Geldanlagen bergen Risiken

„Gute Dividendenwerte gibt es in fast allen Branchen“

  • „In diesem Jahr ist die Rotation im Markt der Haupttreiber für die Performance.“
  • „Ausschüttungen machen im DWS Top Dividende rund 40 % der Rendite aus.“
  • „Bei Automobilwerten fehlt uns momentan der Appetit für Investitionen.“
Portrait von Madeleine Ronner, Fondsmanagerin für globale Aktien bei der DWS
Portrait von Madeleine Ronner, Fondsmanagerin für globale Aktien bei der DWS
Madeleine Ronner
Fondsmanagerin für globale Aktien bei der DWS
Madeleine Ronner ist bei der DWS Fondsmanagerin für globale Aktien. Sie managt die Fonds DWS Invest Critical Technologies und DWS Smart Industrial Technologies. Darüber hinaus ist sie stellvertretende Fondsmanagerin des mit 24 Milliarden Euro Fondsvolumen größten Aktienfonds Deutschlands DWS Top Dividende sowie Research Head für den Sektor Industriewerte.

Frau Ronner, der Krieg im Iran schockiert die Menschen weltweit. Auch die Finanzmärkte wurden kräftig durchgeschüttelt und der Ölpreis ist gestiegen. Wie hat sich das bisher auf Ihre Anlagestrategie ausgewirkt?

Wir sind grundsätzlich sehr defensiv und breit diversifiziert ausgerichtet, dementsprechend nehmen wir an unserer Positionierung auch vor dem aktuellen Hintergrund keine Änderungen vor. Wir haben in den letzten Wochen zudem unsere Kassenposition noch weiter ausgeweitet, was unsere defensive Gesamtpositionierung noch verstärkt hat.

Über Jahre machte der größte deutsche Aktienfonds – der DWS Top Dividende – den Anlegenden eher wenig Freude. In den vergangenen 12 Monaten ist der Fonds dagegen durchgestartet. Woran lag das?

Beim DWS Top Dividende sorgten 2025 vor allem 2 Haupttreiber für die Outperformance: Zum einen waren wir stark in Goldminen und Gold-ETCs positioniert und profitierten damit von dem starken Anstieg des Goldpreises. Zum Zweiten sind wir im Vergleich zu anderen globalen Aktienfonds und erst recht im Vergleich zum MSCI World Index in US-Aktien seit Langem untergewichtet, weil US-Unternehmen traditionell weniger Wert auf Ausschüttungen legen. Hinzu kommt, dass US‑Unternehmen derzeit sehr hoch bewertet sind, was die ohnehin niedrige Dividendenrendite weiter reduziert. 2025 kam das uns und allen Investoren aus dem Euroraum zugute, weil der US-Dollar und damit auch US-Aktien gegenüber dem Euro 2‑stellig nachgegeben haben.

Noch so ein fulminantes Goldjahr ist kaum zu erwarten. Auch der Dollar hat sich zuletzt stabilisiert. War die Outperformance der Dividendenfonds vielleicht nur ein Strohfeuer?

Das glaube ich nicht. Denn es gibt noch einen dritten Faktor, der bereits im letzten Jahr anklang und sich 2026 noch stärker auswirken wird: Die Technologiedominanz hat abgenommen. Unser Fokus auf Dividende und Diversifikation funktioniert wieder, weil nicht mehr einige wenige Technologieunternehmen wie die Magnificent Seven den Börsentrend dominieren. Davon profitieren viele Sektoren, die im Technologiehype der vergangenen Jahre ein Schattendasein führten.

Kommen nach den „7 mageren Jahren“ jetzt die „7 fetten Jahre“ für Dividendenfonds?

Das ist schwer zu prophezeien. Aber die 2-stelligen Aktienmarktrenditen aus den 3 Jahren 2023 bis 2025 können auf Dauer nicht nachhaltig sein. Wir glauben, dass sich die jährliche Gesamtrendite aus Aktienanlagen mittelfristig eher zwischen 5 und 10 % einpendeln wird. In solch normalen Zeiten werden für Anlegende Ausschüttungen von 3 % wieder attraktiver. Es kommt zum Beispiel stabilen Unternehmen etwa aus dem Konsumsektor zugute, dass sie kaum durch künstliche Intelligenz bedroht sind. Ein weiterer Faktor: Aktuell holen viele Branchen gegenüber der Technologie beim Gewinnwachstum auf. Das unterstützt die Nachzügler und führt dazu, dass ein so ausbalanciertes Portfolio wie unseres aktuell gut funktioniert. Diversifikation lohnt sich wieder. Wir glauben, dass sich das fortsetzt.

Welchen Anteil machen Dividenden an der Gesamtrendite von Aktien aus? Im Markt und in Ihrem Fonds?

Grundsätzlich machen Dividenden im breiten Markt rund ein Drittel der Gesamtrendite aus, je nach Wirtschaftszyklus und regionalen Gegebenheiten kann es auch etwas mehr oder weniger sein. In unserem Fonds streben wir eine Dividendenrendite an, die 1 bis 1,5 %-Punkte über dem Marktdurchschnitt liegt. Entsprechend machen Ausschüttungen im DWS Top Dividende über lange Zeiträume rund die Hälfte aus und stützen die Performance gerade in schwierigen Börsenzeiten.

Schwierige Börsenzeiten mit 2 oder 3 Jahren Negativrendite kennen viele junge Anlegerinnen und Anleger nicht. Sind sie dennoch an einem defensiven Aktienprodukt wie einem Dividendenfonds interessiert?

Die Historie zeigt, dass Rückgänge am Aktienmarkt deutlich länger als 3 Monate dauern können. Das Risiko für eine Baisse ist größer, als es erscheint. Bei unseren Veranstaltungen sind auch viele jüngere Menschen am Dividendenfonds interessiert. Tendenziell ist aber die ältere Generation eher risikoaverser und legt auch mehr Wert auf hohe Ausschüttungen. Das zeigt etwa die hohe Nachfrage nach Fondstranchen, die eine feste monatliche Ausschüttung garantieren.  

Welche Bedingungen müssen Unternehmen erfüllen, um für Sie interessant zu sein?

Kernelement unserer Analyse ist die Bewertung der Aktien. Wir wollen für unsere Investition eine anständige Risikoprämie bekommen und halten hier an unserem disziplinierten Ansatz fest. Das führte in den vergangenen Jahren zu unserer niedrigen Positionierung im hoch bewerteten Technologiesektor. Durch diese vorsichtige Strategie fallen die Abwärtsrisiken und Schwankungen geringer aus als im breiten Markt. Stabile und möglichst steigende Dividenden sind eine notwendige Bedingung, 1 % Dividendenrendite ist ein Minimum. Davon weichen wir allenfalls in historischen Sondersituation wie der Covid-Krise ab. Zudem schätzen wir stabile Geschäftsmodelle mit starker Preissetzungsmacht. Und schließlich legen wir Wert auf eine Unternehmensführung, die Aktionäre und Dividende wertschätzt.

Gibt es Branchen, in denen diese Anforderungen besonders häufig erfüllt sind?

Gute Dividendenwerte gibt es in fast allen Branchen. Klassische Vertreter sind vor allem im Konsumsektor und Gesundheitsmarkt, bei den Versorgern und Rohstoffkonzernen zu finden. Auch der Finanzsektor und Versicherungen bieten historisch gute Ausschüttungen und zuletzt auch erkleckliche Kurssteigerungen. Selbst im Technologiesektor gibt es Unternehmen, die attraktive Dividenden bieten. Unter den 10 Aktien, die im Fonds aktuell am stärksten gewichtet sind, befinden sich etwa die Chiphersteller TSMC und Samsung. Wichtig ist es, eine gesunde Diversifikation zu erreichen.

Hat die Industrie nach den schwachen Jahren Nachholbedarf?

Nachholbedarf sehen wir durchaus. Bessere Konjunkturdaten und ein wirtschaftlicher Aufschwung wirken sich in der Industrie besonders positiv aus. Allerdings haben die Kurse der Industrieaktien in den USA und Europa schon im vergangenen Jahr angezogen und die Dividendenrenditen fallen zurzeit eher mager aus. Auf der anderen Seite gibt es zum Beispiel Infrastrukturbetreiber, deren Leistungen nicht substituierbar sind und die von einem Aufschwung profitieren dürften – etwa die US-Eisenbahnen.

Deutschland ist im Gegensatz zu den USA ein klassisches Dividendenland. Warum ist zurzeit kein einziges deutsches Unternehmen unter den Top Ten im Portfolio und der Gesamtanteil mit gut 5 % eher gering?

Im Vergleich zum MSCI World ist der Anteil von deutschen Aktien im DWS Top Dividende immerhin doppelt so hoch. Vor 12 Monaten war unsere Positionierung in deutschen Werten allerdings noch deutlich stärker. Seitdem haben aber gerade die dividendenstarken deutschen Titel überdurchschnittlich zugelegt und sind nach unseren konservativen Kriterien nicht mehr so attraktiv bewertet wie vor Jahresfrist. Deshalb haben wir zwischenzeitlich erfreuliche Gewinne mitgenommen.

Wird sich das bei anziehender Konjunktur ändern? Kommen womöglich sogar die einstigen Dividendenklassiker aus der Automobilbranche wieder für Sie in Betracht?

Im vergangenen Jahr entstanden 80 % der Kurssteigerungen auf dem europäischen Markt durch höhere Bewertungen. Steigende Gewinne waren nur für 20 % des Plus verantwortlich. Für das laufende Jahr prognostizieren Analystinnen und Analysten allerdings steigende Unternehmensgewinne. Damit können auch deutsche und europäische Industriewerte für uns wieder attraktiver werden. Bei der Automobilwirtschaft, in der wir in der Vergangenheit durchaus engagiert waren, bleiben aber noch viele Fragezeichen. Da fehlt uns momentan der Appetit für Investitionen.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 09.03.2026; Quelle: comdirect.de

Portrait von Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist
Portrait von Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist
Autor
Heinz-Peter Arndt
Der Diplomvolkswirt und Diplomjournalist schreibt seit mehr als 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage.
top