L’Oréal Umsatz zieht wieder an

L’Oréal Nagellack
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Der Pariser Kosmetikkonzern hat trotz Corona-Pandemie die Trendwende geschafft. Geholfen hat vor allem das China-Geschäft.

Die Pariser L’Oréal ist mit 36 Marken der größte Kosmetikkonzern der Welt. Im 4. Quartal 2020 stiegen die Umsätze trotz Pandemie deutlich gegenüber dem Vorjahr an. Dazu hat vor allem der starke Zuwachs in China beigetragen. Investitionen in die Zukunft wurden auch in Zeiten der Pandemie nicht gekürzt. Im Gesamtjahr 2020 blieb L´Oréal aber bei Umsatz und Gewinn hinter den Vorjahreswerten zurück. In Europa ist die Trendwende noch nicht gelungen. Die Aktie ist ambitioniert bewertet und liefert nur unterdurchschnittliche Dividendenrenditen. Für die Analysten ist L’Oréal aktuell mehrheitlich nur eine Halteposition.

Pro L’Oréal (WKN 853888)

  • Führender Kosmetikkonzern: Das Pariser Unternehmen ist der größte Kosmetikhersteller der Welt. Mit 36 Marken im Bereich der Haarpflege und Kosmetika bedient der Konzern Friseursalons und Apotheken, Einzelhandel und zunehmend den Online-Handel im mittleren und hohen Preissegment. Zu den Top-Marken gehören neben L’Oréal Paris selbst Bodyshop, Vichy, Garnier und Giorgio Armani.
  • Trendwende beim Umsatz: Nach der schwierigen ersten Jahreshälfte hat sich bei L´Oréal im 4. Quartal die Erholungstendenz des Spätsommers fortgesetzt. Im Weihnachtsquartal stiegen die Umsätze auf vergleichbarer Basis um knapp 5 % auf 7,9 Milliarden Euro. Dazu trugen insbesondere die starken Zuwächse im Segment der dermatologischen Hautpflegeprodukte bei.
  • Starkes Plus in Asien: Die mit Abstand stärksten Zuwächse erzielte L’Oréal in China und im asiatisch-pazifischen Raum. Der Umsatz legte im 4. Quartal 2020 auf vergleichbarer Basis um 16,6 % auf rund 3,1 Milliarden zu. Gleichzeitig konnte das Unternehmen in allen Segmenten den Marktanteil steigern, insbesondere im Hautpflegebereich mit den Marken Lancôme, Kiehl’s und Helena Rubinstein.
  • Stabile Konzernstruktur: Seit Jahrzehnten halten die Familie Bettencourt und der strategische Investor Nestlé die Aktienmehrheit bei L’Oréal. Das sorgt für Kontinuität in der Geschäftspolitik. So hat das Unternehmen gegen den Trend auch mitten in der Krise alle vorgesehenen Markteinführungen durchgeführt und zusätzlich in Vertrieb und Werbung investiert.

Contra L’Oréal (WKN 853888)

  • Jahresminus bei Umsatz und Gewinn: Trotz eines besseren zweiten Halbjahres konnte L´Oréal das Minus aus der ersten Jahreshälfte nicht mehr ausgleichen. Im Gesamtjahr sank der Umsatz um 6,3 % auf knapp 28 Milliarden Euro. Beim Betriebsgewinn verzeichnet L’Oreal 2020 ein Minus von 6,1 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Der Nettogewinn ging um 5 % auf rund 3,6 Milliarden Euro zurück.
  • Anhaltende Schwäche in Europa: Durch die erneut verschärfte Coronavirus-Lage in Europa und die zunehmenden Lockdowns notierten die Umsätze in Europa im 4. Quartal 2020 deutlich unter dem Vorjahreszeitraum. Im Kernmarkt Westeuropa gingen die Erlöse um 5,9 % auf 2,05 Milliarden Euro zurück, in Osteuropa um 3,2 % auf 431 Millionen Euro.
  • Hohe Bewertung: Die Aktie von L’Oréal hat sich über die vergangenen Jahre positiv entwickelt. Der Gewinn konnte mit der Performance nicht mithalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2021 notiert deshalb bei rund 39 und damit weit über dem Durchschnitts-KGV des CAC 40. Die Dividendenrendite liegt dagegen mit 1,4 % deutlich unter dem Durchschnitt des französischen Aktienmarktes.
  • Zurückhaltende Analysten: Die Experten sind angesichts der hohen Bewertung recht skeptisch für die L’Oréal-Aktie. Größere Kurssprünge trauen sie dem Papier nicht mehr zu. Sechs Analysten sehen die Aktie aktuell als „Halteposition“. Fünf empfehlen den Kauf, zwei den „Verkauf“. Der Analystenscore liegt damit bei unterdurchschnittlichen 23 %.

Über L’Oréal

1909 gründete der Pariser Chemiker Eugène Schueller das Unternehmen L’Oréal. Seine ersten Produkte waren Haarfärbemittel. Aber schon bald dehnte er sein Spektrum aus und stellte diverse Schönheitsprodukte her. Schueller erfand Shampoos wie Dopal und kreierte 1935 mit Ambre Solaire auch die erste Sonnencreme. 1964 wurde Lancôme als neue Luxusmarke lanciert, ein Jahr danach übernahm L’Oréal den Konkurrenten Garnier. 1973 schließlich erwarb L’Oréal den französischen Pharmakonzern Synthélabo, der kurz vor der Jahrtausendwende mit Sanofi vereint wurde.

Neben den Stammmärkten in Europa und Nordamerika wächst L’Oréal seit den 1990er-Jahren vor allem in Asien schnell, speziell in China. Dazu trug auch eine offensive Akquisitionsstrategie bei. So kaufte der Konzern schon vor der Jahrtausendwende die bekannten Marken Dralle, Jade, 1996 Maybelline; nach der Jahrtausendwende kamen unter anderem Kiehl’s, Yue-Sai, SkinCeuticals oder NYX Cosmetics und Urban Decay hinzu. Zu dem französischen Konzern gehören inzwischen 36 internationale Marken, die in vier Divisionen unterteilt sind: professionelle Produkte für Friseur- und Schönheitssalons, Konsumprodukte im mittleren Preissegment, Luxusmarken im hohen Preissegment sowie professionelle Hautpflegeprodukte und Apothekenkosmetik. Für die vier Geschäftsbereiche unterhält L’Oréal Forschungseinrichtungen und Entwicklungscenter auf allen Kontinenten.

L’Oréal war seit der Gründung des Unternehmens weitgehend in Familienhand. 1974 entschied sich die Tochter von Eugène Schueller, Liliane Bettencourt, für eine Kooperation mit Nestlé. Seitdem ist der Schweizer Konsumgigant an L’Oréal beteiligt. Aktuell hält die Familie Bettencourt 33,3 % der Aktien, Nestlé 23,3 %, der Rest befindet sich im Streubesitz. Die konstante Führungsstruktur und der relativ kleine Streubesitz könnten zur positiven Entwicklung der L’Oréal-Aktie beigetragen haben, die seit Jahren ein Pfeiler im Euro STOXX 50 ist. L’Oréal gehört mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 180 Milliarden Euro zu den teuersten Unternehmen Frankreichs.

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