Mercedes-Benz Group Mit Schwung und neuem Namen

Mercedes-Benz Group Fahne an der Bürofassade
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Der Absatz litt zuletzt stark unter der Halbleiterkrise. Die Trennung von den Trucks kommt aber an der Börse gut an.

Mercedes-Benz profitiert von seiner langen Tradition als Premium­marke. Die Aufspaltung des Daimler-Konzerns in Mercedes-Benz (Pkw und Vans) sowie Daimler Truck (Lkw und Busse) Ende 2021 kam am Markt gut an. Die Aktie ist im historischen Vergleich günstig bewertet und liefert eine hohe Dividendenrendite. Die Analysten sind aktuell für das Unternehmen sehr positiv gestimmt. Allerdings ging der Absatz im zweiten Halbjahr und damit auch im Gesamtjahr 2021 zurück. Trotz Zuwächsen beim Absatz vollelektrischer Autos liegt Mercedes-Benz meilenweit hinter Tesla zurück. Aufgrund der anhaltenden Produktionsbeeinträchtigungen durch die Chipknappheit und jetzt auch durch den Ukraine-Krieg sind Absatzrekorde nicht vor 2023 zu erwarten. Zudem muss Mercedes-Benz aktuell umfangreiche Rückrufe abarbeiten.

Pro Mercedes-Benz Group (WKN 710000)

  • Premiummarke immer noch stark: Mercedes-Benz profitiert von seiner langen Tradition und ist die weltweit renommierteste Premiummarke. Im chinesischen Zukunftsmarkt ist der Konzern gut positioniert. Die Aufspaltung in eine Lkw/Bus-Sparte und Auto/Van-Sparte im Jahr 2021 gibt beiden Bereichen mehr Möglichkeiten für Kooperationen mit neuen Partnern.
  • Trennung von Trucks: Als Spin-off ist die Daimler Truck Holding seit Dezember 2021 als eigenständige Gesellschaft an der Börse notiert und hat einen guten Start vorgelegt. Die neue Mercedes-Benz Group ist noch mit 35 % an der Truck-Sparte beteiligt und will langfristig von der Abspaltung profitieren – ähnlich wie der Siemens-Konzern mit Siemens Energy und Siemens Healthineers.
  • Niedrige Bewertung: Mercedes-Benz ist im historischen Vergleich und gemessen am DAX-Durchschnitt attraktiv bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf der Basis der Schätzungen für das Jahr 2022 liegt bei knapp sechs. Die Dividendenrendite liegt mit 7 % in der Spitzengruppe des DAX.
  • Analysten optimistisch: Die Mercedes-Benz-Aktie ist aktuell bei den Analysten sehr beliebt. 14 von 17 Experten sprechen sich für den „Kauf“ der Aktie aus. Drei empfehlen „Halten“, kein einziger setzt die Aktie auf „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore hat sich gegenüber den vergangenen Jahren deutlich erholt und liegt mit 82 % in der Spitzengruppe des DAX.

Contra Mercedes-Benz Group (WKN 710000)

  • Deutlicher Absatzrückgang: Mercedes-Benz hat 2021 vor allem wegen der Halbleiterkrise 5 % weniger Autos ausgeliefert als im Jahr 2020. Mit rund 2,05 Millionen Fahrzeugen lag der Konzern erstmals seit Jahren wieder hinter dem Erzrivalen BMW. In China gab es ein Minus von 2 %, in Europa sogar einen Rückgang von mehr als 11 %.
  • Herausforderung E-Mobilität: Für einen möglichst hohen Gewinn priorisierte der Konzern zuletzt neben den lukrativsten Modellen mit traditionellem Antrieb vor allem Elektroautos. Der Verkauf von vollelektrischen Modellen zog so im Vergleich zum Vorjahr um rund 90 % auf fast 100.000 Autos an. Von Marktführer Tesla ist Daimler aber noch sehr weit entfernt. Elon Musk setzte 2021 über 935.000 Elektroautos ab.
  • Rückkehr zur Normalität wohl erst 2023 möglich: Nach der Corona-Pandemie hat zuletzt die Halbleiterkrise die Autoindustrie und auch Mercedes empfindlich getroffen. Jetzt stört zudem der Krieg in der Ukraine die Lieferketten, weil dort u.a. Kabelbäume produziert werden. Eine Normalisierung des Geschäfts scheint frühestens im Sommer 2022 möglich. Neue Absatzrekorde sind erst für das Jahr 2023 zu erwarten.
  • Kostspielige Rückrufe: Weltweit muss Mercedes-Benz rund 850.000 Fahrzeuge verschiedener Baureihen in die Werkstatt zurückrufen. Allein in Deutschland sind fast 240.000 Fahrzeuge betroffen. Der Grund ist erhöhte Brandgefahr durch ein fehlerhaftes Umschaltventil in der Abgasrückführung. Die Kosten werden sich auf die Bilanz 2022 auswirken.

Über die Mercedes-Benz Group

Die Mercedes-Benz Group entstand 1926 als Daimler-Benz AG in Berlin aus der Fusion von zwei Firmen, die für den Durchbruch des Automobils in Deutschland und in der Welt entscheidend verantwortlich waren: die Daimler-Motoren-Gesellschaft und die Benz & Cie. Schon im Jahr 1883 hatte sich Gottlieb Daimler Patente für einen Gasmotor gesichert. Daraus wurde der erste schnelle Verbrennungsmotor. Carl Benz wiederum hatte sich 1886 ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung als „Automobil“ patentieren lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg profilierte sich der Konzern mit der Marke Mercedes als Premium-Automobilhersteller und techno­logischer Marktführer. Zu den wichtigsten Innovationen gehörten 1951 die Sicherheitsfahrgastzelle mit Knautschzonen, 1978 das elektronische Bosch-Antiblockiersystem (ABS) und 1981 der Airbag sowie der Gurtstraffer. Dem neuen Konzernchef Edzard Reuter reichte der Erfolg im Autobusiness jedoch nicht mehr. Er baute ab den 1980er-Jahren mit dem Kauf von Dornier, MTU, Fokker und der AEG einen integrierten Industriekonzern auf. Sein Nachfolger Jürgen Schrempp kippte diese Politik und wollte stattdessen einen weltweiten Autokonzern kreieren. Neben einer Beteiligung am japanischen Hersteller Mitsubishi fusionierte er daher Daimler-Benz 1998 mit Chrysler zur DaimlerChrysler AG und förderte den Kleinwagen Smart. Diese Politik schlug jedoch fehl. Nach neun Jahren Fusion und Milliardenverlusten wurde Chrysler im Jahr 2007 verkauft und ist inzwischen Teil von Stellantis.

Nach der Finanzkrise konnte sich Daimler unter Dieter Zetsche als weltgrößte Premiummarke stabilisieren. Mit über 150 Milliarden Euro Umsatz und fast 300.000 Beschäftigten gehörte der Konzern zu den größten Unternehmen Deutschlands. 2019 spaltete Daimler seine Tätigkeiten in drei eigenständige Unternehmen auf – die Mercedes-Benz AG für Pkw und Vans, Daimler Truck für Lkw und Busse und Daimler Mobility für Fahrzeugfinanzierungen, Flottenmanagement und Mobilitätsdienstleistungen. Die Daimler Truck Holding AG wurde im Dezember 2021 an die Börse gebracht. Altaktionäre von Daimler erhielten für jeweils zwei Aktien ein Papier der Truck AG. Zum 1. Februar wurde Daimler in Mercedes-Benz Group umbenannt. Sie gehörte bereits seit Auflage des DAX unter verschiedenen Namen zum DAX. Die Daimler Truck Holding AG dürfte schon bald als zweites Unternehmen aus dem Konzern in den Auswahlindex aufrücken.

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