Inflation: Kaum Alternativen zu Aktien

LNG (Flüssigerdgas)-Tankschiff, verankert auf einer kleinen Gasterminalinsel mit Speichertanks
© aerial-drone via Adobe Stock

Steigende Zinsen drücken auf die Stimmung der Anleger. Bei hoher Inflation setzen Vermögensverwalter dennoch auf Aktien.

Das erste Halbjahr sorgte bei vielen Anlegern für ein Minus im Depot. Die meisten Aktienmärkte gaben stark nach. Deutlich steigende Zinsen führten zudem zu einem Crash bei Anleihen. „Eine schnelle Erholung von Konjunktur und Finanzmärkten wie nach dem Corona-Crash wird es nicht geben können“, sagt Marco Herrmann, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Fiduka in München. Wie also sollten Anleger in diesem Umfeld mit stark steigenden Preisen und Zinsen investieren? Da gibt es unter Vermögensverwaltern weitgehende Einigkeit: „Unter den großen Anlageklassen sind heute Aktien am interessantesten“, ist Christoph Bruns, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung Loys, überzeugt. „Hochqualitative Unternehmen sind mitunter zu Ausverkaufspreisen zu haben.“

Inflation bleibt länger als erwartet

Stefan Riße

„Ohne Sachwerte verlieren Anleger Geld“

Acatis-Stratege Stefan Riße über die Gründe der Inflation, die Ohnmacht der Notenbanken und Chancen an den Aktienmärkten.

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Aktien haben in der Vergangenheit in inflationären Phasen vergleichsweise gut abgeschnitten. Und aktuell hat sich die Inflation weltweit verfestigt. In den USA gab die Rate zuletzt zwar auf 8,3 % nach, in der Eurozone stieg sie jedoch auf ein neues Allzeithoch von 9,1 %. In Deutschland notierte sie im August dank Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket „nur“ bei 7,9 %. Aber diese Effekte laufen im September aus. Gleichzeitig steigen seit Monaten wegen der Lieferkettenprobleme und explodierenden Gaspreisen die Erzeugerpreise mit zweistelligen Raten. Und die Erzeugerpreise von heute werden sich zumindest teilweise morgen auf die Marktpreise und die Inflation niederschlagen.

Trotz konjunktureller Abschwächung muss deshalb insbesondere in Europa die Zentralbank reagieren und die Zinsen weiter anheben. Winfried Walter, Vorstand und Senior Portfoliomanager bei der Kölner Vermögensverwaltung Schneider, Walter & Kollegen, rechnet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer längeren Phase steigender Zinsen in der Eurozone: „Bei negativen Renditen nach Inflation von minus 5 % verliert man dann auf dem Konto und auch mit sicheren Anleihen auf Dauer Geld.“ Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei der Fondsgesellschaft Acatis, sieht deshalb nur einen Weg: „Sachwerte statt Geldwerte: Das können Aktien sein, Immobilien oder auch Gold.“

Gute Einstiegsgelegenheit für Investoren

In den vergangenen Monaten waren an den Börsen vor allen günstig bewerte Aktien mit guter Substanz (sogenannte Value-Titel) gefragt. „Generell erwarten wir, dass sich Substanzwerte noch eine ganze Zeit lang besser als Wachstumswerte entwickeln werden“, sagt Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement beim Münchner Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen. Auf die Aktienauswahl komme es an: „Unprofitable Wachstumsaktien sind im Umfeld steigender Zinsen in der Regel schlecht.“ Spannend findet Roestel Versorger, die bereits einen hohen Anteil des Stroms aus regenerativen Quellen erzeugen und so von hohen Strompreisen profitieren können. „Auch Tanker-Reedereien, die sich auf den Transport von Rohöl oder LNG spezialisiert haben, sollten profitieren“, sagt Roestel. Loys-Fondsmanager Christoph Bruns findet interessante Unterbewertungen bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Als Beispiele nennt Bruns in Deutschland Unternehmen wie Sixt, Fuchs Petrolub oder Amadeus FiRe: „Auch Henkel und Adidas oder Energiegesellschaften wie Shell, BP, TotalEnergies oder Eni sehen attraktiv aus.“

Technologiewerte teilweise wieder günstig

Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei der Fondsgesellschaft Acatis, geht dagegen von einer Trendwende an der Börse aus: „Aus meiner Sicht dürfte die Rally bei den Value-Werten gelaufen sein.“ Er sieht die großen und profitablen Technologieunternehmen (Growth-Aktien) als die Gewinner der aktuellen Entwicklung: „Sie haben geringe Input- und Energiekosten, dafür eine starke Machtstellung und einen geringen Kapitalbedarf.“ In den Fonds von Acatis finden sich Unternehmen wie Alphabet, BioNTech, Microsoft oder Nvidia. Der Kursverfall bei Technologiewerten im ersten Halbjahr biete Chancen, meint auch Robert Habatsch, Vorstand bei Greiff capital management in Freiburg. „Viele Werte haben sich halbiert, ohne an Perspektive zu verlieren. Hier würde ich sogar situativ aufstocken, vorausgesetzt, ich bin von der Zukunft des Unternehmens überzeugt.“ Als Beispiele sieht er bei Berücksichtigung von Bewertung und Perspektive unter anderem die chinesische Meituan sowie Amazon und Meta.

Winfried Walter, Vorstand und Senior Portfoliomanager bei der Kölner Vermögensverwaltung Schneider, Walter & Kollegen, empfiehlt, das Depot auf verschiedene Währungen aufzuteilen. „Dabei steht nicht allein der Performanceaspekt im Vordergrund. Vielmehr soll eine hohe Diversifikation über Währungen aus Volkswirtschaften mit langfristig echtem Wertschöpfungspotenzial erzielt werden.“ Häufig fokussieren sich Anleger auf Wertpapiere aus Deutschland in Euro. Wer sein Depot breit streut, erhöht Chancen und reduziert Risiken. Zu einer effektiven Währungsallokation gehören natürlich Aktien aus den USA, aber auch aus Japan oder den skandinavischen Märkten.

Skepsis bei Anleihen und auch teilweise bei Gold

Die Zeit von Negativzinsen ist vorbei. Bei Bundesanleihen und Corporate Bonds gibt es inzwischen wieder etwas höhere Coupons. Aber das macht Vermögensverwalter noch längst nicht zu Anhängern von Rentenpapieren: „Wir glauben, dass die Anleihezinsen unter der Preissteigerung bleiben“, erklärt Acatis-Kapitalmarktexperte Riße: „Wenn die Rendite einer zehnjährigen Anleihe bei 1,5 % liegt, ist das zwar optisch ein starker Anstieg, aber bei einer Inflation von 7,6 % verlieren Anleger dennoch Geld.“ In die gleiche Kerbe schlägt Christoph Bruns von Loys: „Die Realzinsen sind nach wie vor deutlich im negativen Bereich. Daher taugen die meisten Anleihen noch nicht für Anleger.“

Der Vermögensverwalter ist auch für Gold skeptisch und sieht das Edelmetall strukturell gar als Verlierer der vergangenen Jahre. Von den jahrelangen Nullzinsen konnte es kaum profitieren und selbst die im Galopp steigende Inflation helfe dem Goldpreis nicht. Andere Anlageprofis sehen das anders: „Gold passt als Stabilisator sehr gut in ein Portfolio“, sagt Robert Habatsch. Grundsätzlich komme es auf die Neigung des Anlegers an, ob er physisch Gold kaufen wolle oder alternativ Zertifikate oder Goldminenaktien bevorzuge. „Gold bleibt mit 5 bis 10 % Anteil eine hervorragende Depotbeimischung“, empfiehlt auch Marco Hermann von Fiduka.

Im Paket in die Aktienmärkte investieren

Mit Einzelwerten haben Anleger in der aktuell unsicheren inflationären Lage neben Chancen auch größere Risiken. Im Paket sind die Rückschlagrisiken insgesamt geringer. Mit den 25 Top‐Preis Fonds von comdirect können Anleger ohne Ausgabeaufschlag im Sparplan und in der Einmalanlage investieren (alle Konditionen zu den Top-Preis Fonds finden Sie hier). In die internationalen Aktienmärkte investieren zum Beispiel der Pictet‐Global Megatrend Selection‐P (WKN A0X8JZ), der Allianz Thematica (WKN A2AQF1) oder der Morgan Stanley Investment Funds Emerging Leaders Equity Fund – A (WKN A1J2X6). Kostengünstig sind die 150 Top-Preis ETFs, die comdirect mit sechs Partnern (Amundi, Franklin Templeton, iShares, Lyxor, VanEck und Xtrackers) anbietet. Mit diesen ETFs können Anleger weltweit in fast alle Aktienmärkte investieren. Im Sparplan fällt ab 25 Euro pro Ausführung kein Orderentgelt an (alle Informationen und Konditionen zu den Top-Preis ETFs von comdirect finden Sie hier).

Aktien, Fonds und ETF unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 21.09.2022; Quelle: comdirect.de