„Das Umfeld für US-Aktien ist gut – noch“

  • Der US-Präsident verfolgt eine interessensgeleitete und unternehmerfreundliche Politik.
  • Die Rezession könnte bald kommen – in den USA und in der ganzen Welt.
  • An den Börsen ist das Ende der Dominanz der US-Technologiewerte in Sicht.
Porträt von Markus Steinbeis, Gründer der Münchner Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH
Porträt von Markus Steinbeis, Gründer der Münchner Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH
Markus Steinbeis
Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH
Markus Steinbeis ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH. Zuvor war er 13 Jahre lang als Spezialist für Substanzwerte-Strategien bei Pioneer Investments tätig und 5 Jahre lang Leiter Portfoliomanagement bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen.

Vor einem Jahr wurde Donald Trump zum 47. US-Präsidenten gewählt. Hat er Ihre Erwartungen in Politik und Wirtschaft erfüllt?

Jein. Viele seiner Einzelmaßnahmen waren zwar nicht prognostizierbar, aber die Grundtendenzen der Politik kommen nicht überraschend. Denn Donald Trump tut etwas, was bei uns eher unüblich ist. Er hält sein Wahlkampfversprechen „America first“ und verfolgt als Präsident eine nationalistische, interessensgeleitete und unternehmerfreundliche Politik. Mit seiner Angebotsorientierung und den Steuersenkungen verändert er die Standortfaktoren und schwächt den Dollar – die Produktion wird gegenüber dem Konsum begünstigt. Schließlich hat er mit dem Mittel der Zolldrohungen hohe Investitionszusagen aus asiatischen Ländern und dem Nahen Osten erhalten.

Bisher ist die nach den massiven Zöllen befürchtete Rezession ausgeblieben. Welche Gründe sehen Sie dafür? Oder kommt sie 2026?

Die internationalen Partner, für Trump eher Gegner, haben sich weitgehend bemüht, einen offenen Handelskrieg mit unabsehbaren Folgen zu vermeiden. Zudem fließt reichlich Geld aus den öffentlichen Kassen und das Budgetdefizit ist angesichts einer wachsenden Wirtschaft enorm. Aber die Rezession kann durchaus bald kommen – in den USA und in der ganzen Welt. Die unteren Einkommensschichten und damit der Konsum kommen in Amerika unter Druck. Einzelhandel und Arbeitsmarkt schwächeln, der Immobilienmarkt befindet sich bereits in einer Rezession. Wenn die USA und allen voran die Technologiegiganten nicht so massiv in Rechenzentren investieren würden, läge das reale US-Wachstum heute schon nahe null.

Was bedeutet diese Aussicht für die extrem hoch bewerteten Aktienindizes in den USA?

Vorerst wenig. Das Umfeld für US-Aktien ist gut – noch. Denn die Regierung stimuliert mit ihrem hohen Haushaltsdefizit Sachwerte wie Aktien. Zudem zeigen sich die Unternehmen sehr anpassungsfähig, ihre Gewinnsteigerungen liegen deutlich über dem Wirtschaftswachstum. Damit sind vorerst die Bedingungen für weitersteigende Kurse gegeben. Aber die Inflation ist längst nicht tot, der aktuelle Rechenzentren-Boom wird irgendwann ein dramatisches Ende finden und der Rückenwind der Globalisierung kehrt sich in einen Gegenwind um. Das spricht auf mittlere Sicht für einen Favoritenwechsel und ein Ende der Dominanz der US-Technologiewerte. Wenn Anlegerinnen und Anleger wieder auf die Bewertung achten, dürften Sektoren wie die Industrie, die Pharmazie und die Small Caps aufholen. Der Nebenwerteindex Russell 2000 gibt mit seinem jüngsten Rekordhoch bereits die Richtung vor. Wer allein auf die großen, technologiedominierten Indizes wie den S&P 500 oder NASDAQ 100 setzt, könnte ein übles Erwachen erleben.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 13.11.2025; Quelle: comdirect.de

Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
Autor
Heinz-Peter Arndt
Der Diplomvolkswirt und Diplomjournalist schreibt seit mehr als 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage.
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