Gesundheitsbranche Merck: Börsenpower aus Südhessen

EIne Pharmazeutin mit Maske, die eine Probe in den Händen hält
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Der Darmstädter Konzern steht auf drei Geschäftsbeinen. Die Bewertung bleibt allerdings hoch.

Der Darmstädter Konzern steht auf den drei Standbeinen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Im 3. Quartal 2020 konnte Merck bei Umsatz- und Gewinn überzeugen. Dank Zukäufen von zwei Unternehmen entwickelten sich die Erlöse im Bereich Performance Materials besonders gut. Der Bereich Life Science wuchs auch aus eigener Kraft zweistellig. Allerdings beeinträchtigten ungünstige Währungsentwicklungen die Bilanz. Merck schüttet traditionell eher wenig Dividenden aus, und die Aktie ist relativ hoch bewertet. Bei den Analysten gilt Merck zurzeit mehrheitlich nur als Halteposition.

Pro Merck (WKN 659990)

  • Drei Standbeine: Merck hat rund 57.000 Mitarbeiter und ist im Sektor Healthcare mit Therapien zur Behandlung von schweren Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose und im Sektor Life Science mit Laborprodukten für die Pharmaforschung aktiv. Dazu kommt der Bereich Performance Materials, der auf die Herstellung von Flüssigkristallen für Smartphones oder LCD-Bildschirme spezialisiert ist.
  • Starkes Wachstum: Die Merck KGaA hat trotz Corona-Pandemie im 3. Quartal 2020 Fahrt aufgenommen. Der Umsatz kletterte konzernweit zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorjahr um 9,7 % auf über 4,4 Milliarden Euro. Die wichtigste Steuerungskennzahl, das EBITDA, legte gegenüber dem 3. Quartal 2019 um 53,0 % auf 1,7 Milliarden Euro zu.
  • Umsatz durch Zukäufe: Die Sparte für Spezialmaterialien steigerte ihre Umsätze im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 43 % auf 836 Millionen Euro. Ausschlaggebend für diesen Anstieg war der Beitrag aus den Akquisitionen von Versum Materials und Intermolecular. Das Geschäft mit Flüssigkristallen für Displays ging dagegen im Vorjahresvergleich um knapp 12 % zurück.
  • Starkes Servicegeschäft: Die Sparte Life Science blieb auch im 3. Quartal 2020 äußerst stabil. Sie konnte bei den Erlösen um 11,3 % auf 1,9 Milliarden Euro zulegen. Ohne negative Währungseffekte hätte das Wachstum sogar mehr als 15 % betragen. Treiber waren der gute Absatz bei Produkten und Dienstleistungen für die Herstellung von Arzneien.

Contra Merck (WKN 659990)

  • Belastender Währungseinfluss: Der Anstieg des Euro macht sich negativ bemerkbar. So sanken die Erlöse im Bereich Healthcare im 3. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,1 % auf 1,7 Milliarden Euro. Verantwortlich waren dafür neben dem Verkauf des Allergiegeschäfts Allergopharma (-1,2 %) vor allem negative Währungseffekte (-5,1 %). Organisch legte das Geschäft dagegen um 3,2 % zu.
  • Niedrige Dividende: Im Gegensatz zu vielen traditionell ausschüttungsstarken Pharmaunternehmen hält Merck die Aktionäre kurz. Zwar steigt die Dividende regelmäßig an und wurde für das vergangene Jahr von 1,25 Euro auf 1,30 Euro angehoben. Die Dividendenrendite liegt aber dennoch nur bei mageren 1,0 %.
  • Hohe Bewertung: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21 für das Jahr 2021 ist Merck im Branchenvergleich relativ hoch bewertet, und die Aussichten im zuletzt verlustbringenden LCD-Geschäft sind mager.
  • Analysten zurückhaltend: Merck steht bei den Experten zurzeit nicht sehr hoch in der Gunst. Eine Mehrheit (acht von 14) sieht die Aktie zurzeit als Halteposition. Als Kaufgelegenheit beurteilen sie lediglich fünf Experten. Allerdings empfiehlt sie auch nur einer zum Verkauf. Der comdirect Analystenscore liegt mit 29 % unter dem DAX-Durchschnitt.

Über Merck

Merck ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Schon im Jahr 1668 eröffnete Friedrich Jakob Merck in Darmstadt eine Apotheke. Im 19. Jahrhundert mauserte sich Merck zum umsatzstärksten Pharmaunternehmen im Deutschen Reich. 1894 wurde das erste Schilddrüsenpräparat weltweit entwickelt, 1903 das Schlafmittel Veronal. Seit 1908 gab es auch in den USA die Aktiengesellschaft Merck & Co. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden der deutsche und der amerikanische Teil des Unternehmens getrennt. Bis heute darf keine der beiden Firmen auf dem Kontinent der anderen unter ihrem Namen auftreten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Merck als Familienunternehmen weiter und profilierte sich auch mit Vitaminpräparaten und rezeptfreien Mitteln wie den Nasentropfen Nasivin. Zudem wurden die Forschung und Produktion von Flüssigkristallen aufgenommen. In den 1990er-Jahren expandierte Merck durch mehrere Übernahmen. Zur Finanzierung weiterer Zukäufe entschloss sich die Familie, das Unternehmen 1995 an die Börse zu bringen. Die Merck KGaA gab 26 % ihrer Anteile an Kommanditaktionäre aus, den Rest behielt die Familie. Der Börsengang im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro war der bis dahin größte IPO in der deutschen Geschichte.

Nach der Jahrtausendwende wurde der Konzern weiter umgebaut. Merck trennte sich von den rezeptfreien Medikamenten. Zwar scheiterte die Übernahme der Berliner Schering, aber mit der Übernahme des Schweizer Serono für mehr als 10 Milliarden Euro wurde Merck zum drittgrößten Biotechnologieunternehmen weltweit. Durch den Kauf der amerikanischen Millipore und Sigma-Aldrich sowie der britischen Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials stärkte Merck die Stammgeschäfte und ist heute bei Biotechnologie/Healthcare, Life Science (Laborbedarf) und Flüssigkristallen unter den Weltmarktführern. Im Jahr 2007 wurde der zunehmende Erfolg an der Börse mit dem Aufstieg in den DAX belohnt. Seitdem befindet sich das Unternehmen, das zuletzt mit rund 57.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von gut 16 Milliarden Euro erzielte, in der Top-Börsenliga. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 19 Milliarden gehört Merck zu den kleineren Unternehmen im Auswahlsegment.

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