Industriegase Linde: Fantasie dank „grünem“ Wasserstoff

Linde
© Krblokhin via Getty Images/iStockphoto

Der Weltmarktführer im Geschäft mit Industriegasen profitiert von der Fantasie im Zukunftssektor „Grüner Wasserstoff“.

Linde ist unangefochtener Weltmarktführer im Bereich der Industriegase. Im Jahr 2020 stieg der Gewinn des Unternehmens deutlich an. Linde gilt auch im Wettbewerb um den Zukunftsantrieb „Grüner Wasserstoff“ als Basisinvestment. Die Analysten sind von den Aussichten des Konzerns überzeugt. Allerdings konnte der coronabedingte Umsatzeinbruch bisher nicht aufgeholt werden und ungünstige Wechselkurse belasten die Bilanz. Die Verschuldung ist durch die Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Praxair immer noch hoch. Die Aktie ist ambitioniert bewertet und hat nur eine unterdurchschnittliche Dividendenrendite.

Pro Linde (WKN A2DSYC)

  • Weltmarktführer: Linde plc ist die weltweite Nummer eins im Segment der Industriegase und in mehr als 100 Ländern tätig. Industriegase werden unter anderem in der Chemie-, Energie- und Stahlbranche sowie in der Medizin benötigt. Die heutige Linde plc entstand 2018 durch die Fusion der deutschen Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair.
  • Deutliche Gewinnsteigerung: Linde steuert bislang vergleichsweise stabil durch die Corona-Virus-Krise. Das Betriebsergebnis legte im Gesamtjahr 2020 gegenüber 2019 um 10 % auf 3,3 Milliarden zu, der Gewinn stieg von 2,3 Milliarden auf 2,5 Milliarden Dollar. Auch 2021 will der Konzern von gut laufenden Geschäften rund um das Gesundheitswesen, Elektronik und saubere Energie profitieren.
  • Positive Prognose: Linde ist neben Air Liquide nicht nur einer der beiden Weltmarktführer bei Industriegasen, sondern deckt auch das gesamte Portfolio der Wasserstofftechnologie, -produktion und -infrastruktur ab. Damit ist Linde eines der Basisinvestments im Zukunftsmarkt „Grüner Wasserstoff“.
  • Überzeugte Experten: Die Analysten sind von Linde überzeugt. Von 15 Experten setzen aktuell 13 die Aktie auf „Kauf“, zwei empfehlen „Halten“. Kein einziger sieht das Linde-Papier als „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt mit herausragenden 87 % an der Spitze des DAX.

Contra Linde (WKN A2DSYC)

  • Umsatzschwund: Auch mit guten Auftragseingängen und Umsätzen im zweiten Halbjahr konnte Linde den schweren Umsatzeinbruch im Frühling nicht komplett kompensieren. Im Gesamtjahr 2020 gingen die Erlöse gegenüber 2019 um rund 3 % auf 27,2 Milliarden US-Dollar zurück, weil sich Projekte wegen der Corona-Pandemie verzögerten.
  • Hohe Unternehmensschulden: Nach der Übernahme von Praxair und im schwierigen Corona-Jahr 2020 sind die Unternehmensschulden deutlich angestiegen. Zum Jahresende lag die Nettoverschuldung des Konzerns bei 12,3 Milliarden US-Dollar, 1,3 Milliarden mehr als zum vorherigen Jahresende.
  • Ambitionierte Bewertung: Nach der guten Kursentwicklung in den vergangenen Jahren ist Linde inzwischen ambitioniert bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2021 liegt bei 27. Wenn die Gewinnentwicklung enttäuscht, könnte es einen deutlichen Kursrückschlag geben.
  • Magere Dividende: Linde zahlt regelmäßig Dividenden und erhöht sie meist. Mit der stürmischen Kursentwicklung der vergangenen Jahre konnte der Zuwachs jedoch nicht mithalten. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei rund 1,7 % – rund die Hälfte des DAX-Durchschnitts.

Über Linde

Linde gehört zu den ältesten deutschen Industriekonzernen. Schon 1873 hatte Carl von Linde für die Spaten Brauerei eine Kältemaschine entworfen. 1879 wurde die Linde’s Eismaschinen Aktiengesellschaft gegründet. Der geniale Erfinder Linde baute nach der Jahrhundertwende auch die ersten Sauerstoffmaschinen, die die sogenannte „Linde-Luft“ aus 50 % Sauerstoff und 50 % Stickstoff enthielt. 1907 gründete Carl von Linde mit Linde Air Products eine US-amerikanische Niederlassung, die im Ersten Weltkrieg konfisziert und 1989 unter dem Namen Praxair an die Börse gebracht wurde.

Ab 1933 produzierte Linde Diesel- und Gasmotoren sowie Generatoren. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Linde zum Spezialisten für Industriegase und Kältemittel sowie Gabelstapler. 1993 gründete das Münchner Unternehmen ein Joint Venture in China zur Herstellung von Staplern. Mit dem Antritt des Automanagers Wolfgang Reitzle im Jahr 2003 fokussierte sich Linde auf das Kerngeschäft mit Industriegasen. 2004 verkaufte er die Kältetechnik, 2006 dann auch das Staplergeschäft an Finanzinvestoren, die es später unter dem Namen Kion an die Börse brachten. Schwerpunkt von Linde waren danach die Abteilungen „Gase“ und „Engineering“.

Technische Gase werden unter anderem in der Medizin (z. B. Endoskopie und Beatmung), in der Lebensmittelindustrie (Kühlen und Frosten von Lebensmitteln mit Stickstoff und Kohlenstoffdioxid), in der chemischen Industrie, der Metallurgie und am Bau gebraucht. Das Segment Engineering umfasst die Beratung, den Vertrieb und den Bau maßgeschneiderter Großanlagen vor allem für die Chemie- und Petrochemiebranche, die Erdgasaufbereitung, die Pharmaindustrie sowie für Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen. Auch im Zukunftsgeschäft des grünen Wasserstoffs ist Linde gut positioniert.

Linde gehörte schon 1988 zu den Gründungsmitgliedern des DAX. Über Jahrzehnte war der Münchner Konzern eher ein mittelgroßes Mitglied der DAX-Familie. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Denn 2018 fusionierte die Linde AG nach über 100 Jahren mit der alten amerikanischen Tochter Praxair zur Linde plc. Der Unternehmenssitz liegt jetzt in Irland. Dennoch verblieb Linde im DAX und setzte seinen Kurshöhenflug fort. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden Euro gehört der Konzern inzwischen zu den drei wertvollsten deutschen Unternehmen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 24.02.2021; Quelle: comdirect.de