- Der MSCI World Index allein genügt nicht.
- Im Euro STOXX müssen keine Währungsrisiken einkalkuliert werden.
- Japan, China und Emerging Markets sind eine wichtige Beimischung.


Vermögen aufbauen – geht das wirklich so einfach?
Ja, klar. Investitionen per ETF in die weltweit wichtigsten Aktienmärkte bringen im Durchschnitt 7 bis 8 % Rendite pro Jahr. Das bedeutet: Ein heute investierter Euro verdoppelt sich im Durchschnitt nach 10 Jahren auf 2 Euro. Nach 20 Jahren sind es 4 Euro und so weiter. Zu beachten ist allerdings: Diese Entwicklung verläuft nicht linear, man muss auch in schwierigen Börsenzeiten durchhalten und darf gerade dann nicht verkaufen. Wer etwa zur Jahrtausendwende eingestiegen ist, hat erst viele Jahre später sein Einstiegskapital wiederbekommen. Danach kam dann in den letzten 15 Jahren der richtige Push.
Braucht es mehr als einen ETF auf einen Weltindex wie den MSCI World für den Vermögensaufbau?
Auf jeden Fall. Der MSCI-Index allein genügt nicht. In den vergangenen 10 Jahren hat er mit seinem Schwerpunkt bei US-Technologieaktien zwar hervorragend abgeschnitten. Aber 2025 war das aus Euro-Anlegersicht schon nicht mehr der Fall. Da hat der DAX rund 20 % zugelegt, das Plus im MSCI World lag gerade mal bei rund 5 %. Dafür war zwar in erster Linie die Dollar-Schwäche verantwortlich, aber die Dollar-Entwicklung wird von vielen Investoren als Folge der Diversifikation von Anlegern weg aus Amerika gesehen. Unabhängig davon sind US-Aktien im Vergleich zu anderen Märkten deutlich höher bewertet und entsprechend unsicher sind die Renditeaussichten.
Erwarten Sie denn einen Crash bei den Technologieaktien?
Der amerikanische Markt hat in den vergangenen 10 Jahren dank der Hausse der Technologiewerte alle anderen etablierten Märkte outperformt. Die NASDAQ hat sich dabei noch stärker entwickelt als der S&P 500. Aber werden die US-Werte in den nächsten 10 Jahren genauso stark abschneiden? Ich habe keine Glaskugel, aber angesichts der sehr hohen Bewertungen dürfte es ihnen schwerfallen. Ich persönlich rechne nicht mit einem Crash, sondern einer relativen Underperformance zu anderen Märkten. Das könnte durch das Verhalten von Anlegerinnen und Anlegern verstärkt werden.
Warum?
Oft steigen viele erst jetzt in US-lastige ETFs wie MSCI-World-ETFs ein. Sollten die großen Kurssteigerungen erfolgt sein, erzielen sie weniger Rendite, als sie es sich erhofft haben. Das hat sich bei Japan-Aktien in den 1980er-Jahren gezeigt oder im vergangenen Jahr bei Branchenindizes mit Rüstungswerten. Um so härter fällt dann die Korrektur aus. Bei den üblichen Indizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, bauen sich notwendigerweise nach langen Haussen Blasen auf. Entsprechend ist es nicht sinnvoll, per Autopilot allein in den MSCI World mit seinem US-Technologie-Schwerpunkt zu investieren.
Was wäre die Alternative zu einem MSCI-Index? Etwa der MSCI AWCI, der auch die Emerging Markets berücksichtigt?
Das ist schon mal eine Erweiterung. Aber sie reicht kaum aus. Die Emerging Markets sind in diesem Index mit rund 10 % vertreten. Die Übergewichtung in amerikanischen Technologiewerten wird dadurch nur minimal abgemildert. Der US-Anteil rutscht von aktuell 72,5 % auf 64,7 %. Die wichtigen Volkswirtschaften Europas oder auch Japan sind mit ihren starken Unternehmen im All-Country-Index sogar noch unzureichender berücksichtigt.
Was würden Sie empfehlen?
An den Finanzmärkten gibt es eigentlich nur einen einzigen „Free Lunch“, und der heißt Diversifikation: Schon mit einer etwas erweiterten Lösung können Anlegerinnen und Anleger das Risiko für Rückschläge vermindern. Statt 100 % in den MSCI World zu investieren, könnten sie diesen Anteil etwa auf 60 % zurückfahren. Dazu nehmen wir zum Beispiel 15 % Euro STOXX 600 hinzu. Das hat zudem den Vorteil, dass kein Währungsrisiko besteht. Dazu jeweils 10 % Emerging Markets und 10 % Japan. 5 % könnte man dann noch per ETF in globale Nebenwerte investieren. Die haben in den vergangenen 5 Jahren schlecht abgeschnitten, davor jedoch waren sie den Large Caps überlegen. Mit 4 bis 6 ETFs ist ein solches Depot noch gut zu überblicken.
Sollten Anlegerinnen und Anleger also jetzt ihre MSCI-ETFs verkaufen und gegen andere ETFs tauschen?
Nein, das würde ich allein schon aus Steuergründen nicht empfehlen. Denn dann müssten Anlegerinnen und Anleger vorzeitig die Abgeltungsteuer entrichten und sie würden damit auf Zinseszinsen verzichten. Zudem ist der MSCI World ja kein schlechter Index und Technologiewerte sollte man nicht gänzlich vernachlässigen. Es geht vielmehr darum, das Depot strukturell neu auszurichten. Ein teilweiser Verkauf von MSCI-World-ETFs reicht aus. Oder wer gerade Kapital zur Verfügung hat, kann die anderen ETFs in der gewünschten Höhe zukaufen. Weniger optimal wäre, ein Depot, das nur aus einem MSCI-World-ETF besteht, über Sparpläne zu erweitern. Da geht die Umstrukturierung langsamer.
Sind auch Faktor-ETFs als Beimischung zu einem diversifizierten Depot geeignet?
Durch den Hype um die Technologiewerte sind die Indizes weltweit stark von Aktien aus diesem Sektor geprägt. Wenn Anlegende jetzt zum Beispiel Value- oder Dividenden-ETFs beimischen, erhöhen sie den Anteil von reiferen Branchen wie Energie, Versorger oder Konsum. Das reduziert das Verlustrisiko, und wer weniger verliert, muss nicht hohe Renditen erzielen, um die Verluste wieder gutzumachen. Solche ETFs sollten aber nur eine Beimischung zu den traditionellen und besonders preiswerten ETFs auf die klassischen Indizes sein.
Sie haben es erwähnt: Aktive ETFs wurden im vergangenen Jahr stark beworben. Ist das nur eine Mode oder eine neue wichtige Gattung?
Aktive ETFs haben das Ziel, einen Index zu optimieren, indem sie entweder das Risiko minimieren oder die Rendite steigern. Gute aktive Manager können das durchaus, und diese Fähigkeit fangen diese ETFs ein. Langfristig geht es hier aber nicht um spektakuläre Outperformance, sondern um kleinere Verbesserungen. So investieren institutionelle Anlegerinnen und Anleger – durchaus mit Erfolg.
Seit Oktober ist ein ETF auf dem Markt, mit dem deutsche Anlegerinnen und Anleger die Performance des MSCI World verdoppeln können. Was halten Sie von Leveraged ETFs?
Meine einfache Antwort: Don’t do it. Gehebelte Indizes sind eines der ineffizientesten Instrumente bei der Geldanlage. Das liegt am täglichen Reset des Hebels, durch den die Rendite in schwankenden Märkten ausblutet: Nach Anstiegen wird teuer zugekauft und nach Rückgängen billig verkauft. Über längere Zeit sorgt das dafür, dass ein Hebel‑ETF oft deutlich hinter der einfachen Indexentwicklung zurückbleibt. Das gilt besonders für ETPs oder ETNs, die mehr als den doppelten Hebel ansetzen, der bei ETFs maximal möglich ist. Nebenbei gesagt sind ETPs und ETNs Zertifikate und haben damit ein Emittentenrisiko. Außerdem ist die Volatilität extrem hoch. Das ist für Normalanlegende extrem nervenaufreibend. Bei ETFs mit dem gesetzlich erlaubten Faktor 2 ist das Risiko deutlich geringer als bei den ETPs. Aber auch hier können Anlegende keinesfalls erwarten, dass sie nach einigen Jahren die doppelte Performance des Basisindizes erhalten.
Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 19.01.2026; Quelle: comdirect.de

