- „Ich halte Greg Abel für den idealen Nachfolgekandidaten.“
- „Abel will die erfolgreiche Berkshire-Politik weiterführen.“
- „Aktienrückkäufe kommen Anlegenden ebenso zugute wie Dividenden.“


Herr Böhmer, im Mai sind Sie wie fast jedes Jahr im beschaulichen Omaha bei der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway. Was glauben Sie: Wie wird die erste HV ohne Warren Buffett ausfallen?
Warren Buffett dürfte zwar im Saal sein, aber eben nicht auf dem Podium. Ohne Buffett wird die HV etwas langweiliger sein. Ich gehe auch davon aus, dass die gewohnte Zahl von 40.000 Besuchern unterschritten wird und man sich vielleicht nicht um 5 Uhr anstellen muss, um einen guten Platz zu bekommen. Damit wird die HV einiges von ihrem Happening-Charakter verlieren und sich inhaltlich einer „normalen“ Hauptversammlung annähern. Gleichwohl bin ich gespannt, wie sich der neue Chef Greg Abel präsentiert: Er ist zwar kein Bühnenmensch wie Buffett, aber seine Ansprache im ersten Aktionärsbrief war überzeugend. Inhaltlich klar, dem Erbe verpflichtet, aber auch mit ein paar neuen Akzenten.
Was können Anlegerinnen und Anleger von Buffetts Nachfolger an Änderungen erwarten?
Ich halte Greg Abel für den idealen Nachfolgekandidaten. Er ist seit Langem im Unternehmen tätig und über viele Jahre als Nachfolger aufgebaut worden. Zudem hat er – anders als Buffett selbst – operative Erfahrung in der Führung von großen Unternehmen. Deshalb erwarten viele Experten, dass er sich bisweilen stärker als sein legendärer Vorgänger in Beteiligungsunternehmen einmischt, wenn die Dinge dort nicht wie gewünscht laufen. Abel hat bereits angekündigt, dass er das Problem Kraft Heinz angehen will. Die Fusion der beiden Konsumkonzerne war einer der wenigen Fehlschläge von Buffett, die er ein Jahrzehnt lang ausgesessen hat.
Und sonst? Wird Abel mehr Geld in Technologieaktien investieren? Oder sogar Dividenden ausschütten?
Eher nicht. Abel hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er die erfolgreiche Berkshire-Politik weiterführen will. Sie basiert auf den 4 Bausteinen Versicherungen, Eisenbahnen, Energie und Aktieninvestments. Bei den Versicherungen und Eisenbahnen ist Berkshire glänzend positioniert und hat wenig Handlungsbedarf. Der Energiebereich wächst – auch bei den Erneuerbaren, die unter Trump wenig gefragt, aber langfristig vielversprechend sind. Bei den Beteiligungsunternehmen könnte ich mir vorstellen, dass Abel mehr als Buffett auch außerhalb der USA investiert. Statt Dividenden hat er Aktienrückkäufe angekündigt. Das kommt Anlegerinnen und Anlegern mindestens ebenso zugute. Und es zeugt davon, dass Abel den Aktienkurs aktuell für unterbewertet hält!
Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung der comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 13.04.2026; Quelle: comdirect.de

