Infineon Gewinner der Chipkrise

Abbildung eines Elektrochips, der leuchtet.
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Der deutsche Halbleiterspezialist hat ein gutes Geschäftsjahr absolviert. Die Aussichten bleiben positiv.

Infineon gehört mit vier starken Segmenten zu den Big Playern im internationalen Halbleitergeschäft. Im gebrochenen Geschäftsjahr 2021 (zum 30.9.) überzeugten Umsatz- und Gewinnanstieg. Die ohnehin schon positive Prognose für das angelaufene neue Geschäftsjahr wurde bereits nach oben korrigiert und die Analysten sind von der Aktie überzeugt. Allerdings blieb die Industriesparte zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Die Infineon-Aktie ist hoch bewertet und die Dividendenrendite bleibt trotz steigender Ausschüttung niedrig. Angesichts des zyklischen Halbleitergeschäfts und der deutlich gestiegenen Aktienkurse könnte eine Korrektur überdurchschnittlich stark ausfallen.

Pro Infineon (WKN 623100)

  • Vier starke Standbeine: Infineon gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Halbleitern und Spezialchips. Mit den Geschäftsbereichen Automotive (ATV), Industrial Power Control (IPC), Power & Sensor Systems (PSS) und Chip Card & Security (CCS) ist Infineon breit aufgestellt und kann Schwächephasen in einzelnen Segmenten kompensieren.
  • Deutliche Ergebnisverbesserungen: Konzernweit legte der Erlös im gebrochenen Geschäftsjahr 2021 (zum 30.9.) im Vergleich zum Vorjahr um 29 % auf etwas mehr als elf Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn kletterte auf knapp 2,1 Milliarden Euro – plus 77 %. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,17 Milliarden Euro nach 368 Millionen Euro im Vorjahr.
  • Ausblick im November erneut angehoben: Der Chipmangel treibt die Preise. Infineon erwartet deshalb ein gutes Geschäftsjahr 2021/2022. Schon im November wurde die bereits optimistische Oktober-Prognose angehoben. Der Umsatz soll um rund 15 % auf 12,7 Milliarden Euro und der operative Gewinn sogar um fast 30 % auf fast 2,7 Milliarden Euro zulegen.
  • Optimistische Experten: Angesichts der Nachfrage nach Infineon-Produkten fällt auch das Urteil der Analysten zurzeit positiv aus: Zehn von 14 Experten setzen die Aktie auf „Kauf“, vier auf „Halten“. Es gibt keine Verkaufsempfehlung und der comdirect Analystenscore liegt bei 71 % – einer der Spitzenwerte im DAX.

Contra Infineon (WKN 623100)

  • Schwäche in der Industriesparte: Enttäuschend fielen im vierten Quartal Umsatz- und Gewinnentwicklung in der Industriesparte IPC aus. Die Erlöse sanken im Vergleich zum Vorquartal um 1 % auf 407 Millionen Euro, der Gewinn ging sogar um 12 % auf 72 Millionen Euro zurück. Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen mit einem erneuten Umsatzrückgang.
  • Hohe Bewertung: Infineon gehörte in den vergangenen fünf Jahren zu den performancestärksten Aktien im DAX. Seit dem Tief zu Beginn der Corona-Virus-Krise hat sich der Kurs annähernd vervierfacht. Auf Basis der für 2022 erwarteten Gewinne beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis inzwischen auf rund 25.
  • Dividendenrendite gesunken: Infineon will für das abgelaufene Geschäftsjahr 27 Cent pro Aktie als Dividende ausschütten. Damit wird zwar das Niveau von 2019 wieder erreicht. Aber die ohnehin traditionell magere Dividendenrendite liegt aufgrund der starken Kursentwicklung gerade mal bei rund 0,7 %.
  • Korrekturanfälligkeit: Infineon ist eine der wenigen Technologieaktien im DAX und entsprechend gefragt. Aktuell verlangt zudem die ganze Welt nach Halbleitern, sodass Preissteigerungen möglich sind. Aber traditionell ist das Geschäft sehr zyklisch. Bei nachlassender Nachfrage könnte die Aktie stark unter Druck kommen.

Über Infineon

Infineon ist eine der zahlreichen Töchter des traditionsreichen Siemens-Konzerns. Das Unternehmen entstand im Jahr 1999 durch die Ausgliederung des Halbleitergeschäfts. Bis zum Jahr 2006 gab Siemens die Aktien von Infineon ab. Wie die ehemalige Konzern­mutter ist aber auch Infineon bis heute nahe München ansässig. Nach mehreren kleineren Zukäufen übernahm Infineon im Jahr 2020 für rund neun Milliarden Euro den Konkurrenten Cypress Semiconductor Corporation und festigte mit dieser größten Übernahme der Firmengeschichte seinen Platz unter den zehn größten Chip­produzenten der Welt. Mit rund 50.000 Mitarbeitern erzielte Infineon im Geschäftsjahr 2021 (zum 30.9.) einen Umsatz von gut elf Milliarden Euro.

Nach zahlreichen Umstrukturierungen umfasst Infineon vier Geschäftsbereiche: Im größten Segment Automotive (ATV) liefert das Unternehmen Halbleiterprodukte wie Mikrocontroller und Sensoren für Motor- und Getriebesteuerung, Dämpfung und Klimaanlage sowie Sicherheitssysteme wie ABS, ESP oder die Airbags. Die Sparte Power & Sensor Systems (PSS) fasst das Geschäft mit Chips für Computer-Server und Konsumgüter wie Fernseher, Spielekonsolen, PCs und mobile Endgeräte zusammen. Industrial Power Control (IPC) produziert leistungsfähige Halbleiter und Module für die Erzeugung, Übertragung und den Verbrauch elektrischer Energie. Sie kommen bei Maschinen und Lokomotiven, aber auch in Modulen für die Stromerzeugung in Wind- und Solaranlagen zum Einsatz. Das Segment Connected Secure Systems (CSS) liefert Mikrocontroller für SIM-Karten, Chips für Bezahl- und Zugangsberechtigungskarten und amtliche Dokumente wie Reisepässe oder Personalausweise.

Infineon hat bereits eine bewegte Börsengeschichte hinter sich. Die Aktie startete mitten im Jahrtausendwechsel-Hype und schaffte es schon nach kurzer Zeit in den DAX. Mit dem Technologie-Crash brach aber auch der Aktienkurs von Infineon ein. Bis zum Jahr 2016 gehörte die Aktie aufgrund der schwachen Marktkapitalisierung daher kontinuierlich zu den DAX-Abstiegskandidaten. In den vergangenen Jahren jedoch profitierte das Papier von Umsatz- und Gewinn­steigerungen und dem weltweiten Run auf Technologiewerte. Insbesondere seit dem Ausbruch der Corona-Virus-Pandemie hat Infineon die meisten anderen Werte im DAX 40 abgehängt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 51 Milliarden Euro zählt die Aktie inzwischen zu den größeren Werten im DAX.

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