Geldanlagen bergen Risiken

„Mein Favorit für 2026 ist Asien“

  • 2026 wird ein durchschnittliches Jahr mit Renditen im einstelligen Prozentbereich.
  • Amerikanische KI-Aktien wie NVIDIA sind sehr ambitioniert bewertet.
  • Mit einem US-Präsidenten Trump ist Diversifikation wichtiger denn je.
Porträt von Winfried Walter.
Porträt von Winfried Walter.
Winfried Walter
Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Schneider, Walter & Kollegen
Winfried Walter ist Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Schneider, Walter & Kollegen. Der gelernte Broker und Portfolio‐Manager betreut seit 3 Jahrzehnten Vermögen von privaten und institutionellen Kundinnen und Kunden, insbesondere Stiftungen.

Trotz des Grönlandkonflikts hat der Januar an den Börsen passable Ergebnisse gebracht. Kann die Börsenhausse im 4. Jahr in Folge so weitergehen?

Die vergangenen 3 Börsenjahre waren außergewöhnlich gut. So erfolgreich erwarte ich die Märkte insgesamt im Jahr 2026 nicht, eher ein durchschnittliches Jahr mit Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich. Grönland ist dabei sogar das geringere Problem und ja schon wieder im politischen Abklingen. Viel mehr Sorgen macht mir der US-Dollar. Die Anlegerinnen und Anleger beginnen, an der Unabhängigkeit der US-Zentralbank zu zweifeln. Gepaart mit exorbitanter Verschuldung und weiterhin inflationären Tendenzen könnte der Dollar gegenüber dem Euro noch einmal deutlich nachgeben. Für deutsche Anleger bedeutet das bei US-Werten nichts Gutes, weil mögliche Kursgewinne durch Währungsverluste aufgefressen werden können. Ohnehin sind amerikanische KI-Aktien wie NVIDIA sehr ambitioniert bewertet. Schon eine leichte Umsatz- oder Gewinnenttäuschung könnte zu deutlichen Korrekturen führen.

Müssen sich Anlegende also 2026 auf einen Favoritenwechsel einstellen? Welche Regionen und Branchen könnten den Technologiesektor als Börsenlokomotive ablösen?

Die USA sind hoch bewertet, politisch anfällig und könnten vor einem neuen Inflationszyklus stehen. Ich erwarte daher, dass sich die europäischen Aktienmärkte 2026 besser als die amerikanischen entwickeln. In Deutschland dürfte sich das Infrastrukturprogramm positiv auswirken und selbst die Automobilbranche würde ich längst nicht abschreiben. Tesla hat sich ja als wichtiger Konkurrent in der Mittel- und Oberklasse fast schon selbst abgeschossen. Mein Favorit für 2026 ist aber Asien. Asiatische Technologiewerte wie Samsung sind immer noch preislich attraktiv. China entwickelt sich deutlich ruhiger als andere Regionen und Indien steigt zur ökonomischen Macht auf. Das spiegelt sich in den Aktienkursen bisher nur unzureichend wider.

Wie wichtig ist Diversifikation im aktuellen Umfeld?

Mit einem US-Präsidenten Trump ist Diversifikation wichtiger denn je: Sie sollte auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Besonders bedeutend ist angesichts der Dollar-Schwäche der Bereich Währungen. Wer Aktien und Geldanlagen auf Euro, Kronen, Franken, Yen und Dollar streut, ist für einen Verfall des Greenbacks besser gerüstet. Bei den Branchen sollte man Klumpenrisiken im Bereich der KI meiden und auch Traditionsbranchen wie Auto oder Chemie abdecken, bei den Ländern Skandinavien, die Schweiz und die Emerging Markets nicht vergessen. Nach dem Jahrzehnt der Bluechips sind jetzt auch wieder Nebenwerte interessant. Ganz wichtig ist das Thema Rebalancing: 5 bis 10 % Gold oder Silber im Portfolio haben sich traditionell bewährt. Aber wer vor 2 Jahren 10 % Edelmetalle hielt, dürfte jetzt bei 20 % liegen. Da bietet sich ein Teilverkauf an, um Gewinne mitzunehmen und die Balance wiederherzustellen.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 12.02.2026; Quelle: comdirect.de

Portrait von Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist
Portrait von Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist
Autor
Heinz-Peter Arndt
Der Diplomvolkswirt und Diplomjournalist schreibt seit mehr als 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage.

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