Luxus Kering: Online-Geschäft boomt

Gucci Store Fassade
© Melih Evren Burus via Getty Images/iStockphoto

Der französische Luxuskonzern erreichte im 3. Quartal 2020 fast die Erlöse vom Vorjahr. Vor allem das Nordamerika-Geschäft und der Onlinehandel zogen an.

Die französische Kering hat zahlreiche Luxusmarken im Portfolio, allen voran Gucci. Im 3. Quartal des Jahres 2020 nahmen die Umsätze gegenüber dem Frühjahr deutlich zu und erreichten nahezu das Vorjahresniveau. Insbesondere in den USA, in China und im Onlinehandel zogen die Erlöse an. Bei den Analysten ist die Aktie weiterhin beliebt. Allerdings erreichen die Verkäufe bei der Kernmarke Gucci noch nicht wieder das Vorjahresniveau. In Europa und Japan blieben die Umsätze mager, auch weil die kaufkräftigen Touristen fehlten. Mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis und geringerer Dividendenrendite ist die Aktie ambitioniert bewertet. Zudem hat Kering nach einem Gewinneinbruch im 1. Halbjahr noch keine Jahresprognose abgegeben.

Pro Kering (WKN 851223)

  • Führender Luxuskonzern: Die französische Kering vertreibt Luxus- und Lifestyleprodukte in eigenen Filialen und per Versand in mehr als 120 Ländern. Die Angebote reichen von Textilien und Schuhen über Uhren und Schmuck bis zu Koffern und Sportequipment. Zu den bekanntesten Kering-Marken gehören Gucci, Yves Saint Laurent, Brioni, Alexander McQueen und Bottega Veneta.
  • Anziehendes Geschäft: Die Kauflust der Kunden kehrt langsam zurück. Nach einem Umsatzeinbruch im 2. Quartal 2020 um rund 44 % sank der Umsatz im 3. Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf vergleichbarer Basis nur noch um 1,2 % auf 3,72 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit einem knapp zweistelligen Rückgang gerechnet.
  • Starke Entwicklung in den USA und online: In Nordamerika (plus 44 %) und in der Region Asien-Pazifik (plus 18 %) verzeichnete Kering im 3. Quartal starke Zuwächse. Das lag am Nachholbedarf der Kunden in den USA und in China. Das Onlinegeschäft verdoppelte sich sogar im Vergleich zum Vorjahresquartal. In den ersten neun Monaten 2020 machte es 12,5 % des Gesamtumsatzes aus.
  • Überzeugte Analysten: Kering gehört zu den beliebten Aktien am französischen Markt. Aktuell empfehlen sechs von 12 Experten im comdirect Analystenranking die Aktie als „Kauf“. Sechs sehen sie als „Halteposition“, kein Einziger stimmt für „Verkauf“. Der Analystenscore liegt damit bei überdurchschnittlichen 50 %.

Contra Kering (WKN 851223)

  • Gucci schwächelt: Die mit Abstand wichtigste Kering-Konzernmarke ist Gucci. Sie macht mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Im 3. Quartal 2020 konnte sich Gucci zwar von dem extremen Durchhänger im Frühjahr deutlich erholen. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Absatz aber auf vergleichbarer Basis mit knapp 2,1 Milliarden Euro um 9 % niedriger.
  • Europa und Japan schwach: In Japan (minus 23 %) und insbesondere in Europa (minus 41 %) gingen die Umsätze auch im 3. Quartal im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Ein wichtiger Grund dafür ist der starke Rückgang des Tourismus, der sehr wichtig für Kering ist. Angesichts der Lockdowns in Europa ist auch im 4. Quartal mit deutlichen Rückgängen zu rechnen.
  • Hohe Bewertung: Die Aktie von Kering hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Dadurch ist aber auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis deutlich angestiegen. Mit einem KGV von rund 25 für das Jahr 2021 liegt es deutlich über dem Durchschnitt im CAC 40 und im Euro STOXX 50. Die Dividendenrendite fällt mit 1,8 % mager aus.
  • Unsichere Zukunft: Schon im 1. Halbjahr 2020 sank der operative Gewinn (EBIT) um 40 % auf 1,7 Milliarden Euro. Der Nettogewinn brach sogar um mehr als die Hälfte auf 273 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr wollte der Kering-Vorstand aufgrund der Pandemie selbst im Oktober noch keine Prognose stellen. Es ist wenig wahrscheinlich, dass das Weihnachtsgeschäft für eine deutliche Trendumkehr gesorgt hat.

Über Kering

Der Name Kering ist noch recht neu. Erst seit 2013 trägt das französische Luxus-Konglomerat diesen Namen. Bis 2013 notierte es an der Börse als Pinault-Printemps-Redoute. Auch zuvor hatte das Unternehmen mehrmals seinen Namen geändert. Eine Konstante jedoch blieb immer: Es wird von der französischen Familie Pinault beherrscht. Mehr als 40 Jahre – von der Gründung im Jahr 1963 bis zum Jahr 2005 – stand François Pinault an der Spitze, 2005 folgte ihm sein Sohn François-Henri Pinault.

Ebenso wie die Namen änderte Kering im Laufe der Jahrzehnte auch die Unternehmensschwerpunkte. Bis zum Börsengang war das Unternehmen vor allem im Holz- und Baustoffhandel aktiv. In den 1990er-Jahren erfolgte zunächst die Ausdehnung in den Einzelhandelssektor. Mit dem Möbelunternehmen Conforoma, dem Einzelhandelskonzern Printemps, dem Medienkaufhaus FNAC und dem Versandhändler La Redoute verschaffte sich François Pinault ein starkes Standbein im französischen Markt.

Zur Jahrtausendwende expandierte Pinault in den Luxussektor. 1999 hatte er sich 40 % an der italienischen Nobelmarke Gucci gesichert und drängte in einem zweijährigen Übernahmekampf den Konkurrenten LVMH aus dem Unternehmen. 2004 sicherte er sich Gucci ganz und baute um diese Kernmarke einen Mode-, Schmuck- und Luxuskonzern mit zahlreichen Labels auf. Aktuell gehören neben Gucci auch Saint-Laurent, Balenciaga, Brioni, Alexander McQueen und Bottega Veneta dazu. Gekauft und zu großen Teilen wieder verkauft hat der französische Konzern seinen Mehrheitsanteil am deutschen Sportartikler Puma.

Seit 1988 ist das Unternehmen an der Börse in Paris notiert (damals noch als Pinault S.A.). Ein Großteil der Aktien, vor allem aber die Mehrheit der Stimmrechte, verblieb in dieser Zeit in der Artemis-Holding der Familie Pinault. Dennoch gibt es ausreichend Streubesitz, um Kering den Zugang zum französischen Auswahlindex CAC 40 und auch zum Euro STOXX 50 zu sichern. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Euro gehört Kering zu den Top Ten der französischen Börse.

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