0NBLH)

  • Sondereffekt schönt den Gewinn: Immerhin 8,5 Milliarden Kronen (1,2 Milliarden Euro) des Betriebs­gewinns stammen aus dem Verkauf von 50 % der Anteile von Offshore-Windparks in den Niederlanden und Taiwan. Ohne diese Zusatzeinnahmen lag das Plus nur bei 15,8 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro). Das spiegelt die negativen Einflüsse von steigenden Rohstoffpreisen und weniger Wind im Jahr 2021 wider.
  • Hohe Rohstoffpreise: Wie zahlreiche Unternehmen hat auch Ørsted zuletzt unter Problemen bei den internationalen Lieferketten und unter hohen Rohstoffpreisen gelitten. Diese Tendenz dürfte sich auch in diesem Jahr noch fortsetzen und den Unternehmensgewinn negativ beeinflussen.
  • Hohe Bewertung: Das Papier von Ørsted gehört mit einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro zu den größten dänischen Unternehmen. Zwar ist der Kurs nach einem zwischenzeitlichen Höhenflug zurückgegangen. Gleichwohl ist die Bewertung noch recht hoch. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2022 liegt bei rund 23.
  • Analysten unentschieden: Die Probleme in der Windbranche drücken auch bei den Analysten auf die Stimmung. Zwar empfiehlt aktuell mehr als die Hälfte der Experten die Aktie zum Kauf (sieben von zwölf). Allerdings sehen auch fünf die Aktie lediglich als „Halteposition“.

Über Ørsted

Im Jahr 2020 wurde die dänische Ørsted im Corporate Knights’ Global 100 Index als das weltweit nachhaltigste Unternehmen eingestuft – als erstes Energieunternehmen überhaupt. Vor 50 Jahren bei der Gründung des Konzerns als Staatsunternehmen war das noch ganz anders. Damals konzentrierte sich das Dansk Olie og Naturgas A/S (kurz Dong) noch auf die namensgebenden Öl- und Erdgasressourcen. Aber schon früh setzten die umweltbewussten Dänen neben den konventionellen Energieträgern Öl, Gas und Kohle auf alternative Energien. 1991 nahm Dong vor Vindeby in Dänemark den ersten Offshore-Windpark in Betrieb.

Gleichwohl blieben konventionelle Energien noch für zwei Jahrzehnte das wichtigste Standbein. 2009 gewann Dong 85 % der Strom- und Wärmeproduktion aus fossilen Brennstoffen, 15 % aus erneuerbaren Energien. Damals wurde die Strategie formuliert, dass sich dieses Verhältnis bis 2040 umkehren sollte. Diese Erwartungen sind längst überholt. Schon bis 2025 will das Unternehmen klimaneutral Energie produzieren und ganz auf fossile Energieträger verzichten. Dieser Schwenk gelang, weil Dong das Öl- und Gasgeschäft an die britische Ineos verkaufte. Als Konsequenz benannte sich Dong in Ørsted um – nach dem dänischen Wissenschaftler Hans Christian Ørsted, der 1820 die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes entdeckte und als Mitbegründer der Elektrizitätslehre und Elektrotechnik gilt.

Der wichtigste Geschäftsbereich von Ørsted ist heute „Offshore-Wind Power“. Er errichtet und betreibt Offshore-Windparks, vor allem in Großbritannien, Deutschland und Dänemark. In zahlreichen Pilotprojekten in Deutschland soll die Offshore-Windkraft zur Produktion von „grünem Wasserstoff“ genutzt werden. „Onshore-Wind Power“ verwaltet das Wind-Geschäft auf dem Boden der USA. Der Geschäftsbereich „Markets & Bioenergy“ ist das Bindeglied zwischen der Energieerzeugung durch Windkraftanlagen und Biomasse und dem Stromvertrieb in Nordwesteuropa.

Im Jahr 2016 ging Ørsted an die Börse. Der dänische Staat besitzt inzwischen nur noch die Hälfte der Anteile. Bei den Investoren kam die Umstellung des Geschäftsmodells auf Nachhaltigkeit hervorragend an. Ørsted ist inzwischen in zahlreichen Nachhaltigkeitsindizes und Nachhaltigkeitsfonds vertreten. Insbesondere bis zum Jahresbeginn 2021 zog der Aktienkurs nahezu stetig an. Seitdem ist die Euphorie deutlich abgeflacht. Aber mit einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro gehört der dänische Pionier für Offshore-Windkraft zu den am höchsten bewerteten dänischen Unternehmen.

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