Netflix Megaschub durch Corona

Laptop mit Netflix-Screen
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Der Streaming-Dienst konnte im 1. Quartal mit Beginn der Pandemie Umsatz und Gewinn deutlich steigern.

Netflix konnte im ersten Quartal dieses Jahres eine Rekordzahl neuer Abonnenten gewinnen. Der Umsatz und vor allem der Gewinn erreichten Rekordwerte. Stetig steigende Investitionen in das Programm sollen auch künftig die Marktherrschaft sichern. Die Analysten sind nach wie vor von der Aktie voll überzeugt. Allerdings drängen zahlreiche Konkurrenten in den Markt, vor allem Disney+. Die Netflix-Aktie ist trotz der Gewinnsteigerungen ambitioniert bewertet. Nach der Corona-Krise droht eine deutliche Abflachung der Abonnentenkurve. Zudem liegt die Produktion neuer Inhalte seit einigen Monaten mehr oder weniger brach.

Pro Netflix (WKN 552484)

  • Kundenzuwachs durch Corona: Streaming-Pionier Netflix will lineares Fernsehen zum Auslaufmodell machen. Der Konzern ist weltweit (außer China) präsent. Im 1. Quartal dieses Jahres stieg die Zahl der Abonnements um 15,8 Millionen auf knapp 183 Millionen. Dieser Quartalsrekord basiert vor allem auf dem Monat März, als viele Länder wegen des grassierenden Corona-Virus Ausgangssperren verhängten.
  • Beeindruckende Geschäftszahlen: Der Kundenansturm im 1. Quartal hat sich auch in den Geschäftszahlen niedergeschlagen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 28 % auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Noch stärker legte der Gewinn zu. Er hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal auf 709 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt.
  • Steigende Investitionen: Netflix erhöht stetig sein Produktionsbudget, etwa mit Serien wie „Tiger King“ und Filmen wie Martin Scorseses „The Irishman“. Nach 15,3 Milliarden US-Dollar für 2019 waren (vor Corona) für das laufende Jahr Ausgaben von 17,3 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Bis 2028 wird eine Steigerung auf 26 Milliarden US-Dollar erwartet.
  • Optimistische Experten: Die Aktie von Netflix ist bei den Analysten extrem beliebt. Alle sieben Urteile im comdirect Analystenranking lauten zurzeit „Kaufen“. Kein einziger Experte setzt auf „Halten“ oder „Verkaufen“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei perfekten 100 %.

Contra Netflix (WKN 552484)

  • Wachsende Konkurrenz: Marktführer Netflix wird zunehmend attackiert. Amazon hat sich mit Prime Video positioniert. Disney+ bietet die Filme aus dem Konzern sowie Zeichentrickfilme von Pixar an und hatte bereits fünf Monate nach dem Start 50 Millionen Abonnenten. Dazu kommt HBO Max von Warner Media u. a. mit Filmen von Warner Bros. Aktuell scheint für alle Konkurrenten Platz, aber wie lange noch?
  • Hohe Bewertung: Die Netflix-Aktie ist trotz der zuletzt rasanten Umsatz- und Gewinnsteigerungen weiterhin sehr hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2020 liegt aktuell bei rund 75. Dividenden schüttet der Konzern traditionell nicht aus, weil die erwirtschafteten Gewinne reinvestiert werden.
  • Magereres Wachstum nach Corona: Mit den zunehmenden Lockerungen in der Corona-Krise gibt es in der Freizeit wieder Alternativen zum Streaming. Deshalb geht der Vorstand davon aus, dass der Boom im 1. Quartal nur temporär war. Für das 2. Quartal wird noch ein Zuwachs von 7,5 Millionen Abonnements erwartet, danach dürfte die Wachstumsrate weiter sinken.
  • Produktionsprobleme durch die Pandemie: Netflix hat zwar ein gut gefülltes Programmportfolio. Aber auch das könnte zur Neige gehen, wenn die Filmwirtschaft aufgrund der Corona-Probleme nicht wieder in Gang kommt. Aktuell werden kaum neue Produktionen realisiert.

Über Netflix

Netflix wurde von Reed Hastings und Marc Randolph 1997 in Kalifornien gegründet. Zunächst präsentierte sich das Unternehmen als Online-Videothek mit dem Versand von Filmen auf DVD und später Blu-Ray an seine Abonnenten. Mit zunehmender Schnelligkeit der Datenübertragung und sinkenden Kosten im Internet bot Netflix ab 2007 Filme auch online als Video-on-Demand an. Frühzeitig erkannte das Management das Wachstumspotenzial des Internets, den rasanten Fortschritt in der Übertragungsqualität und den Trend zu mehr Flexibilität beim Konsum bewegter Bilder, vor allem in der jüngeren Generation.

Die Expansion startete Netflix 2010 mit dem Erwerb der Rechte am Online-Vertrieb von Filmen der Studios MGM, Paramount und Lions Gate. In den folgenden Jahren setzte das Unternehmen zunehmend auf Eigenproduktionen, die Qualitätsmaßstäbe setzten. Mit preisgekrönten Serien wie „House of Cards“, „Narcos“ oder „The Crown“ und zunehmend auch Filmen wie zuletzt „The Irishman“ beschäftigt Netflix Hollywood-Größen als Schauspieler, Regisseure und Produzenten.

Bis 2010 war Netflix allein in den USA vertreten. Dann begann die internationale Expansion mit dem Schritt nach Kanada. Inzwischen ist Netflix nahezu weltweit mit Ausnahme von China vertreten und bietet ein internationales Programm. Die USA machen mit über 60 Millionen Abonnenten immer noch rund ein Drittel aller Kunden aus, gefolgt von Brasilien und Australien. Auch Deutschland befindet sich inzwischen unter den Top-Ten-Ländern mit mehr als sechs Millionen Kunden zum Jahresende 2019.

Im Streaming-Markt hat sich Netflix mit seinem breiten Programm und zahlreichen gefeierten Eigenproduktionen in den vergangenen Jahren einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz sichern können. Das schlägt sich auch an der Börse nieder. Im ersten Quartal 2020 übertraf die Marktkapitalisierung mit fast 200 Milliarden US-Dollar sogar kurzzeitig die des traditionsreichen Konkurrenten Disney.

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