Netflix Megaschub durch Corona

Laptop mit Netflix-Screen
© wutwhanfoto via Getty Images/iStockphoto

Der Streaming-Dienst konnte seit Beginn der Pandemie Umsatz und Gewinn deutlich steigern.

Nach einem starken Anstieg der Abonnenten im 1. Quartal ging die Zahl der Neukunden im 2. Quartal deutlich zurück. Umsatz und Gewinn konnten überzeugen, aufgrund des verhaltenen Ausblicks aber wurde die Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen auf Talfahrt geschickt. Mit steigenden Investitionen in das Programm will Netflix die Marktherrschaft sichern. Die Analysten sind trotz Kurseinbruch von der Aktie überzeugt. Allerdings drängen zahlreiche Konkurrenten in den Markt, vor allem Disney+. Die Netflix-Aktie ist trotz des Kursrückgangs ambitioniert bewertet. Preiserhöhungen drohen das Abonnentenwachstum auszubremsen. Zudem liegt die Produktion neuer Inhalte seit einigen Monaten mehr oder weniger brach.

Pro Netflix (WKN 552484)

  • Kundenzuwachs durch Corona: Streaming-Pionier Netflix will lineares Fernsehen zum Auslaufmodell machen. Der Konzern ist weltweit (außer China) präsent. Im 1. Quartal dieses Jahres stieg die Zahl der Abonnements um 15,8 Millionen auf knapp 183 Millionen. Im 2. Quartal kamen nach Lockerung der Ausgangssperren zwar nur 2,7 Millionen Abonnenten dazu. Im Jahresverlauf aber könnte das Interesse am Netflix-Heimkino wieder wachsen.
  • Beeindruckende Geschäftszahlen: Der Kundenansturm im 1. Quartal hat sich auch in den Geschäftszahlen niedergeschlagen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 28 % auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Auch im 2. Quartal legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 26 % auf 4,9 Millionen US-Dollar zu. Der Gewinn hat sich in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar verdoppelt und auch im 2. Quartal lag der Ertrag über den Erwartungen.
  • Steigende Investitionen: Netflix erhöht stetig sein Produktionsbudget, etwa mit Serien wie „Tiger King“ und Filmen wie Martin Scorseses „The Irishman“. Nach 15,3 Milliarden US-Dollar für 2019 waren (vor Corona) für das laufende Jahr Ausgaben von 17,3 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Bis 2028 wird eine Steigerung auf 26 Milliarden US-Dollar erwartet.
  • Optimistische Experten: Die Aktie von Netflix ist bei den Analysten beliebt. Von sieben Analysten plädieren fünf auf „Kaufen“, zwei sind neutral und ein Analyste empfiehlt den Verkauf. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei 50 %.

Contra Netflix (WKN 552484)

  • Wachsende Konkurrenz: Marktführer Netflix wird zunehmend attackiert. Amazon hat sich mit Prime Video positioniert. Disney+ bietet die Filme aus dem Konzern sowie Zeichentrickfilme von Pixar an und hatte bereits fünf Monate nach dem Start 50 Millionen Abonnenten. Dazu kommt HBO Max von Warner Media u. a. mit Filmen von Warner Bros. Aktuell scheint für alle Konkurrenten Platz, aber wie lange noch?
  • Hohe Bewertung: Die Netflix-Aktie ist trotz des zuletzt deutlichen Kursrückgangs weiterhin sehr hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2020 liegt aktuell bei rund 85. Dividenden schüttet der Konzern traditionell nicht aus, weil die erwirtschafteten Gewinne reinvestiert werden.
  • Gegenwind durch Preisstrategie: Mit den zunehmenden Lockerungen in der Corona-Krise gibt es in der Freizeit wieder Alternativen zum Streaming. Im 2. Quartal konnte Netflix nur 2,7 Millionen neue Bezahlabos verkaufen. Besorgniserregend: Besonders schwach entwickelte sich das Geschäft in den Regionen, in denen der Streaming-Dienst die Preise angehoben hat. Auf dem wichtigen US-Markt ging die Zahl der Abonnenten sogar um 130.000 zurück. Die Preisstrategie, die Geld in die Kassen spülen sollte, wird also nicht angenommen.
  • Produktionsprobleme durch die Pandemie: Netflix hat zwar ein gut gefülltes Programmportfolio. Aber auch das könnte zur Neige gehen, wenn die Filmwirtschaft aufgrund der Corona-Probleme nicht wieder in Gang kommt. Aktuell werden kaum neue Produktionen realisiert.

Über Netflix

Netflix wurde von Reed Hastings und Marc Randolph 1997 in Kalifornien gegründet. Zunächst präsentierte sich das Unternehmen als Online-Videothek mit dem Versand von Filmen auf DVD und später Blu-Ray an seine Abonnenten. Mit zunehmender Schnelligkeit der Datenübertragung und sinkenden Kosten im Internet bot Netflix ab 2007 Filme auch online als Video-on-Demand an. Frühzeitig erkannte das Management das Wachstumspotenzial des Internets, den rasanten Fortschritt in der Übertragungsqualität und den Trend zu mehr Flexibilität beim Konsum bewegter Bilder, vor allem in der jüngeren Generation.

Die Expansion startete Netflix 2010 mit dem Erwerb der Rechte am Online-Vertrieb von Filmen der Studios MGM, Paramount und Lions Gate. In den folgenden Jahren setzte das Unternehmen zunehmend auf Eigenproduktionen, die Qualitätsmaßstäbe setzten. Mit preisgekrönten Serien wie „House of Cards“, „Narcos“ oder „The Crown“ und zunehmend auch Filmen wie zuletzt „The Irishman“ beschäftigt Netflix Hollywood-Größen als Schauspieler, Regisseure und Produzenten.

Bis 2010 war Netflix allein in den USA vertreten. Dann begann die internationale Expansion mit dem Schritt nach Kanada. Inzwischen ist Netflix nahezu weltweit mit Ausnahme von China vertreten und bietet ein internationales Programm. Die USA machen mit über 60 Millionen Abonnenten immer noch rund ein Drittel aller Kunden aus, gefolgt von Brasilien und Australien. Auch Deutschland befindet sich inzwischen unter den Top-Ten-Ländern mit mehr als sechs Millionen Kunden zum Jahresende 2019.

Im Streaming-Markt hat sich Netflix mit seinem breiten Programm und zahlreichen gefeierten Eigenproduktionen in den vergangenen Jahren einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz sichern können. Das schlägt sich auch an der Börse nieder. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 240 Milliarden US-Dollar hat Netflix inzwischen selbst das Traditionsunternehmen Disney hinter sich gelassen.

Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis wird durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 02.09.2020; Quelle: comdirect.de