Industriegase Linde: Fantasie dank „grünem“ Wasserstoff

Linde
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Der Weltmarktführer im Geschäft mit Industriegasen profitiert von der Fantasie im Zukunftssektor „Grüner Wasserstoff“.

Linde ist unangefochtener Weltmarktführer im Bereich der Industriegase. Im dritten Quartal 2020 stieg der Gewinn des Unternehmens deutlich an. Linde gilt auch im Wettbewerb um den Zukunftsantrieb „Grüner Wasserstoff“ als Basisinvestment. Die Analysten sind von den Aussichten des Konzerns überzeugt. Allerdings konnte der coronabedingte Umsatzeinbruch bisher nicht aufgeholt werden und ungünstige Wechselkurse belasten die Bilanz. Die Verschuldung ist durch die Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Praxair immer noch hoch. Die Aktie ist ambitioniert bewertet und hat nur eine unterdurchschnittliche Dividendenrendite.

Pro Linde (WKN A2DSYC)

  • Weltmarktführer: Linde plc ist die weltweite Nummer eins im Segment der Industriegase und in mehr als 100 Ländern tätig. Industriegase werden unter anderem in der Chemie-, Energie- und Stahlbranche sowie in der Medizin benötigt. Die heutige Linde plc entstand 2018 durch die Fusion der deutschen Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair.
  • Deutliche Gewinnsteigerung: Linde steuert bislang vergleichsweise stabil durch die Corona-Virus-Krise. Im dritten Quartal 2020 sanken zwar die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um rund 2 % auf knapp 6,9 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis steigerte Linde aber um 9 % auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einer Umsatzrendite von 22,1 %.
  • Positive Prognose: Linde ist neben Air Liquide nicht nur einer der beiden Weltmarktführer bei Industriegasen, sondern deckt auch das gesamte Portfolio der Wasserstofftechnologie, -produktion und -infrastruktur ab. Damit ist Linde eines der Basisinvestments im Zukunftsmarkt „Grüner Wasserstoff“.
  • Überzeugte Experten: Die Analysten sind von Linde überzeugt. Von 15 Experten setzen aktuell zwölf die Aktie auf „Kauf“, drei empfehlen „Halten“. Kein einziger sieht das Linde-Papier als „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt mit 80 % an der Spitze des DAX.

Contra Linde (WKN A2DSYC)

  • Umsatzschwund: In den USA ist der Umsatzschwund infolge der Corona-Krise noch nicht aufgeholt. Im Vergleich zum zweiten Quartal legten die Erlöse zwar im dritten Quartal um 9 % auf 2,64 Milliarden US-Dollar zu, sie notierten aber dennoch um 5 % unter dem Vorjahr. Konzernweit lag der Umsatz in den ersten neun Monaten 2020 bei knapp 20 Milliarden US-Dollar gegenüber 21,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
  • Hohe Unternehmensschulden: Nach der Übernahme von Praxair und im schwierigen Corona-Jahr 2020 sind die Unternehmensschulden deutlich angestiegen. Aktuell liegen die Verbindlichkeiten bei 38,6 Milliarden US-Dollar. Zu Jahresanfang hatten sie noch bei 35,0 Milliarden gelegen.
  • Ambitionierte Bewertung: Nach der guten Kursentwicklung in den vergangenen Jahren ist Linde inzwischen ambitioniert bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2021 liegt bei knapp 30. Wenn die Gewinnentwicklung enttäuscht, könnte es einen deutlichen Kursrückschlag geben.
  • Magere Dividende: Linde zahlt war regelmäßig Dividenden und erhöht sie meist. Mit der stürmischen Kursentwicklung der vergangenen Jahre konnte der Zuwachs jedoch nicht mithalten. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei rund 1,6 % – rund die Hälfte des DAX-Durchschnitts.

Über Linde

Linde gehört zu den ältesten deutschen Industriekonzernen. Schon 1873 hatte Carl von Linde für die Spaten Brauerei eine Kältemaschine entworfen. 1879 wurde die Linde’s Eismaschinen Aktiengesellschaft gegründet. Der geniale Erfinder Linde baute nach der Jahrhundertwende auch die ersten Sauerstoffmaschinen, die die sogenannte „Linde-Luft“ aus 50 % Sauerstoff und 50 % Stickstoff enthielt. 1907 gründete Carl von Linde mit Linde Air Products eine US-amerikanische Niederlassung, die im Ersten Weltkrieg konfisziert und 1989 unter dem Namen Praxair an die Börse gebracht wurde.

Ab 1933 produzierte Linde Diesel- und Gasmotoren sowie Generatoren. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Linde zum Spezialisten für Industriegase und Kältemittel sowie Gabelstapler. 1993 gründete das Münchner Unternehmen ein Joint Venture in China zur Herstellung von Staplern. Mit dem Antritt des Automanagers Wolfgang Reitzle im Jahr 2003 fokussierte sich Linde auf das Kerngeschäft mit Industriegasen. 2004 verkaufte er die Kältetechnik, 2006 dann auch das Staplergeschäft an Finanzinvestoren, die es später unter dem Namen Kion an die Börse brachten. Schwerpunkt von Linde waren danach die Abteilungen „Gase“ und „Engineering“.

Technische Gase werden unter anderem in der Medizin (z. B. Endoskopie und Beatmung), in der Lebensmittelindustrie (Kühlen und Frosten von Lebensmitteln mit Stickstoff und Kohlenstoffdioxid), in der chemischen Industrie, der Metallurgie und am Bau gebraucht. Das Segment Engineering umfasst die Beratung, den Vertrieb und den Bau maßgeschneiderter Großanlagen vor allem für die Chemie- und Petrochemiebranche, die Erdgasaufbereitung, die Pharmaindustrie sowie für Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen. Auch im Zukunftsgeschäft des grünen Wasserstoffs ist Linde gut positioniert.

Linde gehörte schon 1988 zu den Gründungsmitgliedern des DAX. Über Jahrzehnte war der Münchner Konzern eher ein mittelgroßes Mitglied der DAX-Familie. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Denn 2018 fusionierte die Linde AG nach über 100 Jahren mit der alten amerikanischen Tochter Praxair zur Linde plc. Der Unternehmenssitz liegt jetzt in Irland. Dennoch verblieb Linde im DAX und setzte seinen Kurshöhenflug fort. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 110 Milliarden Euro gehört der Konzern inzwischen zu den drei wertvollsten deutschen Unternehmen.

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