Drei Fragen an Andre Köttner: „KI bleibt der Treiber an den Märkten“

Key Takeaways
  • Fondsmanager erwartet Leitzinssenkungen in den USA und der Eurozone.
  • Sinkende Zinsen kommen Aktien und Anleihen zugute.
  • Small Caps könnten bei anziehender Konjunktur in den Fokus kommen.
  • Japan bleibt als Gesamtmarkt interessant.
Andre Köttner, Anlagenspezialist und Fondsmanager
Andre Köttner, Anlagenspezialist und Fondsmanager
Andre Köttner
Fondsmanager
Der Anlagespezialist gehört zu den bekanntesten Fondsmanagern Deutschlands und verantwortet bei der DWS die Flaggschifffonds DWS Vermögensbildungsfonds I und DWS Akkumula .

Die Börsen sind verhalten ins Jahr gestartet und haben dann in der zweiten Monatshälfte zugelegt. Gemeinhin gibt der erste Monat den Ton für das gesamte Jahr an. Was erwarten Sie für 2024?

Die letzten drei Monate des Börsenjahres 2023 waren außergewöhnlich stark. Die Aktienmärkte haben vorweggenommen, was erst für 2024 erwartet wurde. Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Zinsen mehrfach gesenkt werden, weil die Notenbanken die Zinsen zu stark angehoben und damit rezessive Tendenzen befeuert haben. Wachstumswerte profitieren sehr stark von den Zinssenkungsfantasien. Für zyklische Unternehmen bleibt das Umfeld auch 2024 schwierig. Das Softlanding ist ein Idealszenario, von dem der Markt ausgeht. Die Stimmung in zahlreichen Branchen ist aber negativ. Wie die Notenbanken die Zinsen senken, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass Anleihen wieder eine attraktive Alternative zu Aktien sind.

Wie geht es mit dem KI-Boom weiter: Bleibt KI das dominierende Thema an den Börsen?

Künstliche Intelligenz ist und bleibt der Treiber und das Thema an den Märkten. Jede Firma überlegt sich, wie sie KI einsetzen kann. Ich rechne für das laufende Jahr mit großen Fortschritten bei der Umsetzung von KI in die Praxis von Unternehmen. Viele Nachrichten werden daher positiv sein. In vielen Lebens- und Arbeitsbereichen wird KI Einzug halten. Das merke ich auch in meiner Branche: Ein britisches Start-up analysiert zum Beispiel das Verhalten von Fondsmanagern und kann dabei auch wiederkehrende Fehler entdecken. Ein weiterer riesiger Wachstumsmarkt in diesem Jahr: Spritzen und Medikamente für die Gewichtsabnahme.

Emerging Markets gehörten zu den Verlierern der vergangenen Jahre. Rechnen Sie dort mit einer Trendwende?

Als Fondsmanager gehe ich immer vom einzelnen Unternehmen aus. Ich bereise die unterschiedlichsten Schwellenländer auf der Suche nach Investment-Möglichkeiten. Es ist allerdings recht schwer, dort wirklich gute Geschäftsmodelle zu finden. Firmen in China bauen und planen kurzfristig. Sie geben sich mit geringen Margen zufrieden und wir finden dort nur wenige Geschäftsmodelle mit einem Alleinstellungsmerkmal. Ein Unternehmen wie Google ist dort nicht in Sicht. Indien ist ein interessantes Land mit hohem Wirtschaftswachstum und großem Nachholpotenzial. Allerdings ist dort der Einfluss von Familien auf die Unternehmen groß. Das ist von außen schwer durchschaubar.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung der comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 12.02.2024. Quelle: comdirect.de.

Dirk Wohleb, Diplom-Volkswirt ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist
Dirk Wohleb, Diplom-Volkswirt ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist
Autor
Dirk Wohleb
Der Diplom-Volkswirt ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist. Er beschäftigt sich seit 25 Jahren mit den Aktien- und Finanzmärkten.
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