LVMH Trotz Gewinneinbruchs gefragt

Louis Vuitton-Tasche in einem Schaufenster in der Via Montenapoleone
© anzeletti via Getty Images/iStockphoto

Der französische Luxuskonzern gehört mit seinen Tochterunternehmen zu den bekanntesten Marken der Welt und hält sich trotz Umsatz- und Gewinneinbruchs stabil.

LVMH dominiert das Luxussegment. Als Basisinvestment ist das am höchsten bewertete französische Unternehmen in Fonds und ETFs an führender Stelle präsent. Der Zukauf von Tiffany & Co., mit dem LVMH die Führungsposition auf dem Weltmarkt weiter ausbauen wollte, ist erst einmal auf Eis gelegt. Bei den Analysten steht die Aktie von LVMH nahezu einhellig auf der Kaufliste. Allerdings sind die Umsätze im ersten Halbjahr durch die Corona-Pandemie eingebrochen. Der Gewinn ging überproportional zurück. Vorsorglich hat LVMH auch die Dividende für das vergangene Jahr gekürzt. Die Bewertung der Aktie ist noch einmal deutlich gestiegen und preist damit eine schnelle Erholung von der Krise ein.

Pro LVMH (WKN 853292)

  • Führender Kosmetikkonzern: LVMH steht für Louis Vuitton Moët Hennessy und ist der bekannteste Luxusgüter-Konzern weltweit. Unter dem Dach des Konzerns finden sich rund 70 Nobelmarken von Mode & Lederwaren über Wein & Spirituosen, Parfum & Kosmetik bis zu Uhren & Schmuck. Neben den Gründungs-Namensgebern gehören dazu u. a. Dior, Kenzo, Bulgari, Ebel und der Kölner Kofferspezialist Rimowa.
  • Dominante Marktposition: LVMH hält sich angesichts des stark von der Corona-Pandemie beeinträchtigten Geschäfts bemerkenswert stabil. Nach einem Kurseinbruch im Frühjahr ist das Unternehmen an der Börse wieder mit gut 200 Milliarden Euro bewertet und das mit Abstand teuerste Unternehmen Frankreichs. In Frankreichfonds, ETFs und Themenfonds ist die Aktie ein Basisinvestment. 
  • Streit mit Tiffany: Schon 2019 hatte LVMH angekündigt, den US-Juwelier Tiffany für umgerechnet 14,3 Milliarden Euro zu übernehmen. Aktuell streiten sich beide Unternehmen allerdings vor Gericht. Ob der Kauf überhaupt realisiert wird, ist im Momennt noch unklar.
  • Begeisterte Analysten: LVMH gehört seit Langem zu den Analystenfavoriten im Euro STOXX 50. Daran haben auch die Covid-Pandemie und die Rezession nichts geändert. Von 12 Experten im comdirect Analystenranking sehen zurzeit zehn die Aktie als Kauf. Nur zwei geben eine Halteempfehlung ab, kein Einziger votiert für einen Verkauf. Der Analystenscore liegt damit bei hervorragenden 83 %.

Contra LVMH (WKN 853292)

  • Starke Umsatzeinbußen: Die Corona-Pandemie hat LVMH stark erwischt. Die Produktion war eingeschränkt, die Geschäfte teilweise geschlossen und der umsatzfördernde internationale Tourismus lag brach. Um mehr als 25 % ging der Umsatz des französischen Luxuskonzerns im 1. Halbjahr gegenüber dem Vorjahr zurück. Allein im 2. Quartal betrug das Minus 38 %.
  • Überdurchschnittlicher Gewinneinbruch: Die Fixkosten konnte LVMH an die gesunkenen Umsätzen nicht so schnell anpassen. Entsprechend sank das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) in den ersten sechs Monaten überproportional um 70 % auf rund 1,7 Milliarden Euro. Netto lag das Ergebnis des Konzerns nur noch bei 522 Millionen Euro und damit um mehr als 80 % unter dem des Vorjahreszeitraums.
  • Dividende gekürzt: Obwohl die Geschäfte im vergangenen Jahr hervorragend liefen, hat LVMH die Dividende für das Jahr 2019 von ursprünglich anvisierten 6,80 Euro auf 4,80 Euro gesenkt. Damit wurde die Bilanz im Vorgriff auf die schlechten Ergebnisse des laufenden Jahres geschont. Die traditionell ohnehin nicht üppige Dividendenrendite ist damit nochmals gesunken. Sie liegt aktuell nur bei 1,2 %.
  • Hohe Bewertung: Die Aktie von LVMH hat sich trotz der massiven Umsatz- und Gewinneinbrüche in der Corona-Pandemie gut gehalten. Die Kehrseite: Aktuell notiert der Luxuskonzern bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 49 – und damit sehr weit über dem Durchschnitts-KGV des Leitindex der Pariser Börse CAC 40. Um das zu rechtfertigen, müssen die Umsätze schnell wieder steigen.

Über LVMH

LVMH ist ein noch verhältnismäßig junger Konzern. Er entstand 1987 durch die Fusion der beiden französischen Traditionsunternehmen Louis Vuitton und Moët Hennessy. Schon damals verfügte der Konzern neben den Gründungsmarken über zahlreiche weitere Nobelnamen. Aufgrund von Streitigkeiten über die Unternehmensführung stieg wenig später der Eigentümer von Dior als Teilhaber bei LVMH ein – Bernard Arnault. 1989 übernahm Arnault das Amt des Präsidenten, das er bis heute bekleidet. Er übernahm zudem schnell über 45 % des Unternehmens.

Mitte der 1990er-Jahre erweiterte LVMH das Geschäft im Einzelhandel, investierte in die Parfumkette Sephora und war zwischenzeitlich auch an der deutschen Douglas beteiligt. Mit dem Aufschwung der Emerging Markets nach der Jahrtausendwende folgte eine Phase stürmischen Umsatz- und Gewinnwachstums. LVMH nutze die Geschäftslage für weitere Zukäufe. So kaufte das Unternehmen 2011 die italienische Bulgari und zwei Jahre später Loro Piana. 2017 übernahm LVMH die Mehrheit am Kölner Kofferhersteller Rimowa. Noch in diesem Jahr soll die Übernahme von Tiffany abgeschlossen werden. Inzwischen beschäftigt LVMH mehr als 150.000 Mitarbeiter, die zuletzt fast 54 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten.

Neben dem Geschäft mit Luxuswaren und dem Einzelhandel unterhält die Holding noch zahlreiche Nebengeschäfte. Dazu gehören einige Luxushotels, aber auch Beteiligungen im Mediengewerbe. So ist LVMH und damit mittelbar Bernard Arnault Eigentümer der populären Tageszeitung „Le Parisien“ und der führenden Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Arnault selbst ist wegen seines nahezu 50-prozentigen Anteils an LVMH seit einigen Jahren der reichste Europäer. Im weltweiten Forbes-Ranking der vermögendsten Privatmenschen belegte er 2019 Rang zwei, 2020 Rang drei.

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