Inline-Optionsscheine Riskant und renditeträchtig

Inline-Optionsscheine Riskant und renditeträchtig
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Mit Inline‐Optionsscheinen gewinnen Anleger, wenn der Basiswert innerhalb definierter Grenzen bleibt. In volatilen Zeiten sollte der Korridor breit bemessen werden.

Mit dem Übergreifen des Coronavirus auf Europa und die USA sind die weltweiten Aktienmärkte von hoher Unsicherheit erfasst worden. Heftige Ausschläge und starke Kursrückgänge waren die ersten Folgen. Wie es in den kommenden Wochen weitergehen wird, ist unklar. Die Nervosität an den Märkten wirkt sich insbesondere bei verschiedenen Hebelprodukten stark aus. So ist bei sogenannten Inline‐Optionsscheinen die Gefahr eines Barrierebruchs in den zurückliegenden Tagen massiv angestiegen. Das ist schlecht für bereits investierte Anleger, Neueinsteigern bietet die rasant gestiegene Volatilität aber auch attraktive Chancen.

Großzügig kalkulieren in volatilen Zeiten

Grundsätzlich ist eine positive Wertentwicklung von „Inlinern“ daran gekoppelt, dass sich der Kurs des Basiswertes innerhalb einer Bandbreite bewegt, die bei der Auflage des Optionsscheins festgelegt wurde. „Wird bis zum finalen Bewertungstag weder die untere noch die obere Barriere des vorgegebenen Korridors berührt oder durchbrochen, erhalten ihre Besitzer bei Fälligkeit einen vorab definierten festen Rückzahlungsbetrag von meist zehn Euro pro Inline‐Optionsschein ausgezahlt“, erklärt Stefano Angioni, Zertifikate‐Experte von der Société Générale, das Prinzip. Schon bei einer einmaligen Verletzung eines der beiden K.-o.-Level verfallen die Papiere jedoch wertlos. Der Emittent zahlt dann einen Restwert von 0,001 Euro aus. Neben dem Emittentenrisiko haben Investoren bei Inlinern daher auch ein gewichtiges Totalverlustrisiko. Deshalb ist bei diesen Papieren eine besonders sorgfältige Auswahl notwendig.

Besonders spekulativ sind enge Kursgrenzen und Kursstände nahe am Rand des Korridors. „Aus diesem Grund sollte der Abstand der K.-o.-Schwellen zum Basiswertpreis keineswegs zu knapp gewählt werden“, empfiehlt Angioni. Schließlich sind in volatilen Zeiten auch bei weiter gefassten Grenzen sehr hohe Renditechancen (allerdings auch Totalverlust‐Risiken) innerhalb kürzester Zeit möglich. So bringt es etwa ein Inline‐Optionsschein der Société Générale (WKN SR66DD) bei einem aktuellen Briefkurs von 8,80 Euro auf Zugewinne von 13,6 %, sofern der DAX bis zum 17. Juli 2020 die Korridorgrenzen von 8.200 und 13.800 DAX‐Punkten zu keinem Zeitpunkt berührt oder durchbricht. Bei aktuell rund 10.700 Zählern ergibt sich damit nach unten ein Spielraum von 23 %, nach oben sind es sogar 29 %. Werden die beiden Grenzen mit 8.300 und 12.900 Zählern etwas offensiver gewählt (WKN SR7J87), ist bei erhöhtem Risiko innerhalb von gut zwei Monaten sogar ein Maximalgewinn von 17,1 % drin.

Dabei sollen die hier genannten Inliner nur der Verdeutlichung möglicher Chancen für den Fall dienen, dass die Spekulation tatsächlich aufgeht. Bei entsprechendem Interesse muss die Auswahl der Produkte stets in Abhängigkeit der individuellen Markterwartungen, der persönlichen Risikoneigung und insbesondere natürlich des jeweils aktuellen Basiswertpreises getroffen werden. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass es sich bei Inline‐Optionsscheinen um eine „Entweder‐oder‐Spekulation“ handelt, wenn die Papiere bis zum Laufzeitende gehalten werden.

Auf sinkende Volatilität und Restlaufzeit setzen

Dies wird von manchen Käufern zwar auch getan. Oft erfolgt der Verkauf aber schon nach wenigen Tagen. Genau hier wird es für ausgewiesene Trader interessant. Bei herkömmlichen Calls und Puts fällt nämlich der Kurs bei rückläufiger Volatilität des Basiswertes. Genau diese rückläufige Volatilität führt bei Inline‐Optionsscheinen dagegen zu steigenden Kursen. Schließlich sinkt damit die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch aus dem Korridor. Trotz eines gewissen Rückgangs in den vergangenen Tagen ist die implizite Volatilität, gemessen am VDAX‐New oder auch dem VStoxx, im historischen Vergleich aber immer noch extrem hoch. Ein weiterer Rückgang der Nervosität an den Märkten würde Inlinern also Rückenwind geben. Zugewinne bringt auch die kontinuierlich abnehmende Restlaufzeit: Während sich bei klassischen Optionsscheinen der Zeitwert tagtäglich reduziert, läuft die Zeit bei Inlinern für deren Besitzer. Je näher das Laufzeitende rückt, umso stärker nähert sich der Preis der Scheine nämlich dem ausgelobten Festbetrag an.

Inline‐Optionsscheine unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Dieser tritt bei Inline‐Optionsscheinen bereits ein, wenn der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit eine der beiden Knock‐out‐Schwellen berührt oder durchbricht. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Inline‐Optionsscheinen besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Die hier dargestellten Informationen und Wertungen genügen nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 06.05.2020; Quelle: comdirect.de