Interview Klimainvestments: „Anleger achten auf den Klimawandel“

Luftaufnahme einer Windkraftanlage
© franckreporter via Getty Images/istockphoto

Fondsmanager Alexander Funk über Investitionen in saubere Energien, die Bedeutung von Recycling und Greenwashing.

Alexander Funk

Alexander Funk ist seit 2009 für ÖKOWORLD tätig. Der Bankbetriebswirt und Certified International Investment Analyst (DVFA) managt unter anderem den 2007 aufgelegten Fonds Ökoworld Klima (WKN A0MX8G), der zuletzt den Deutschen Fondspreis 2022 in der Kategorie Nachhaltigkeit gewann.

comdirect: Der Krieg in der Ukraine bestimmt die Nachrichten. Spielt der Klimawandel aktuell keine Rolle?

Alexander Funk: Als die beiden Ökoworld-Gründer Alfred Platow und Klaus Odenthal 2007 den Themenfonds Ökoworld Klima auflegten, wurden sie dafür teils belächelt. Seitdem hat sich viel getan. Weltweit hat das Megathema Klimaschutz an Bedeutung gewonnen. Im Dezember 2020 haben sich die Länder innerhalb der EU auf eine Reduktion der CO2-Emissions­ziele geeinigt. Andere wichtige Staaten wie die USA, China oder Indien erkennen ebenfalls die Wichtigkeit des Themas. Zeitweise – wie aktuell – wird das Thema zwar von der Aktualität überlagert. Aber der Klimawandel wird uns auf Jahrzehnte permanent beschäftigen.

comdirect: Kommt das auch bei den Anlegern an?

Alexander Funk: Anleger achten auf die Veränderungen in der Umwelt und beim Klima. Es gibt ein reges Interesse an unserem Fonds – erst recht seit Greta Thunberg und Fridays for Future. In den zurück­liegenden Jahren gab es kontinuierliche Mittelzuflüsse. Zudem erkennen unsere Investoren, dass wir im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern kein Greenwashing betreiben und nur in ein Universum von ausgewählten, einwandfreien Unternehmen investieren. Und schließlich überzeugte in den vergangenen Jahren auch die Rendite des Ökoworld Klima.

comdirect: Der Druck auf Unternehmen steigt, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Beobachten Sie, dass Unternehmen wirklich umdenken, oder ist es oft nur Rhetorik?

Alexander Funk: Unternehmerisches Fehlverhalten kann bei keinem Unternehmen einhundertprozentig ausgeschlossen werden. Um dieses Risiko zu minimieren, verlassen wir uns nicht auf externe Datenanbieter, sondern vertrauen unserer zehnköpfigen hauseigenen Nachhaltigkeitsabteilung und dem wissenschaftlichen Fachbeirat. Ökoworld verfolgt zudem eine aktive Engagement-Strategie und sucht den Dialog mit den Unternehmen. Hierbei nehmen wir unseren Einfluss als Investor wahr. Ohne echtes Umdenken gibt es kein Investment.

comdirect: Das heißt?

Alexander Funk: Nur Unternehmen, die gemäß der Prüfung unserer Experten nachhaltig wirtschaften, werden ins Anlageuniversum aufgenommen. Erst dann können sie von unseren hauseigenen Finanzanalysten und Portfoliomanagern als Investment berücksichtigt werden. Die Unternehmen aus diesem Anlageuniversum werden von unserer Nachhaltigkeitsabteilung kontinuierlich überprüft. Bei einer negativen Veränderung der Unternehmenspolitik erfolgt ein Ausschluss aus dem Anlageuniversum.

comdirect: Welche Branchen kommen für ein Investment in den Klimaschutz infrage?

Alexander Funk: Wir investieren in Unternehmen, die Produkte, Technologien und Dienstleistungen anbieten, die zur Behebung der Ursachen des Treibhauseffekts beitragen. Zu den Schwerpunkten gehören natürlich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Aber auch die Themen Recycling, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft sowie Wassernutzung und die Verringerung der Schadstoffbelastung spielen bei der Bekämpfung des Klimawandels eine wichtige Rolle.

Chartanalyse Geyer
© Alexandra Lechner
Chart-Analyse Waste Management: Eindrucksvoller Chart

Müll geht immer. Waste Management ist mehr als nur ein Entsorger. Recycling gehört ebenso zu den Kernkompetenzen wie Energiegewinnung.

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comdirect: Können Sie Beispiele für Unternehmen nennen, die aus Sicht eines Investors attraktiv sind?

Alexander Funk: Entscheidend sind die langfristige Qualität und die Marktpräsenz der Unternehmen. Waste Management (WKN 893579) zum Beispiel sammelt Siedlungs-, Gewerbe- und Industrieabfälle und ist das größte Recyclingunternehmen in Nordamerika. In den USA gibt es oft kaum Mülltrennung. Waste Management sortiert Altpapier, Metalle, Glas und Kunststoffe und führt sie einer Wiederverwendung zu. Zudem ist Waste Management ein Vorreiter in der Abscheidung und Nutzung von hoch klimaschädlichem Deponiegas.

comdirect: Sind Unternehmen aus der Solar- und Windwirtschaft weniger interessant?

Alexander Funk: Durchaus nicht. Enphase Energy (WKN A1JC82) etwa ist der weltweit führende Anbieter von Mikro-Wechselrichtern. Sie wandeln den von Solaranlagen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom zur Verwendung im Haushalt um. Das Unternehmen bietet eine komplette „Home-Energy“-Lösung für das integrierte Energiemanagement von Fotovoltaik-Anlage, Speicherbatterie, Stromnetz und den Stromverbrauchern wie Waschmaschine oder Elektroauto an. Dieses Gesamtpaket ermöglicht es den Besitzern, den eigenerzeugten Strom intelligent zu steuern und zu nutzen. Der Strom wird zur Versorgung des eigenen Haushaltes eingesetzt, gespeichert oder in das Stromnetz eingespeist.

comdirect: Beim Blick aufs Portfolio des Ökoworld Klima fällt auf, dass der Anteil deutscher Unternehmen nur bei knapp 3 % liegt. Hinkt Deutschland beim Thema Klimawandel hinterher?

Alexander Funk: Nein. Der Blick auf das Portfolio sagt nichts über die Bedeutung von klimafreundlichen Unternehmen und Technologien innerhalb Deutschlands aus. Deutschland ist bei vielen Technologien sogar ein Vorreiter im Bereich des Klimaschutzes. Allerdings herrscht bei uns eine andere Unternehmenskultur als im angelsächsischen Raum. Während in den USA und auch in Großbritannien die meisten innovativen und wachstumsstarken Unternehmen einen schnellen Börsengang anstreben, finanzieren sich viele deutsche Unternehmen zunächst über Kredite ihrer Geschäftsbanken oder Anleihe­emissionen. Auch die Aktienkultur in der Allgemeinbevölkerung ist in Deutschland deutlich zurückhaltender.

comdirect: Im laufenden Jahr haben sich Unternehmen aus dem Bereich Klimaschutz im Vergleich zum Gesamtmarkt unterdurch­schnittlich entwickelt. Das hat auch Ihren Fonds getroffen. Woran liegt das?

Alexander Funk: Es ist wichtig, den Bereich Klimaschutz eindeutig zu definieren: Der Ökoworld Klima fokussiert sich bei den Investments nicht allein auf erneuerbare Energien wie Wind und Solar. Er berücksichtigt ein breites Spektrum von Unternehmen, die durch die jeweiligen Geschäftsmodelle zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen. Gegenwind gab es zuletzt vor allem für Unternehmen mit hohen Kosten. Ihre Kurse litten vor allem unter den gestiegenen Einkaufspreisen und den gestörten globalen Lieferketten. Dieses Bild hat sich im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den jüngsten Lockdowns in China in diesem Jahr beschleunigt.

comdirect: Werden diese Belastungen die Unternehmen und ihre Aktienkurse langfristig beeinträchtigen?

Alexander Funk: Das ist eher unwahrscheinlich. Nachhaltige, innovative und wachstumsstarke Qualitätsunternehmen mit einer gesunden Bilanzqualität und guten Margen sind wichtiger denn je. Das hat sich schon bei der rasanten Erholung nach der ersten Corona-Welle gezeigt. Wir gehen fest davon aus, dass diese Unternehmen auch diesmal gestärkt aus der aktuell sehr volatilen Phase hervorgehen werden. Der russische Angriff auf die Ukraine und die Unsicherheit am Energiemarkt zeigen zudem, wie notwendig die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung der comdirect – eine Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 12.07.2022; Quelle: comdirect.de