- Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mercosur entfesselt neue Kräfte.
- Lateinamerika verfügt über fast alle Rohstoffe, die Europa benötigt.
- Aktien aus Brasilien und den Nachbarländern sind immer noch günstig bewertet.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, kurz Lula, hat die Reife des Alters. Ob Xi Jinping, Donald Trump, Emmanuel Macron und natürlich auch Friedrich Merz: Der 80-jährige Politveteran nennt sie alle „seine Freunde“. Ganz ernst ist das natürlich nicht gemeint. Aber ein friedliches Miteinander wünscht sich der ehemalige Gewerkschaftsführer sicherlich und Handel möchte er unabhängig von politischen Differenzen grundsätzlich mit allen treiben: „Wenn deutsche Industrien mit erneuerbarer Energie produzieren wollen, dann ist Brasilien der richtige Standort“, warb Lula im April bei der Hannover Messe, wo Brasilien in diesem Jahr das Gastland war. Rund die Hälfte des Energiemix stamme in seinem Land bereits aus erneuerbaren Quellen.
Nicht nur beim Thema Energie lässt Europa zurzeit auf Lulas Brasilien und die Nachbarländer schauen. „Lateinamerika profitiert von seinem Rohstoffreichtum, strukturellen Verschiebungen in globalen Lieferketten und neuen geopolitischen Partnerschaften“, sagt Gottfried Urban, Geschäftsführender Gesellschafter der Urban & Kollegen GmbH Vermögensmanagement: „Diese Faktoren steigern die Bedeutung der Region deutlich. In den weltweiten Indizes ist das noch nicht angekommen.“ Zwar steht Lateinamerika für 14 % der Wirtschaftsleistung der Emerging Markets, im MSCI Emerging Markets Index macht der Anteil von Unternehmen aus der Region neben den vorherrschenden asiatischen Staaten aber gerade einmal 7 % aus.
Neue Anbindung an Europa
Das sollte sich ändern. Ein wichtiger Grund ist das Freihandelsabkommen, das im Januar 2026 zwischen der Europäischen Union und der 1991 gegründeten lateinamerikanischen Freihandelszone Mercosur abgeschlossen wurde. Zum 1. Mai ist die vorläufige Fassung in Kraft getreten, die mittelfristig eine Wirtschaftsregion mit über 700 Millionen Menschen entstehen lässt. Das Abkommen schafft zum einen niedrigere Zölle für Waren und Dienstleistungen. Das ist in Zeiten von zunehmenden Handelsrestriktionen wichtig. Zum anderen gibt es damit auch verbindlichere Regeln für Investitionen in den Ländern des anderen Kontinents, für den Schutz geistigen Eigentums und verbesserten Zugang zu wichtigen Rohstoff- und Industriemärkten.
Schon seit Jahren wächst der Handel zwischen den lateinamerikanischen Staaten und Europa. Zuletzt war die Handelsbilanz annähernd ausglichen, mit jeweils rund 55 Milliarden Euro an Import- und Export. Dies dürfte jedoch erst ein Anfang sein. Denn neben den sinkenden Zöllen spricht ein weiterer wichtiger Treiber für verstärkten Wirtschaftsaustausch zwischen der Europäischen Union und dem lateinamerikanischen Mercosur. Wegen der zunehmenden politischen Friktionen in der Welt gibt es einen Trend zum Near-Shoring. Das heißt: Unternehmen verlagern ihre Produktions- und Lieferketten aus Asien und dem Nahen Osten in geografisch nähere und politisch stabilere Regionen. Für die USA und Europa gewinnen die lateinamerikanischen Produktions- und Rohstoffstandorte deshalb an Attraktivität.
Reich an Rohstoffen
Lateinamerika hat fast alles, was die Industriestaaten benötigen: Auch wenn Venezuela bereits 2017 als Mitglied von Mercosur suspendiert wurde, ist die Region ein großer Lieferant von Öl. Vor allem Brasilien verfügt über enorme Vorkommen, die exploriert werden können. Daneben haben die Länder auch wichtige Vorkommen an klassischen Industriemetallen wie Nickel und Zink und vor allem Kupfer – unabdingbar für das Gelingen der Energiewende. Dazu liegt nahezu die Hälfte der globalen Lithium-Ressourcen, die als wirtschaftlich abbaubar gelten, in den Mercosur-Ländern Chile, Argentinien, Bolivien. Und schließlich gilt die Region als Reservoir für seltene Erden und kann damit Zug um Zug die Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten mindern. Mit Lateinamerika an der Seite wird Europa die Energiewende deutlich leichter fallen.
Gemanagte Fonds und ETFs verfügbar
Nur relativ wenige Aktien aus Mittel- und Südamerika sind in Deutschland in ausreichendem Maße handelbar. Auch in den gängigen Emerging-Markets-Fonds und ETFs spielen die Aktien des Kontinents nur eine geringe Rolle. Allerdings können Anlegerinnen und Anleger auch auf spezialisierte Produkte zugreifen. Zu den erfolgreichsten aktiv gemanagten Aktienfonds gehören der Templeton Latin America Fund USD, der Amundi Latin America Equity A USD, der Barings Latin America Fund und der JPMorgan Latin America Equity Fund – A. Alle 4 investieren schon seit mehr als 30 Jahren in der Region.Am stärksten gewichtet sind bei allen Fonds in der Regel Finanzunternehmen sowie der Bergbaukonzern Vale und das Mineralölunternehmen Petrobras aus Brasilien.
Auch via ETF können Anlegerinnen und Anleger in Lateinamerika investieren. Der Amundi Amundi MSCI Em Latin America gibt seit 15 Jahren die Wertentwicklung des MSCI Emerging Markets Latin America Index wieder. Er investiert vor allem in die wirtschaftlich bedeutendsten Unternehmen aus Brasilien und Mexiko, hält aber auch Aktien aus Chile, Peru und Kolumbien. Zu den größten Positionen zählen der Bergbaukonzern Vale und das Mineralölunternehmen Petrobras aus Brasilien sowie die Finanzunternehmen Nu Holdings aus Brasilien und Grupo Financiero Banorte aus Mexiko. Der Xtrackers MSCI EM Latin America ESG Swap UCITS ETF investiert ebenfalls in die Region, verzichtet aber wegen der Nachhaltigkeitskriterien auf die Bergbau- und Energiewerte.
Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich deine selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhältst du auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 05.05.2026; Quelle: comdirect.de


