- „Die USA sind und bleiben für mich der attraktivste Aktienstandort.“
- „Starke kanadische Minenaktien profitieren vom Run aufs Gold.“
- „Mexiko wird weiterhin die Werkbank der USA bleiben.“


Seit 18 Jahren schätzt Robert Halver als Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank die Lage an den internationalen Finanzmärkten ein. Als Kommentator und Kolumnist ist der Betriebswirt in Funk und Fernsehen, in Börsenmagazinen und bei Konferenzen präsent. Vor seiner Zeit bei der Baader Bank war er 7 Jahre als Direktor bei der Schweizer Privatbank Vontobel tätig.
Die WM-Gastgeber USA, Kanada und Mexiko gehören fußballerisch nicht unbedingt zu den Favoriten. In der Wirtschaft und an der Börse sieht es ganz anderes aus. Warum?
Für die WM-Gastgeber gilt: Fußball Flop, Börsen top. Die Vereinigten Staaten werden die WM kaum gewinnen, aber sie sind das Mutterland des Kapitalismus und führend in den Zukunftsbranchen Raumfahrt, Hightech, Biotechnologie und Energie. Ob wegen oder trotz Trump: Es gibt gute Chancen, dass amerikanische Aktien weiterhin besser performen als der Rest der Welt, vor allem als der europäische Markt. Die USA sind und bleiben für mich der attraktivste Aktienstandort, weil die heutige Technologiebranche anders ist als um die Jahrtausendwende. Sie vereint anhaltend hohes Umsatzwachstum mit starken Gewinnmargen und Erträgen. Trotz Kriegen und Überschuldung, Zins- und Inflationsängsten gehen die Aktienkurse nach oben. Die kulturelle und politische Stimmung in weiten Teilen der Welt ist zwar gegen Trumps Amerika. Aber offensichtlich ist es ein Fakt: Die ökonomische Zukunft spielt sich vor allem in den USA ab.
Kanada ist reich an Rohstoffen und Gold. Bleiben die Aussichten trotz der permanenten Streitereien mit Trump gut?
Kanada hat viele Rohstoffe und profitiert damit von einem neuen Rohstoffwert-Superzyklus. Wir brauchen jede Menge Industriemetalle für die künstliche Intelligenz und für Rechenzentren, für Datenleitungen und Energieinfrastruktur. Das nützt den kanadischen Unternehmen, es fehlt aber im Vergleich zu den USA an der Tech-Fantasie. Der Goldpreis ist trotz des jüngsten Rückgangs immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Angesichts der nachlassenden Währungsstabilität und der hohen Verschuldungen gehören Edelmetalle als Absicherung in ein gut sortiertes Depot. Davon profitieren die starken kanadischen Minenaktien.
Wie beurteilen Sie Mexiko: Werkbank der USA oder aufstrebender Emerging Market?
Die Fußball-WM wird Mexiko sicher noch einmal stärker ins internationale Blickfeld bringen. Aber in Zeiten der unsicheren Handelsbeziehungen hat sich Europa Mexiko ohnehin bereits stärker angenähert. Das zeigt das jüngst abgeschlossene Abkommen zwischen der EU und Mexiko, das sich an das EU-Mercosur-Abkommen anlehnt. Aber noch wichtiger ist für Mexiko das Verhältnis zu den USA. Und da muss man unterscheiden zwischen Donald Trumps Worten und seinen Taten. Die Amerikaner wissen: Mit den Lohnkosten in Mexiko können sie nicht mithalten. Deshalb gibt es kein Interesse, handelspolitisch zu übertreiben. Mexiko wird weiterhin die Werkbank der USA bleiben, den Unternehmen und der mexikanischen Wirtschaft kommt das zugute.
Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 10.06.2026; Quelle: comdirect.de
