Öl und Gas Knappheit treibt die Preise

Stahlölleitungen einer Raffinerie in der Wüste bei Sonnenuntergang.
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Der Krieg in der Ukraine bedroht die Energieversorgung in Europa. Öl- und Gaswerte profitieren von den gestiegenen Preisen. 

Klimawandel first: Lange Zeit ging es im Energiesektor nahezu allein um die Umsetzung ambitionierter Nachhaltigkeitsziele. Das ist erst einmal vorbei. Ausgelöst durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine steht nun nicht weniger als die Sicherheit der Energieversorgung Europas im Fokus. Die Benzinpreise kletterten im März flächendeckend über die Schallmauer von zwei Euro pro Liter an den Zapfsäulen. Viele Länder starten Hilfsmaßnahmen für die eigene Bevölkerung, damit die extrem gestiegenen Benzin- und Energiepreise nicht zu sozialen Verwerfungen führen. Wie schnell so etwas passieren kann, haben vor Jahren die Gelbwesten-Proteste in Frankreich gezeigt.  

Abhängigkeit von russischem Öl und Gas 

Viele europäische Länder und vor allem Deutschland sind abhängig von Öl- und Gaslieferungen aus Russland. Speziell beim Erdgas wird das besonders deutlich: So kamen nach Zahlen des Vermögensverwalters DJE Kapital im Jahr 2020 rund 55 % des gesamten deutschen Erdgases aus Russland. Von Norwegen und den Niederländern als den folgenden Lieferanten ließe sich bei einem Stopp der russischen Lieferungen die Lücke nicht schließen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck verhandelte bereits mit dem Emirat Katar über Flüssiggaslieferungen, der Bau von LNG-Terminals für amerikanisches und katarisches Flüssiggas wird mit Hochdruck geplant. 

Jetzt rächt sich, dass die Energiewirtschaft aus mehreren Gründen in den letzten Jahren viel zu wenig investiert hat, meint Christoph Bruns, Fondsmanager und Vorstand der LOYS AG. „Erstens waren die Preise nicht so attraktiv. Zweitens ist die Energiewirtschaft moralisch in Ungnade gefallen.“ Für die Einschätzung der Versorgungsrisiken beim Erdgas ist der Blick auf die Verwendung aufschlussreich. Jeweils ein Drittel des Erdgases wird in Deutschland für das Heizen, die industrielle Nutzung und die Stromerzeugung benutzt. Privathaushalte sollen vorrangig versorgt werden. Das bedeutet aber auch: Sollte die Lieferung von deutscher oder russischer Seite gestoppt werden, würde die Produktion in vielen Betrieben stillstehen.  

Mangel droht auch bei Diesel-Kraftstoff 

Die Abhängigkeit von Dieselkraftstoff-Importen aus Russland spielt bislang in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine untergeordnete Rolle. Doch auch hier kann sich sehr schnell eine dramatische Verschlechterung der Lage einstellen. „Der Anteil des russischen Diesels am Energieverbrauch des deutschen Straßenverkehrs liegt bei rund 15 %“, erklärt Stefan Breintner, Fondsmanager des DJE-Gold & Ressourcen und stellvertretender Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement bei dem Münchner Vermögensverwalter DJE Kapital AG. „Hier ist es auch nicht kurzfristig möglich, die deutschen Raffineriekapazitäten auf Diesel umzustellen, da dies ein komplizierter Prozess ist und zudem Lieferengpässe den Markt zusätzlich belasten.“ 

Bis zur erfolgreichen Dekarbonisierung der deutschen Wirtschaft und einer komplett umgesetzten Energiewende wird noch viel Zeit vergehen. Erst einmal geht es daher um sichere Bezugsquellen für Öl und Gas. Aufgrund der geopolitischen Lage könnte der Ölpreis weiterhin auf dem hohen Niveau des Frühjahrs verharren. Carsten Fritsch, Energie-Analyst bei Commerzbank Research, geht davon aus, dass der Ölpreis vorerst über der 100-Dollar-Marke pro Barrel verharren und erst gegen Jahresende Richtung 90 Dollar sinken wird.  

Die Aktien von Öl- und Gasunternehmen dürften also weiter profitieren. Schon im ersten Quartal waren sie weltweit fast die einzigen mit positiver Performance. Von den 19 Sektoren im Euro-STOXX-600-Index etwa haben nur der Rohstoff- und der Energiesektor das erste Quartal mit einem deutlichen Plus abgeschlossen. Auch im US-Index S&P 500 führten die Energiewerte die Liste deutlich an. „Wir haben die Öl- und Gaspreiserwartungen angehoben“, erklärt Analyst James Hubbard von Deutsche Bank Research in einer aktuellen Branchenstudie. „Daraufhin ergeben sich für viele Firmen deutlich höhere Gewinnschätzungen.“ Dies gelte für Konzerne wie ExxonMobil (WKN 852549), Shell (WKN A3C99G), BP (WKN 850517) und Total (WKN 850727). Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, glaubt, dass die Aktien des Sektors selbst bei wieder leicht abnehmenden Energiepreisen noch Luft nach oben haben: „Eine nennenswerte Korrektur ist aufgrund limitierter Produktionskapazitäten, niedriger Lagerbestände und anhaltend hoher Nachfrage vorerst nicht in Sicht.“  

Langfristig gewinnen Erneuerbare Energien 

Kurzfristig mögen Öl- und Gaswerte im Fokus stehen. Mittelfristig und vor allem auf lange Sicht werden sie sich allerdings nur behaupten können, wenn auch sie die Wende zur Nachhaltigkeit schaffen. Einige der Konzerne sind auf diesem Weg bereits erste Schritte gegangen. Größere Chancen werden am Markt jedoch den Aktien von Unternehmen eingeräumt, die auf erneuerbare Energien setzen. Dazu gehören Hersteller von Windkraftwerken und Betreiber von Windparks wie Nordex (WKN A0D655), Vestas (WKN A3CMNS) oder Ørsted (WKN A0NBLH). Wer breit in Erneuerbare Energie investieren möchte, hat inzwischen auch bei ETF eine breite Auswahl. Zu den größten ETF zählen der iShares Global Clean Energy (WKN A0MW0M) und der Lyxor MSCI New Energy ESG Filtered (WKN LYX0CB), der bei comdirect als Top-Preis ETF erhältlich ist.

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