Microsoft Bollwerk in der Krise

Microsoft Gebäude von außen
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In Corona-Zeiten steigert der Software-Gigant dank Cloud und Home-office Umsatz und Gewinn kräftig.

Microsoft steht stabil da: Neben den Traditionsprodukten Windows und Office, den Spielkonsolen und LinkedIn sorgt vor allem das Wachstumsfeld Cloud für Optimismus. Umsatz und Gewinn zogen zuletzt deutlich an. Bei den Analysten hat Microsoft aktuell ein hervorragendes Standing. Allerdings ist das Unternehmen zurzeit gemeinsam mit Apple das teuerste Unternehmen der Welt und entsprechend rückschlaggefährdet. Nach klassischen Bewertungskriterien ist die Aktie sehr hoch bewertet und für Value-Investoren uninteressant. Das traditionelle Geschäft mit Windows und der Gaming-Sektor entwickeln sich zurzeit unterdurchschnittlich. Zudem könnte es für deutsche Anleger Währungsverluste geben, wenn der US-Dollar nachgibt.

Pro Microsoft (WKN 870747)

  • Starke Marktstellung: Microsoft steht stabil auf drei Geschäftspfeilern. Jeweils rund ein Drittel des Umsatzes des Konzerns entfällt auf „Productivity & Business Processes“ mit den Office-Anwendungen und dem Businessnetzwerk LinkedIn, „More Personal Computing“ mit den Windows-Betriebssystemen und der Xbox sowie dem Wachstumsfeld „Intelligent Cloud“.
  • Hervorragende Geschäftszahlen: Mitten in der Krise glänzt Microsoft mit herausragenden Quartalszahlen. Der Umsatz kletterte im 3. Quartal des Geschäftsjahres 2019/2020 (zum 31. März) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 % auf 35 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn stieg überproportional um 22 % auf 10,8 Milliarden Dollar und die operative Marge machte einen Sprung um 320 Basispunkte auf 37,0 %.
  • Wachstumssektor Cloud: Die stärkste Sparte innerhalb des Unternehmens war erneut „Intelligent Cloud“. Besonders gefragt waren die Kooperations-Software Teams und die Cloud-Plattform Azure. Der gesamte Spartenumsatz stieg hier um 27,3 % auf 12,3 Milliarden US-Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Umsätze für „Azure“ legten sogar um rund 59 % zu.
  • Liebling der Analysten: Microsoft gehört bei den Analysten zu den beliebtesten Unternehmen. Aktuell ist die Bilanz nahezu blütenweiß, neun von zehn Experten im comdirect Analysten-Rating sehen die Aktie als „Kauf“, kein einziger empfiehlt „Halten“. Allerdings gibt es eine Empfehlung zum „Verkauf“. Der comdirect Analysten-Score liegt bei 80 %.

Contra Microsoft (WKN 870747)

  • Rückschlaggefahren: Trotz eines Absackers im März kratzt Microsoft im Mai schon wieder am Allzeithoch. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 1,6 Billionen US-Dollar kämpft der Konzern mit Apple um den Rang des teuersten Unternehmens der Welt. Der Konzern ist inzwischen allein so viel wert wie der gesamte FTSE 100 der Londoner Börse und entsprechend rückschlaggefährdet.
  • Hohe Bewertung: Trotz steigender Gewinne ist die Microsoft-Aktie inzwischen sehr ambitioniert bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 liegt bei fast 36 und damit deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Die Dividendenrendite ist trotz regelmäßiger Anhebung der Ausschüttungen auf rund 1 % gesunken. Für Value-Investoren und Dividendenjäger ist die Aktie nicht mehr interessant.
  • Schwächelndes Traditionsgeschäft: Die Sparte „More Personal Computing“ mit Windows, Gaming, Suchwerbung und Hardware schwächelt. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz nur um 3 % auf 11,0 Milliarden US-Dollar. Immerhin konnte Microsoft trotz eines stark rückläufigen globalen PC-Absatzes die Windows-Erlöse auf konstantem Niveau halten.
  • Starker Dollar: Deutsche Anleger profitierten in den vergangenen Jahren bei Investitionen in die Microsoft-Aktie doppelt: Zum einen stieg der Kurs in New York in schöner Regelmäßigkeit, zum anderen gab es Währungsgewinne durch den erstarkten Dollar. Das könnte sich ändern. Wenn der US-Dollar im Zuge der Corona-Krise gegenüber dem Euro nachgibt, drohen deutschen Anlegern Währungsverluste.

Über Microsoft

Microsoft wurde im April 1975 von Bill Gates und Paul Allen gegründet und ist der weltweit führende Softwarekonzern. Im Geschäftsjahr 2019 erwirtschaftete Microsoft mit knapp 115.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 125 Milliarden US-Dollar. Der Konzern gehört seit über 20 Jahren zu den am höchsten bewerteten Unternehmen an der Börse. Microsoft profitiert dabei von einer sehr starken Kontinuität in der Führung. Mit Bill Gates selbst (bis 2000), seinem Freund und Nachfolger Steve Ballmer (bis 2014) und schließlich dem Cloud-Spezialisten Satya Nadella (ab 2014) standen in 45 Jahren nur drei Männer an der Spitze.

Der rasante Aufstieg von Microsoft begann 1981 mit der Konzeption des Betriebssystems MS-DOS im Auftrag des führenden Computerherstellers IBM. Danach wurden in den 1980er-Jahren fast alle PCs von IBM und seinen zahlreichen Konkurrenten mit dem System ausgestattet. Nach der Trennung von IBM konnte Microsoft mit dem Nachfolger von MS-DOS, der grafischen Benutzeroberfläche Windows, und dem Büro-Softwarepaket Office in den 1990er-Jahren seine dominierende Position als Software-Lieferant bei PCs ausbauen.

Nach der Jahrtausendwende geriet Microsoft zunächst in Rückstand, weil das Unternehmen den Siegeszug des Internets und die sinkende Nachfrage nach PCs unterschätzt hatte. Auch die Übernahme des Handy-Geschäfts von Nokia war ein Flopp. Mit dem Kauf des Business-Netzwerks von LinkedIn, vor allem aber mit dem Ausbau des Cloud-Geschäfts, gelang unter Nadella die Wende. Inzwischen macht der Geschäftsbereich „Intelligent Cloud“ mehr als ein Drittel des Umsatzes aus und trug wesentlich dazu bei, dass Microsoft in den vergangenen Jahren regelmäßig neue Rekorde bei Umsatz und Gewinn aufstellte.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 08.07.2020; Quelle: comdirect.de